Obdachlose in Wien verbrannt: Caritas appelliert “hinzusehen”

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Die Caritas ist mit dem "Kältebus" unterwegs.
Die Caritas ist mit dem "Kältebus" unterwegs. - © APA
Nach dem Brandunfall in Wien-Favoriten, bei dem eine obdachlose Frau starb, hat die Wiener Caritas erneut dazu aufgerufen, das Kältetelefon zu nutzen. Auch macht die Organisation erneut auf die Schlafplätze und Wärmestuben in Wien aufmerksam.

“Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, hinzusehen. Er ist auch ein Appell, Menschen, die man im öffentlichen Raum wahrnimmt und an denen man oft achtlos vorbeigeht, zu fragen, ob sie Hilfe brauchen”, sagte Generalsekretär Klaus Schwertner.

“Der Unfall ist zuallererst tragisch. Er zeigt, in welch schwieriger Situation armutsgefährdete und obdachlose Menschen leben”, sagte Schwertner bei einem Medientermin am Dienstag. Wer einen obdachlosen Menschen sehe, der Hilfe brauche, solle sich an das Kältetelefon 01/480 45 53 der Caritas und in medizinischen Notfällen an die Rettung wenden, forderte Schwertner die Bevölkerung auf. In der Caritas-Einrichtung “Gruft” wurde in Gedenken an die bei dem Brand verstorbene Frau eine Kerze angezündet, wie ein Foto auf Facebook zeigt.

Notquartiere im Winter in Wien

Es gebe im Moment ausreichend Plätze in den Notquartieren, vielen Menschen falle es jedoch schwer, Hilfe anzunehmen oder es fehle ihnen an dem Wissen, wohin sie sich wenden können. Deshalb sei die Caritas täglich mit dem Kältebus unterwegs. Die Situation in den Notschlafstellen sei “unter Kontrolle, aber angespannt”.

Es gebe jedoch genügend Plätze, betonte Schwertner. Durch die Aufstockungen im Rahmen des Winterpakets stehen insgesamt 1.000 Schlafplätze zur Verfügung. “Niemand soll auf der Straße frieren müssen”, sagte Schwertner.

Wärmestuben für tagsüber

Da die eisigen Temperaturen weiter anhalten und den Druck auf obdachlose Menschen erhöhen, hat die Wiener Caritas auch heuer wieder sogenannte Wärmestuben eingerichtet (Infos und Adressen hier). 22 Pfarren und Vereine stellen Räumlichkeiten zur Verfügung, in denen sich obdachlose Menschen tagsüber aufhalten können. “Die Wärmestuben sollen ein ergänzendes Angebot sein für Menschen, die im Winter frieren – egal, ob sie obdachlos sind oder ob sie eine Wohnung haben und sich das Heizen nicht leisten können”, sagte Schwertner bei einem Medientermin in der Wärmestube der Evangelisch-Methodistischen Pfarre Fünfhaus.

Die Wärmestuben bleiben bis Ende März bestehen. Sie dienen als Ergänzung zu den oft vollen Notquartieren und bieten eine warme Aufenthaltsmöglichkeit sowie kostenlose Verköstigung. Jede der 22 Wärmestuben hat an einem Tag pro Woche für mehrere Stunden geöffnet – so stehen sieben Tage die Woche geheizte Räume bereit. Streetworker der Caritas sowie soziale Einrichtungen machen seit einigen Wochen mit mehrsprachigen Flyern auf das Angebot aufmerksam.

Seit dem Jahr 2012 werden die Wärmestuben auf Initiative der PfarrCaritas eingerichtet. Im vergangenen Winter besuchten rund 8.000 Gäste die Räumlichkeiten.

>> Das Kältetelefon der Caritas ist unter 01/480 45 53 erreichbar. Caritas-Spendenkonto: IBAN: AT163100000404050050, Kennwort: “Gruft Winterpaket”.

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