Interview: Wolf Haas über "Brenner und der liebe Gott"

Wolf Haas bei einer Lesung im MQ Wolf Haas bei einer Lesung im MQ - ©APA
Im Rahmen seiner Buchpräsentation von "Der Brenner und der liebe Gott" im Museumsquartier sprach Wolf Haas über die Wiederauferstehung seines Helden, die Bedeutung des Deutschen Buchpreises und die Rolle der Fans, die die Rückkehr des Brenner allerdings wenig beeinflusst haben.
APA: Vor sechs Jahren war für Sie "Das ewige Leben" der sicher letzte Brenner- Krimi. Was hat Sie zum Umdenken bewogen?

Wolf Haas: Es war für mich damals wirklich beendet. Es hat mich nicht mehr gereizt, aber bekanntlich kann in sechs Jahren viel passieren. Grund für den Sinneswandel war, dass es mich jetzt wieder gefreut hat und ich eine gute Idee hatte für einen Brenner- Roman, der mir auch leicht von der Hand gegangen ist. Wäre es nicht so gewesen, hätte ich mittendrin wieder aufgehört.

APA: Haben Sie Blut geleckt? Denken Sie schon an den nächsten Brenner?

Haas: Blut geleckt, das ist ein gutes Stichwort für einen Kriminalroman. Ich werde sicher nicht gleich wieder den nächsten schreiben. Aber wenn ich sagen würde 'nie wieder', würde man mir das nicht glauben im Moment. Es kann schon sein, dass ich irgendwann wieder einen schreibe, aber das nächste Projekt ist es sicher nicht.

APA: Welche Rolle haben die Fans bei der Wiederauferstehung gespielt?

Haas: Das sind immer die gleichen Mythen, zum Beispiel, Sherlock Holmes sei auf Drängen der Fans wieder auferstanden. Klar hat es immer wieder Fans gegeben, die ihr Bedauern geäußert haben. Aber niemand hat mich bedrängt. Weder die Fans noch Verlage. Genau im Gegenteil. Gerade dass mich niemand mehr darauf angeredet hat, hat in mir bewirkt, dass es wieder meine persönliche Angelegenheit war und kein Erfolgsprojekt. Da hat mir auch geholfen, dass mein letztes Buch ("Das Wetter vor 15 Jahren", Anm.) erfolgreicher war als alle Brenner- Romane und dadurch war ich sozusagen immun gegen den Vorwurf, ich sei wieder zu meinem Erfolgsprojekt zurückgekehrt.

APA: Wie leicht oder schwer war es, wieder in den zum Markenzeichen gewordenen Sprachduktus hineinzukommen?

Haas: Der ist überhaupt nicht schwer für mich. Das ist, wie wenn man zehn Jahre nicht skigefahren ist und sich dann wundert, dass man es genauso gut kann wie vorher.

APA: Beim Lesen muss man fast zwangsläufig an Josef Hader als Brenner denken. Wie geht es Ihnen da beim Schreiben?

Haas: Ich kenne den Brenner viel länger als den Josef Hader, insofern habe ich immer noch mein Bild von Brenner, das ich auch vor den Filmen hatte. Vielleicht geht es den Lesern, die die Bücher schon davor gekannt haben, auch so. Jeder soll an das denken, an das er will. Das ist ja das Schöne an Büchern, dass man nicht alles diktiert kriegt wie in einem Film.

APA: Das Buch ist, wie schon "Das Wetter vor 15 Jahren", für den Deutschen Buchpreis nominiert. Bedeutet Ihnen der Preis etwas, oder ist die Leserreaktion - wie der Andrang heute bei den O- Tönen - der einzige Maßstab?

Haas: Für "Das Wetter vor 15 Jahren" damals hab ich es ziemlich wichtig gefunden, weil es ein extremes Buch war, bei dem es wirklich auf der Kippe gestanden ist, wie es angenommen wird. Ein Buch, wo leicht etwas den Ausschlag geben kann, ob alle sagen, jetzt spinnt er völlig oder ihm aber einen Vertrauensvorschuss geben. Beim Brenner braucht man das nicht.

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