Tiefe Trauer um Udo Jürgens: Schlagersänger starb an Herzversagen

Schlagersänger starb an Herzversagen
Schlagersänger starb an Herzversagen - © APA/DPA
Nur wenige Tage vor Weihnachten ist der Schlagersänger Udo Jürgens im Alter von 80 Jahren an Herzversagen gestorben. Viele Künstler, Politiker und Medien lassen den Musiker noch einmal hochleben.

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) hat sich am Sonntagabend tief betroffen vom Ableben Udo Jürgens’ gezeigt. “Jürgens war nicht nur ein Botschafter Österreichs in der Welt, sondern hat auch stets politische Haltung bewiesen, indem er sich immer für die Demokratie stark gemacht und nie seine Heimat Österreich vergessen hat”, so Faymann. Er habe Jürgens versichert, dass Österreich stolz auf ihn sei.

“Eine historische Persönlichkeit”

Nach dem Tod von Udo Jürgens haben zahlreiche Politiker und Kollegen den Sänger ausführlich gewürdigt. Für ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz war Jürgens “eine historische Persönlichkeit”, für ORF-Programmchefin Kathrin Zechner hinterlässt die traurige Nachricht “einen tiefen Schmerz”. Für die deutsche Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) war der Sänger schlicht ein “Ausnahmekünstler”.

Grünen-Kultursprecher Wolfgang Zinggl bezeichnete Jürgens als “Popstar und Mahner”, NEOS-Kultursprecherin Beate Meinl-Reisinger sah ihn als “Unbeugsamen, der an sich und die Kraft seiner Lieder geglaubt hat”. Und für das BZÖ war Jürgens “der größte Entertainer, den Österreich jemals gesehen hat”. Für Wiens Bürgermeister Michael Häupl und Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (beide SPÖ) bleibt Jürgens als “Vorbild für Generationen unvergessen”, für die Wiener ÖVP-Kultursprecherin Isabella Leeb “geht ein Stück musikalische Zeitgeschichte Österreichs zu Ende”. Grünen-Chefin Eva Glawischnig lobte, dass Jürgens auch politische Stellungnahmen nicht gescheut habe, wie etwa seine klare Abgrenzung gegenüber der Politik Jörg Haiders gezeigt habe.

Tiefe Trauer um Jürgens

Die deutschsprachigen Medien haben am Montag den überraschend verstorbenen Musiker und Entertainer Udo Jürgens noch einmal hochleben lassen. “Merci, Udo”, “Vielen Dank für die Blumen”, “Adieu, Adieu, Adieu”, heißt es in Anspielung an Lieder und Liedtexte des Stars. In der Schweiz und in Deutschland dominiert auf den Titelblättern und Nachrichten-Websites ein Mann: Udo Jürgens, der am Sonntagnachmittag im Alter von 80 Jahren überraschend auf einem Spaziergang im Schweizer Kanton Thurgau zusammengebrochen und im Spital an Herzversagen gestorben ist.

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“Abschied von einer Musiklegende”, verkündet die “Neue Zürcher Zeitung” nüchtern auf ihrer Titelseite. “Das Ende einer unaufhörlichen Melodie”, schreibt die “Basler Zeitung”. “Seine Lieder bleiben”, heißt es auf SRF.ch. Das Schweizer Fernsehen SRF sendete am Sonntagabend einen Dokumentarfilm zu Udo Jürgens anstelle eines Best of-Zusammenschnitts der Satieresendung “Giacobbo/Müller”.

“Merci dem Mann am Klavier”

Udo Jürgens lebte im Kanton Zürich, kam in Österreich als Sohn deutschstämmiger Eltern auf die Welt und hatte sowohl die schweizerische wie auch die österreichische Staatsbürgerschaft – entsprechend überspannt sein Tod die Medien in den drei Ländern.

