Singer-Songwriter Leonard Cohen 82-jährig gestorben

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"Wir haben einen der meistverehrten und produktivsten Visionäre der Musik verloren"
"Wir haben einen der meistverehrten und produktivsten Visionäre der Musik verloren" - © APA/AFP
Der kanadische Sänger und Songwriter Leonard Cohen ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Das bestätigte sein Label Sony Music Canada in der Nacht auf Freitag.

“In tiefer Trauer berichten wir, dass der legendäre Dichter, Songwriter und Künstler Leonard Cohen verstorben ist”, hieß es in der Nacht auf Freitag auf der Facebook-Seite Cohens. “Wir haben einen der meistverehrten und produktivsten Visionäre der Musik verloren.”

Leonard Cohen – Timeline | Facebook

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Eine Trauerfeier soll zu einem späteren Zeitpunkt in Los Angeles stattfinden, hieß es weiter. Die Familie ersuche in ihrer Trauer um Ungestörtheit.

Leonard Cohen war einer der ganz Großen der Musikszene. Alben wie “Songs of Leonard Cohen” (1967), “Songs of Love and Hate” (1971) und “Death of a Ladies’ Man” (1977) beeinflussten ganze Generationen von Musikern, Songs wie “Suzanne”, “So Long, Marianne”, “First We Take Manhattan (Then we take Berlin)”, “Hallelujah” und “Chelsea Hotel #2” gelten längst als Klassiker.

Cohen starb nur wenige Monate nach seiner Muse

Mit dem Welterfolg “So long Marianne” setzte der kanadische Sänger seiner Muse und jahrelanger Gefährtin, der Norwegerin Marianne Ihlen, einst ein musikalisches Denkmal. Auf der griechischen Insel Hydra hatten sich die beiden in den 60er-Jahren kennengelernt und stürmisch ineinander verliebt. Dann verliefen sich ihre Wege.

Doch kurz vor ihrem Tod – nur wenige Monate vor Cohens Tod, der in der Nacht zum Freitag bekannt wurde – hatte das einstige Paar noch einmal Kontakt, wie der “New Yorker” jüngst berichtete. Marianne Ihlen hatte Krebs und lag im Sterben, da schrieb Cohen ihr im Juli: “Nun, Marianne, es ist so weit gekommen, dass wir beide wirklich so alt geworden sind, dass unsere Körper auseinanderfallen, und ich denke, ich werde dir bald nachfolgen. Wisse, dass ich so nah hinter dir bin, dass, wenn du deine Hand ausstreckst, du meine erreichen kannst.”

Wenige Tage später starb Marianne 81-jährig. Nach Angaben ihrer Familie hatte sie den Brief noch gelesen.

Kanadas Musik-Altmeister Leonard Cohen ist tot

Der Tod hatte sich angekündigt. “You Want It Darker” hieß Leonard Cohens letztes Album, voller dunkler Anspielungen. Mehr und mehr hatte sich der kanadische Musiker in den vergangenen Jahren aus der Öffentlichkeit in seine bescheidene Wohnung in Los Angeles zurückgezogen. Die Gesundheit wollte einfach nicht mehr mitspielen. Jetzt ist Cohen im Alter von 82 gestorben, wie sein Label Sony Music Canada in der Nacht zum Freitag mitteilte.

Mit seiner rauchigen Stimme, dem tief in die Stirn gezogenen schwarzen Hut und der ihn stets umgebenden Aura tiefster Melancholie galt Cohen als Phänomen, Legende und einer der herausragenden Songschreiber aller Zeiten. Kollegen und Millionen Fans auf der ganzen Welt trauern um den kanadischen Meister der Melancholie.

Geprägt von Depressionen

Im Alter war der Liedermacher noch einmal so richtig zurückgekehrt, nachdem er zwischenzeitlich gegen Depressionen gekämpft hatte und jahrelang in einem Zen-Kloster verschwunden war. “Wenn ich von Depressionen spreche, spreche ich von klinischen Depressionen, die der Hintergrund meines ganzen Lebens sind, ein Hintergrund voller Angst und Beklemmung, einem Gefühl, dass nichts richtig läuft, dass Zufriedenheit nicht möglich ist und alle Strategien in sich zusammenfallen”, sagte er einmal dem britischen “Guardian”. “Ich bin froh, sagen zu können, dass diese Depression sich langsam aufgelöst hat und nie wieder mit derselben Kraft in mein Leben zurückgekommen ist.”

Auch aus finanzieller Notwendigkeit, nachdem ihn seine frühere Managerin um millionenschwere Rentenrücklagen betrogen hatte, war Cohen auf die Bühnen der Welt zurückgekehrt. 2012 hatte er mit “Old Ideas” sogar das erfolgreichste Album seiner jahrzehntelangen Karriere herausgebracht.

Geboren wurde Leonard Norman Cohen 1934 als Sprössling einer wohlhabenden jüdischen Familie in der ostkanadischen Stadt Montreal. Schon als Kind lernte er Gitarre spielen und hatte bald Auftritte in Cafes und Clubs, aber die Musik sollte für ihn lange Zeit Nebensache bleiben. Cohen wollte schreiben, Gedichte und später auch Romane. In den frühen 60er-Jahren zog er sich dafür zeitweise völlig auf die griechische Insel Hydra zurück. Viele seiner Veröffentlichungen wurden von Kritikern gefeiert. 2011 bekam er sogar den spanischen Prinz-von-Asturien-Preis für Literatur.

