Niki-Übernahme: Niki-Chef bewirbt Übernahme durch Vueling bei seinem Team

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Bei Niki-Übernahme: "Zerschlagung wird definitiv nicht erfolgen"
Bei Niki-Übernahme: "Zerschlagung wird definitiv nicht erfolgen" - © APA
Die Führung der insolventen Fluglinie Niki bewirbt nun in einem Schreiben an die eigene Belegschaft die möglicherweise bevorstehende Übernahme der Airline durch die spanische Vueling/IAG. Darin betonten Geschäftsführer Oliver Lackmann und Insolvenzverwalter Lucas Flöther, dass die potenziellen neuen Eigner keine Zerschlagung der Fluglinie planen.

Weiters führten die beiden an, dass ein Großteil der Arbeitsplätze erhalten bleiben soll. Wörtlich ist in dem Schreiben, das Donnerstagabend verschickt wurde und der APA vorliegt, von “guten Nachrichten” und “Anlass zu größter Zuversicht” die Rede. Man stehe kurz vor Abschluss eines Kaufvertrags “mit einem renommierten internationalen Investor”.

Appelliert wird an die Mitarbeiter, sich nicht durch öffentliche Äußerungen einzelner (damit gemeint wohl der unterlegene Mitkonkurrent Niki Lauda, Anm.) verunsichern zu lassen. Tatsache sei: Der vom vorläufigen Gläubigerausschuss ausgewählte Investor strebe eine ganzheitliche Fortführung des Geschäftsbetriebs “mit mindestens einem Großteil der Arbeitsplätze” an: “Eine Zerschlagung von NIKI wird mit diesem Investor definitiv nicht erfolgen.” Der Gläubigerausschuss habe sich gerade für diesen Investor ausgesprochen, weil er wirtschaftlich stark sei und das attraktivste Fortführungskonzept vorgelegt habe.

Experte: IAG wäre strategischer Investor

Dieser Tage wird es richtig ernst mit der Zukunft der Pleitefluglinie Niki. Ihr Verkauf ist noch nicht ganz fix, aber die Geschäftsführung zeigte sich Donnerstagabend zuversichtlich. Diese Zuversicht sei gerechtfertigt, sagte Luftfahrtexperte Kurt Hofmann Freitagfrüh im Ö1-Morgenjournal. “Mit der IAG würde ein strategischer Investor zur Verfügung stehen”, so Hofmann.Wien/Schwechat/Berlin. Was die IAG-Billigtochter Vueling mit Niki vorhat, wisse man noch nicht, so der Fachmann. Aber Hofmann glaubt, dass die Chancen für die Niki-Mitarbeiter gut sind. Schließlich seien sie schon einiges gewohnt, also könnten sie mit der durch einen Eigentümerwechsel zur “kosteneffizienten” Vueling geforderten Flexibilität wohl umgehen. Hofmann geht davon aus, dass ein Gutteil der Niki-Jobs erhalten bleiben werde. Wo diese Jobs liegen werden, sei wegen der paneuropäischen Ausrichtung von Vueling aber offen.

Niki-Übernahme: Gutteil der Jobs würde erhalten werden

Vielleicht wolle die IAG ihr Europa-Netzwerk auf Wien ausweiten, kann sich Hofmann vorstellen. Ob ein solcher Schritt für mehr Wettbewerb und sinkende Preise sorgen könne, hänge gegebenenfalls davon ab, welche Strecken Vueling ab Wien bedienen würde. Zuletzt seien die Preise bei Verbindungen nach Deutschland wegen des Aus der Niki und der Übermacht des Lufthansa-Konzerns “massiv gestiegen”.

Gestern war Airline-Gründer Niki Lauda aus dem Bieterrennen um Niki ausgeschieden. Er hat dem Vernehmen nach schlicht zu wenig geboten. Beim Verkauf drängt die Zeit. Die Fluglizenz (AOC) von Niki wurde bisher nur bis 3. Jänner 2018 verlängert. Ob der neue Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) Vueling/IAG mit einer Ausnahmegenehmigung unter die Flügel greift, ist offen.

