Taschendieb bei Festnahme in Wien misshandelt: Vorhabensbericht fertig

Wiener Polizisten sollen einen Taschendieb misshandelt haben
Wiener Polizisten sollen einen Taschendieb misshandelt haben - © APA (Sujet)
Im Fall um einen mutmaßlichen Taschendieb, der am 28. Juli 2015 bei seiner Festnahme in Wien von zwei Polizisten misshandelt worden sein soll, ist der Vorhabensbericht der Staatsanwaltschaft abgeschlossen.

Wie der “Falter” in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, soll darin eine Anklageerhebung wegen Körperverletzung vorgeschlagen werden.

Amtsverschwiegenheit: Kein Kommentar

Behördensprecherin Christina Ratz konnte das auf APA-Anfrage nicht bestätigen. Vorhabensberichte, die von der Oberstaatsanwaltschaft Wien und dem Justizministerium “abgesegnet” werden müssen, unterliegen der Amtsverschwiegenheit. Ihr Inhalt darf vonseiten der Strafverfolgungsbehörden daher nicht nach außen kommuniziert werden.

Laut “Falter” soll die Anklagebehörde zwei mit der Amtshandlung befassten Polizeibeamten vorwerfen, sie hätten im bewussten und gewollten Zusammenwirken den 27-jährigen Mann vorsätzlich am Körper verletzt. Der Fall wurde publik, weil ein Anrainer das Geschehen mitfilmte und das knapp zweiminütige Video den Medien zuspielte.

Video zeigte Misshandlung von mutmaßlichem Taschendieb

Der Mitschnitt zeigt, wie der Festgenommene – ein algerischer Asylwerber, der inzwischen untergetaucht sein soll – ruhig und mit am Rücken gefesselten Händen an einer Hauswand steht, wobei sein Gesicht der Mauer zugewandt ist. Dann reißt ihn einer der beiden Polizisten kurz nach hinten, dreht ihn um und drückt ihn gegen die Wand. Sein Kollege packt den Mann am Hals und stößt ihn zu Boden. Da die Arme des 27-Jährigen fixiert sind, schlägt er mit dem Kopf auf dem Asphalt auf, ein Schrei ist zu hören. Kurze Zeit später setzen die Polizisten den Gefesselten mit dem Rücken zur Hausmauer auf den Gehsteig.

Polizisten behaupteten Gegenwehr

Neben den unmittelbaren Tätern möchte – so zumindest der “Falter” – möchte die Staatsanwaltschaft in dieser Sache zwei weitere Beamte vor Gericht stellen. Sie sollen den Vorfall falsch dokumentiert haben, indem sie ein Protokoll anfertigten, in dem behauptet wurde, der Festgenommene habe sich gewehrt und sich seine Verletzungen ohne fremdes Zutun zugezogen. Nach der Veröffentlichung des Videos waren die beiden darauf ersichtlichen Polizisten vom operativen Außendienst abgezogen und in den Innendienst versetzt worden. Ein internes Disziplinarverfahren wurde eingeleitet.

>>Video zeigt Misshandlung eines Festgenommenen

(apa/red)

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