Cohens große Klassiker

Aber die Einnahmen aus dem Schreiben reichten nicht zum Leben. “Ich wollte nicht schreiben, um bezahlt zu werden. Ich wollte für das bezahlt werden, was ich schreibe.” Also zog Cohen Ende der 60er-Jahre nach New York und nahm die Musik wieder auf – bald mit großem Erfolg. Alben wie “Songs of Leonard Cohen” (1967), “Songs of Love and Hate” (1971) und “Death of a Ladies’ Man” (1977) beeinflussten ganze Generationen von Musikern, Songs wie “Suzanne”, “So Long, Marianne”, “First We Take Manhattan (Then we take Berlin)”, “Hallelujah” und “Chelsea Hotel #2” gelten längst als Klassiker. Cohens spirituell-melancholische Songs handeln von verlorener Liebe und Leid, von Todessehnsucht und Gottessuche, sprachlich erinnern sie an polierte Kleinode. “Leute, die ihre Songs im Cafe oder im Taxi schreiben, kann ich nur bewundern – ich habe das nie geschafft.”

Sein Privatleben hat Cohen immer möglichst unter Verschluss gehalten. Bekannt ist lediglich, dass er mit der schwedischen Malerin Suzanne Elrod zwei Kinder hat und vorübergehend mit der Schauspielerin Rebecca De Mornay liiert war. In Los Angeles lebte er mit Tochter und Enkelin zusammen. “Mein Ruf als Frauenheld ist ein Witz”, sagte er einmal in einem Interview. “Er hat mich dazu gebracht, mich bitter durch die zehntausend Nächte zu lachen, in denen ich alleine war.”

Mit dem Alter sei er gnädiger mit sich selbst umgegangen, sagte Cohen in einem seiner letzten Interviews dem Magazin “New Yorker”. “Man hört diese Parallelwelt die ganze Zeit zu sich singen und meistens kann man es nicht entziffern. Auch als ich noch gesund war, ist mir das schon aufgefallen. Jetzt höre ich sie sagen: “Leonard, mach einfach weiter mit dem, was du machst.” Sie ist sehr einfühlsam inzwischen, viel mehr als früher. Früher hat mir die Stimme gesagt: “Du bekommst nichts hin.” Das ist wirklich ein Segen.”

Trauer um Leonard Cohen – “magische Stimme verstummt”

Fans und Kollegen trauern um Leonard Cohen: “Eine weitere magische Stimme ist verstummt”, schrieb die Sängerin und Schauspielerin Bette Midler am Donnerstagabend (Ortszeit) auf Twitter. Kurz zuvor war die Nachricht vom Tod des kanadischen Sängers und Songwriters auf dessen Facebookseite verkündet worden. Cohen wurde 82 Jahre alt.

Bette Midler on Twitter

Leonard Cohen has died. Another magical voice stilled.

Sänger Sean Lennon, der Sohn von John Lennon und Yoko Ono, stellte auf Instagram ein Foto Cohens. Dazu schrieb er: “Ruhe in Frieden. 2016 ist nun offiziell eines der traurigsten Jahre.”

Leonard Cohen R.I.P. 2016 now officially one of the saddest years.

See this Instagram photo by @sean_ono_lennon * 110 likes

Der Schauspieler und Komponist Lin-Manuel Miranda nannte Cohens Tod “herzzerreißend”. Er sei aber dankbar für die Musik, die Cohen hinterlassen habe, schrieb er auf Twitter. “So ein wunderbarer Mann, so eine wunderbare Seele”, kommentierte der amerikanische Sänger Moby auf Instagram. “Die Dunkelheit ist jetzt noch viel dunkler geworden.”

“Danke Leonard Cohen”, schrieb die kanadische Sängerin k.d. lang in einem Tweet. “Schnelle Wiedergeburt mein Freund”, fügte sie hinzu. Oscar-Preisträger Russell Crowe bedankte sich bei Cohen für “die stillen Nächte, die Betrachtungen, den Durchblick, das sarkastische Lächeln und die Wahrheit”.

Russell Crowe on Twitter

Dear Leonard Cohen, thanks for the quiet nights, the reflection, the perspective, the wry smiles and the truth #towerofsong

“Niemandes Musik klang oder fühlte sich an wie die von Leonard Cohen”, twitterte der kanadische Premier Justin Trudeau. “Kanada und die Welt wird ihn vermissen.”

Die US-Schauspielerin Mia Farrow zitierte Cohens bekannten Spruch: “Everything has a crack in it. That’s how the light gets in.” (“Alles hat irgendwo einen Sprung – so kommt das Licht hinein”). Ihre Kollegin Roseanne Cash paraphrasierte ihn ins Düstere: “Leonard Cohen is dead. There’s a crack in everything. No light yet.” (Überall ist ein Sprung drin. Noch kein Licht)

(APA)

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