Operation “Elysium”: Junger Vater aus Wien missbrauchte seine eigenen Kinder

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Ein junger Wiener Vater missbrauchte seine eigenen Kinder.
Ein junger Wiener Vater missbrauchte seine eigenen Kinder. - © APA (Sujet)
Österreichische und deutsche Ermittler gaben bei einer Pressekonferenz zu der Kinderporno-Operation “Elysium” am Freitag bekannt, dass einer der 14 festgenommenen Verdächtigen, ein junger Vater aus Wien, seine eigenen Kinder missbraucht, gefilmt und auch an andere Männer weitergegeben haben soll.

Im Zuge der Ermittlungen, die in Deutschland ihren Ursprung genommen haben, wurden zunächst der Administrator der Plattform in Hessen, ein Grafiker, der für die Gestaltung der Plattform zuständig war, sowie zwei Missbraucher identifiziert. In einem Kinderporno war der Grafiker mit einem weiteren Mann zu sehen, sagte Jürgen Schmitt vom Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden. Die deutschen Ermittler fanden heraus, dass die Aufnahmen in Österreich gemacht worden sind. Daraufhin kontaktierte das deutsche BKA die Kollegen in Wien.

Wien-Favoriten: Kinder im schulpflichtigen Alter missbraucht

Die Ermittler vom österreichischen Bundeskriminalamt (BK) analysierten daraufhin die Aufnahmen und sahen die zwei männlichen Täter sowie zwei Opfer, ein vier- bis fünfjähriger Bub und ein sieben- bis achtjähriges Mädchen, sagte Ewald Ebner, Leiter des Büros für allgemeine Kriminalität in BK. Da das Mädchen im schulpflichtigen Alter sein musste, wurden alle Volks- und Sonderschulen kontaktiert und ein Foto des Kindes hergezeigt.

Im Mai kam von einer Volksschullehrerin der entscheidende Hinweis. Bei dem Opfer handelt es sich um ein siebenjähriges Mädchen, das einen fünfjährigen Bruder hat und in Wien-Favoriten lebt. Der 28-jährige Vater der Kinder wurde als mutmaßlicher Täter identifiziert. Der junge Familienvater soll sich nicht nur an seinen Kindern vergangen, sich dabei gefilmt haben, sondern die Kinder auch weiteren Männern zum Missbrauch zugeführt haben.

Vater missbrauchte eigene Kinder: “Abscheuliches Bildmaterial”

Der Mann wurde von der Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung (Wega) observiert, sagte Michael Mimra, stellvertretender Leiter des Landeskriminalamtes Wien. Der Zugriff wurde schlussendlich “sorgfältig vorbereitet”, da sich die Kinder in der Wohnung befanden. Zudem wollten die Ermittler genügend Beweismittel sicherstellen, Computer können schnell gesperrt werden. Der 28-Jährige legte mittlerweile ein Geständnis ab, berichtete Mimra.

“Wir waren von der skrupellosen Vorgehensweise der Tatverdächtigen auf der Plattform schockiert”, sagte Ebner. Die Täter agierten auf Bestellung, forderten sich gegenseitig zu sexuellen Handlungen auf und führten diese auch durch. Somit kamen sie zu “abscheulichem Bildmaterial”.

Im Zuge der Operation gegen die seit 2016 bestehenden Kinderporno-Plattform im Darknet namens “Elysium” wurden 14 Verdächtige in Deutschland und Österreich ausgeforscht und teils auch festgenommen, 29 Opfer identifiziert. Die weltweit tätige Plattform hatte 87.000 Mitglieder. Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt wegen massiver sexueller Übergriffe.

Missbrauch: Mehr Anklagen und Verurteilungen

Die bekannt gewordenen Fälle von Kindesmissbrauch und Kinderpornografie sind in Österreich am Steigen, wie Zahlen des Justizministeriums zu Anklagen und Verurteilungen zeigen. Im vergangenen Jahr gab es etwa 114 Verurteilungen (2015: 92) wegen sexuellen Missbrauchs von Unmündigen, 121 (2015: 83) wegen schweren Fällen und 242 (2015: 187) wegen pornografischer Darstellung Minderjähriger.

Kindesmissbrauch ist mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis fünf Jahren bedroht. Bei schwerem Kindesmissbrauch drohen ein bis zehn Jahre Haft. Schwer ist ein sexueller Missbrauch dann, wenn es um Beischlaf oder eine “dem Beischlaf gleichzusetzende geschlechtliche Handlung” geht. Für das Erstellen oder Weitergeben von Kinderpornos ist eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren möglich.

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Im ersten Halbjahr 2017 wurden Staatsanwaltschaften 223 Mal wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen tätig, 214 Mal bei sexuellem Missbrauch von Unmündigen und 721 wegen Kinderpornos. 83 Mal wurde wegen schweren Missbrauchs angeklagt, 42 Verurteilungen gab es bei Gericht. Ähnlich sind die Zahlen bei Kindesmissbrauch, da gab es 71 Anklagen und 40 Verurteilungen. Mehr Fälle gab es bei den Kinderpornos: Das Justizministerium zählte im ersten Halbjahr 2017 193 Anklagen und 132 Verurteilungen.

Nicht nur Opfer eines Gewaltdeliktes, sondern Missbrauchsopfer haben im Rahmen eines Strafverfahrens Anspruch auf eine psychosoziale und juristische Prozessbegleitung. Dabei werden Opfer und Angehörige auf die seelischen Belastungen des Verfahrens vorbereitet, in der Aufarbeitung des Erlebten unterstützt und auch zu Vernehmungen im Ermittlungs- und Hauptverfahren begleitet. Die Prozessbegleitung ist für Opfer kostenlos und sie können sich dem Strafverfahren mit Schadenersatzansprüchen anschließen. Zudem haben Opfer besonderes Persönlichkeitsschutzrecht.

(APA/Red)

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