Straßen-Strich in Floridsdorf: Mutter und Tochter als “Sittenwächterinnen”

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Mutter und Tochter sollen gegen Auswüchse des Straßen-Strichs in Wien-Floridsdorf vorgegangen sein
Mutter und Tochter sollen gegen Auswüchse des Straßen-Strichs in Wien-Floridsdorf vorgegangen sein - © AP (Sujet)
Der Straßen-Strich in der Einzingergasse in Wien-Floridsdorf ist am Donnerstag, den 18. Juni, Hintergrund einer skurrilen Verhandlung im Straflandesgericht gewesen. Eine 34-jährige Anrainerin und ihre Mutter mussten sich unter anderem wegen Amtsanmaßung verantworten. Sie sollen sich mehrfach als Polizistinnen ausgegeben und Prostituierte weggewiesen bzw. zur Ausweisleistung aufgefordert haben. Es wurde vertagt.

Die Angeklagten waren nicht geständig, klagten dafür wortreich Richterin Stephanie Öner ihr Leid. “Der Marchfeldkanal ist eigentlich ein Naherholungsgebiet. Die Leute hier sind das nicht gewohnt”, konstatierte die Jüngere. Ihre beiden Töchter – elf und 14 Jahre alt – würden wiederholt von Freiern oder Zuhältern angesprochen. “Wenn man spazieren geht und da liegen Kondome und männliche Sekrete herum, ist das wenig angenehm”, schilderte die 34-Jährige.

Mutter und Tochter als “Sittenwächterinnen” in Wien-Floridsdorf

Eine Enkeltochter sei eines Tages sogar weinend nach Hause gekommen, so furchtbar habe sich ihr Heimweg gestaltet, legte die 73-Jährige ein Schäuferl nach: “Kleine Schnapsflaschen liegen am Gehsteig, und am Montag kommen die armen Beschäftigten von der MA48 und klauben mit Steckerln die Kondome auf.” Einige Prostituierte würden mitten auf der Fahrbahn “Anbahnung machen”, berichtete die Pensionistin: “Es gibt einen Transgender, der steht auf der Straße und macht einen Spagat. Eine wunderbare Erscheinung. Aber ein Hindernis.”

“Das Wort ‘Polizei’ habe ich niemals erwähnt”

Nach Darstellung einiger Prostituierter sollen die beiden Frauen beinahe täglich in ihrem Auto Patrouille gefahren sein und die Einhaltung der behördlich festgelegten “Standzeiten” kontrolliert haben. Dass sie sich als Polizistin ausgegeben und Ausweiskontrollen vorgenommen habe, stellte die 34-Jährige in Abrede: “Das Wort ‘Polizei’ habe ich niemals erwähnt. Das kann ich beschwören. Ich habe nur gesagt, dass ich die Polizei holen werde.” Neben Amtsanmaßung ist auch Nötigung angeklagt – des öfteren sollen die “Sittenwächterinnen” auf der Straße befindliche Frauen beinahe niedergefahren haben. “Ich würde nie jemanden anfahren. Ich bin alleinerziehende Mutter”, versicherte die jüngere Angeklagte.

“Gewachelt und Taille geschwenkt”

Ihre Mutter erklärte dazu, die Prostituierten hätten sich teilweise selbst gefährdet, weil sie zunächst nicht erkannt hätten, dass im Auto zwei Frauen saßen: “Die eine hat gewachelt und ihre Taille geschwenkt, weil sie geglaubt hat, dass wir Männer sind. Zum Glück ist sie dann noch wegg’hupft.”

Massives Problem mit der Gegenseite

Die Angeklagten sollen den Frauen die Ausübung ihres Gewerbes auch insofern erschwert haben, indem sie ihnen und den Freiern teilweise bis in die hintersten Winkel folgten oder Fotos anfertigten. Zumindest die Jüngere dürfte grundsätzlich ein massives Problem mit der Gegenseite haben. Kurz vor der Verhandlung hatte sie die Richterin angerufen und diese wissen lassen, sie werde sich “mit solchen Personen nicht in denselben Saal setzen”.

(APA/Red.)

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