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6. Juli 2009 11:34; Akt.: 28.09.2011 00:00

"The Boss" in Wien: Bruce Springsteen zeigt Show voller Highlights

Der "Boss" rockte Wien Der "Boss" rockte Wien - © APA
Zwar war das Ernst-Happel Stadion nicht ganz ausverkauft, aber das störte die Legende Bruce Springsteen eher weniger. Sage und schreibe 3 Stunden dauerte seine Show, bei der er von seiner E Street-Band unterstützt wurde.

Springsteen, mit 59 Jahren nicht eben mehr der Jüngste, zeigt keine Schwäche – ganz im Gegenteil: nicht einmal mehr die früher bei seinen Konzerten übliche Pause hält er ein. Und es hat immer wieder den Hauch von Legende, wenn Springsteen mit der E Street-Band unterwegs ist. Die ist allein optisch ein Erlebnis: Zunehmend Kunst- und Kultfigurstatus nimmt der übercoole “Big Man” Clarence Clemons ein, der eigentlich gar nicht mehr zum Saxofon greifen müsste, und Drummer Max Weinberg sitzt immer noch so irritiert hinter seinem Schlagzeug, als müsste er Kakerlaken erschlagen.

Und auch wenn ganz am Schluss bei “Twist And Shout” pure Party das Praterstadion prägt, darf bei aller Stadionrock-Haudraufstimmung nicht übersehen werden: Springsteen ist eine Rampensau mit nicht nur hungrigem, sondern auch melancholischen Herz. Er besingt, eigentlich mit immenser Traurigkeit, schon seit Jahrzehnten die Ohnmachtsgefühle und Kränkungen jener Arbeiterschaft, die derzeit mancherorts als zunehmend hasserfüllter “Kleiner Mann” in diverse Extremismen abgleitet, im Springsteen’schen Universum aber hauptsächlich versucht, Trost zu finden und doch noch irgendwie über die Runden zu kommen. Was nicht eben leichter wird: “The times are tough/just getting tougher”, wiederholte Springsteen gestern mehrmals bei “Cover Me”, “the times are tough/just getting tougher”. Zwischen Krisen-Nutznießern und Massenentlassungen, Niedergang der US-Autoindustrie und unerhörten Arbeitslosenzahlen bekommen jahrzehntealte Hits wie “Born to Run”, “Badlands” und “Promised Land” eine neue Aktualität, die sie eigentlich nie verloren haben. Und der Titel des aktuellen Albums, “Working on A Dream”, klingt programmatischer denn je.

Dass der Stadionsound im Allgemeinen von variierender Qualität ist und, zumindest bei den Sitzplätzen, zuweilen zwischen Schlagzeug und Springsteens Gesang kaum etwas von der Band zu hören war, ist keine Überraschung. Auch, dass Springsteen keine Berührungsängste mit den Fans kennt, immer wieder auf Tuchfühlung mit den ersten Reihen geht und sich bereitwillig betatschen lässt (ein paar Fans nützen sogar die Gelegenheit, um über die Saiten von Springsteens umgehängter Gitarre zu streichen). Mit deutschen Ansagen erfreute er die Wiener, einen etwas einstudierten Eindruck machten dafür jene Musikwünsche, die Fans auf die Poster geschrieben haben und die Springsteen dann einsammelte.

Eines war, nicht nur beim Blick ins Publikum (dessen Altersschnitt durchaus gehoben war), klar: Springsteen-Konzerte sind, in aller ihrer hemdsärmeligen Arbeitsmoral, Relikte einer vergangenen Ära. Und mit melodramatischen Einspielungen von Sonnenuntergang und tiefroter Prärie bei “Outlaw Pete” widmet sich der Rockstar einer Ästhetik, die ein williges Opfer für obergescheite Sarkasmen abgibt. Doch mit drei Stunden hochenergetischer Rockunterhaltung zeigt Springsteen, dass dies alles eigentlich keine Rolle spielt, und dass Attribute wie “ehrlich” und “direkt” auch heute noch für ein fantastisches Konzert stehen können. Wenn dann das Publikum statt Springsteen “The River” singt , dann gibt es keinen Zweifel mehr – Springsteen hat in Wien gezeigt, dass Stadionrock lebt.


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