“Keiner beherrschte die Kunst besser, dem deutschen Schlager Tiefgang zu geben. Keiner stand zugleich so über diesem Genre. Udo Jürgens war die Größe in der Branche, die doch sonst so von Oberflächlichkeit lebt”, schreibt “Spiegel online”.”Merci dem Mann am Klavier”, titelt Welt.de. Eine stilbildende Art Lied habe er entwickelt, das Udo-Jürgens-Lied. “Er sang über unsere Hoffnungen, weil er sie teilte”, hieß es auf Sueddeutsche.de.

Familie und Fans bestürzt

“Ich kann nicht fassen, dass es so plötzlich passiert ist”, sagte der Maler Manfred Bockelmannüber den Tod seines Bruders, der ihm einst mit dem Lied “Mein Bruder ist ein Maler” ein Denkmal gesetzt hat. Die Nachricht sei “ein großer Schock für die Familie”. Tochter Jenny Jürgens ließ der dpa über ihr Management ausrichten, dass Schmerz und Traurigkeit groß seien. “Ihr ganzes Ansinnen gilt im Moment ihrer Familie.”

Auch zahlreiche Künstler, Politiker, Sportler und Medienmanager kommentierten den Tod von Jürgens tief betroffen. “Jürgens war nicht nur ein Botschafter Österreichs in der Welt, sondern hat auch stets politische Haltung bewiesen, indem er sich immer für die Demokratie stark gemacht und nie seine Heimat Österreich vergessen hat”, sagte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ). Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) sagte, der Sänger hätte am 27. Februar das “Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse” verliehen bekommen sollen.

Die Sängerin Conchita Wurst, die erste heimische Song-Contest-Siegerin seit dem Triumph von Jürgens, würdigte den Entertainer als einen “großartigen Künstler” und bedankte sich mit einem “Merci!” Der deutsche Sänger Udo Lindenberg schrieb von einem “schmerzlichen Verlust”: “Es ist, als wäre ein Familienmitglied von uns gegangen.” Fußballmanager Franz Beckenbauer schrieb auf Twitter von einer “schrecklichen Nachricht”, Jazz-Trompeter Till Brönner schrieb bei Facebook: “Verneigung, lieber Udo!”

Der Künstler Udo Jürgens

Am 30. September 1934 in Klagenfurt geboren, lebte Jürgens seit 1977 in Zürich. 2007 nahm er auch die Schweizer Staatsbürgerschaft an. Bis zuletzt hat Jürgens rund 1.000 Lieder komponiert, mehr als 50 Alben veröffentlicht und an die 100 Millionen Tonträger verkauft. Mit seiner Stimme, den Melodien zum Mitsingen und Mitdenken sowie seinem Charme hat Jürgens die Herzen von Millionen erobert. Entsprechend zeitigte die Nachricht von seinem Ableben in kürzester Zeit tausende schockierte bis dankbare Reaktionen im Internet.

Udo Jürgens, mit bürgerlichem Namen Udo Bockelmann, verband in seinen Liedern populäre Schlagermelodien mit anspruchsvollen Texten. Oft saß er auch selbst am Klavier. In Österreich wurde ihm der Berufstitel “Professor” verliehen. Seine Live-Auftritte, die er stets im weißen Bademantel beendete, waren legendär. Aus erster Ehe hat Jürgens die zwei Kinder John und Jenny. Zwei weitere Töchter stammen von zwei anderen Frauen.

Über das größte Glück in seinem Leben sagte Udo Jürgens einmal: “Die normale Antwort ist natürlich: ‘Die Geburt meines ersten Kindes, meines Sohnes John’ – und das ist mit Sicherheit auch irgendwo die Wahrheit. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich da nicht diesen Rausch des Glücks, wie ich ihn später empfunden habe, als ich zum Beispiel die Eurovision gewonnen habe. Das war wahrscheinlich der größte Glücksrausch meines Lebens. Der ging immer Hand in Hand mit meiner Musik.”

Lesen Sie auch: Die Reaktionen auf den Tod von Udo Jürgens

(APA/Red.)

 

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