Niki-Übernahme: Spanier waren schon zu Gesprächen in Wien

Der spanische Billigflieger Vueling – der wie British Airways und Iberia zum britisch-spanischen Luftfahrtkonzern IAG (International Airline Group) gehört – soll nach allem was bisher bekannt ist für die insolvente Niki den Zuschlag erhalten. IAG/Vueling hat das höchste Angebot abgegeben. Unterschriften unter einen Kaufvertrag standen zuletzt aber noch aus.

Niki soll unter dem Dach von Vueling integriert werden, heißt es von informierten Quellen. Die Angestellten der insolventen österreichischen Fluggesellschaft sollen sich neu bewerben, schreibt die “Berliner Morgenpost”, die Spanier wollen den Niki-Beschäftigten neue Verträge anbieten. Nach Informationen dieser Zeitung sollen Vueling-Vertreter bereits nach Wien gereist sein.

Der neue Niki-Eigentümer soll bereits ab Jänner Gehälter zahlen und den laufenden Betrieb finanzieren. Luftfahrtexperten sehen Niki bei Vueling gut aufgehoben. “Die Spanier verstehen ihr Geschäft”, sagte der Hamburger Flugmarkt-Experte Cord Schellenberg in der “Berliner Morgenpost”.

Vueling ist Low-Cost-Alternative zur Iberia

Hohe Marktanteile hat der spanische Billigflieger vor allem in seiner Heimat Spanien. Das galt indes auch bei Niki. Als bei Niki heuer die Welt fast noch in Ordnung war, war auch der österreichische Air-Berlin-Ableger ganz massiv im Spanien-Geschäft. Seit Niki im heurigen Frühjahr für Air Berlin den gesamten Mallorca-Verkehr aus dem deutschsprachigen Raum übernommen hatte, galt die Airline als der neue “Mallorca-Shuttle”. Aus Österreich, Deutschland und der Schweiz standen für den heurigen Winterflugplan 145 Niki-Flüge pro Woche auf dem Flugplan.

Vueling ist IAG-konzernintern die Low-Cost-Alternative zur spanischen Iberia. Beide operieren demnach ähnlich wie die AUA-Mutter Lufthansa mit ihrer Billig-Tochter Eurowings: Iberia zielt stark auch auf Geschäftsreisende ab und fliegt Langstrecken, Vueling fliegt europäische Strecken und Ferienziele. Mit einem Kauf von Niki könnte Vueling in diesem Segment zulegen – und auch in Deutschland und Österreich Fuß fassen. Vueling bzw. IAG hat auch nach Angaben im “Handelsblatt” wohl keine Probleme, die Flugzeuge von Niki über die eigenen Vertriebskanäle schnell wieder zu füllen und damit Umsatz zu erzielen.

Zur Erinnerung: Niki war in den letzten Jahren eine Art verlängerte Werkbank von Air Berlin, wesentliche Abwicklungen (darunter Streckenplanung, Verkauf) liefen bei der Mutter Air Berlin. Vueling – 2004 etabliert – sitzt in Barcelona in der nach Unabhängigkeit von Spanien strebenden Region Katalonien. Die Billigairline fliegt viele Ziele in Spanien, Italien, Frankreich und Großbritannien an. Wien-Verbindungen gibt es von Barcelona, Paris und Rom.

Hilfestellung in der Transformation der Niki wird erhofft

Zum Schicksal von Niki hieß es am Freitag zur APA in Wien, dass in diesen Tagen die Drähte heiß liefen, eine große Rolle soll der Verkehrsminister spielen, von dem unter anderem die Gewerkschaften Hilfestellung in der Transformation der Niki erhoffen. Bisher ruht der Flugbetrieb von Niki.

In einem Schreiben an die rund 1.000 Niki-Beschäftigten haben Geschäftsführer Oliver Lackmann und Insolvenzverwalter Lucas Flöther Donnerstagabend erklärt, der vom vorläufigen Gläubigerausschuss ausgewählte Investor strebe eine ganzheitliche Fortführung des Geschäftsbetriebs “mit mindestens einem Großteil der Arbeitsplätze” an: “Eine Zerschlagung von NIKI wird mit diesem Investor definitiv nicht erfolgen.” Der Insolvenzverwalter nimmt in seinen Informationen an die Öffentlichkeit den Namen IAG oder Vueling noch nicht in den Mund, offiziell ist nur von einem “renommierten internationalen Investor” die Rede.

(apa/red)

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