9. November 2007 12:11; Akt.: 9.11.2007 12:11

Emo Boom

Emo Boom
Emo heißt nicht nur Streifen, Punkte und Totenköpfe zu tragen und damit zu provozieren. Es steckt mehr dahinter als eine jugendliche Trotzreaktion. (4 Kommentare)

Emo ist die Abkürzung von Emocore. Eine Musikrichtung, die ihre Wurzeln im Hardcore – Punk findet und in den 80er Jahren dadurch entstanden ist, dass Musiker mehr Emotionen in ihre Texte und Musik bringen wollten.

Jahrelang eher dem Underground zugeschrieben, wurden Anhänger dieser Musikrichtung bald als sogenannte Emos bezeichnet.  In den letzten Jahren ist ein regelrechter Emoboom entstanden. Vorallem die spezielle Emomode erlebt einen Aufschwung. Auch das Straßenbild von Wien ist übersäat mit Jugendlichen, deren Gewand mit Streifen, Sternen und Totenköpfen geschmückt ist. Die meist schwarz gefärbten Haare sind zu einem Seitenscheitel gekämmt und echte Emos stehen in der Früh sogar eine halbe Stunde früher auf um die Haare zu stylen und sich die Augen mit Kajalstift zu schminken. Der 16 – jährige Christoph schminkt sich vorerst nur, wenn er fortgeht, glaubt aber, dass er immer mehr zum Emo wird. Ihm gefällt das Styling der Emos so gut, die Musik ist ihm nicht so wichtig.

Durch das Styling erkennen sich die Jugendlichen, Christophs Hose verhalf ihm schon zu einer sehr netten Bekanntschaft. Die markante Mode der Emos gibt es massenweise bei H&M zu kaufen, doch dort gehen eher die “Kiddy – Emos” hin. Emo – Anhänger nervt es, dass sich dieser Stil so sehr verbreitet, diejenigen, die Wert auf Individualität legen, gehen zu Kingpin, ins Rattlesnake, oder ins Medusa – alles Geschäfte, die auf der Mariahilferstrasse zu finden sind. Dass Emos nur depressiv sind, zu Hause sitzen und weinen, ist ein Klischee. Die Jugendlichen spielen in Bands, treffen sich  bei typischen “Emotreffs”, wie zum Beispiel dem Wiener Burggarten oder eben auf der “Mariahilfer”. Immer beliebter wird auch das Skaten. Emos mit Skateboards nennt man “Blackskaters”, erzählt die 16 – jährige Amanda. Sie bekennt sich seit ca. einem Jahr zum Emo und ist über die Musik dazugestoßen. Ihr bedeuten die Texte und der gefühlsbetonte Sound der Bands viel. Sie hört aber nicht nur Emobands, wenn sie verärgert ist, schreit sie zu der Musik von sogenannten “Screamobands”. Deren Musik ist aggressiver und hilft ihr sich abzureagieren. 

Nicht unter allen Jugendlichen ist Emo beliebt. Valentin und Matthias, beide 13 möchten auf keinen Fall als Emo bezeichnet werden. Sie lieben Punk. Ein Kenner muss man sein, um die Unterschiede der Jugendbewegungen zu erkennen, denn Valentin trägt ebenso die unter Emos beliebten slip on vans.

  

Auch das typische “Emopiercing” links und rechts unterhalb der Unterlippe, ist bei Anhängern von anderen Musikrichtungen beliebt, die dieses Piercing nicht erst seit dem Emomodehype tragen. Zum Beispiel hat es der  25 – jährige James, der mit Emo nichts anfangen kann und seine Leidenschaft dem New York Hardcore zugeschrieben hat.

Emos selbst meinen, dass Emo überhaupt mehr etwas für Pubertierende ist. Es gibt kaum welche, die älter als 20 sind. Dass aber alle Teenies, die sich im Emostyle kleiden, depressiv sind und sich mitunter sogar Schnittwunden zufügen, ist ein Klischee. Die Emokids, sind ganz normale Teenies, die wie viele andere in ihrem Alter mal glücklich, mal zutiefst traurig sind. Ein Punkt sollte aber dennoch unter die Lupe genommen werden. Nämlich der, dass immer mehr Jugendliche auch Burschen an Essstörungen leiden und vor allem diejenigen, die den Emostyle lieben hungern um in ihre engen Jeans zu passen.

Petra Pfitzner



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