Neue Kampagne “Gewalt macht krank”: Jede 5. Frau in Österreich Gewaltopfer

Neue Kampagne soll das Gesundheitswesen für Gewaltfälle sensibilisieren.
Neue Kampagne soll das Gesundheitswesen für Gewaltfälle sensibilisieren. - © Gökmen / PID
“Gewalt macht krank! Es gibt Hilfe, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder mit Ihrem Arzt!” “, unter diesem Motto stellen Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely und Frauenstadträtin Sandra Frauenberger eine Initiative des Wiener Programms für Frauengesundheit, des 24-Stunden Frauennotrufs, des Krankenanstaltenverbunds und der Ärztekammer vor.

Dabei soll die Schlüsselrolle von Ärzten und des Krankenhauspersonals bei der Früherkennung und Prävention von häuslicher und sexualisierter Gewalt thematisiert werden. Poster wenden sich direkt an das Gesundheitspersonal bzw. in vier Sprachen an die Patientinnen selbst. Die Poster werden im niedergelassenen Bereich und in Spitälern aufgehängt.

“Wir wollen die Wiener Krankenhäuser und Ordinationen als erste Anlaufstellen kompetent für den Umgang mit Gewaltopfern machen. Dies erleichtert einerseits Diagnose und Therapie, andererseits kann aufmerksames Gesundheitspersonal mithelfen einer Patientin den Weg aus einer, oft jahrelangen, Gewaltbeziehung zu öffnen”, meint Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely.

Jede 5. Frau in Österreich Opfer von Gewalt

Jede 5. Frau in Österreich hat seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexualisierte Gewalt erlebt. 20 Prozent der Frauen mit Gewalterfahrung werden auch in der Schwangerschaft von ihrem Partner körperlich misshandelt, stellt die Europäische Grundrechteagentur FRA fest. “Nicht zuletzt aus frauenpolitischer Sicht ist es äußerst wichtig, dass im Gesundheitsbereich genau hingeschaut wird”, betont Frauenstadträtin Sandra Frauenberger, die auf den 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien verweist, der Frauen in Gewaltsituationen sowie Angehörige und Gesundheitspersonal berät.

Ärzte und Krankenhausmitarbeiter sind häufig die ersten Personen, mit denen ein Opfer von Beziehungsgewalt oder sexualisierter Gewalt in Kontakt kommt: 27 Prozent der gewaltbetroffenen Frauen in Österreich suchen nach dem Vorfall ein Spital oder eine Arztpraxis auf (FRA 2014). “Frauen mit Gewalterfahrung gehen nicht nur bis zu zehnmal öfter in ein Krankenhaus als nicht betroffene Frauen, sie wechseln auch häufig ihren Arzt, um anonym zu bleiben und den Täter zu schützen. Sie schweigen aus Angst, schämen sich oder geben sich selbst die Schuld, Opfer von Gewalt geworden zu sein”, erläutert die Wiener Frauengesundheitsbeauftragte Beate Wimmer-Puchinger die Zwangslage betroffener Frauen.

Wiener KAV: Spitalspersonal sensibilisieren

“Wir wollen, dass unsere Mitarbeitern hinschauen statt wegzuschauen und ihre Rolle bei der Früherkennung von Gewalt wahrnehmen”, so Udo Janßen, Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV). Daher findet in Kooperation mit dem Wiener Programm für Frauengesundheit eine Fortbildungsreihe statt, die die Rolle des Gesundheitspersonals bei der Früherkennung häuslicher und sexualisierter Gewalt thematisiert.

Neben Verletzungen und körperlichen Behinderungen können auch chronische Unterbauchschmerzen, Frühgeburten, Angststörungen, Depressionen oder Suchterkrankungen auf eine Gewalterfahrung zurückgehen “Da die Identifizierung der eigentlichen Ursache nicht immer einfach ist wenn eine Patientin den Hintergrund einer Verletzung oder eines psychischen Problems verschweigt, ist es wichtig, Ärzte für die Dimensionen von Gewalt zu sensibilisieren, betont Doris Hinkel, Ärztin der Opferschutzgruppe im Kaiser-Franz-Josef-Spital. Daher appelliert das Poster, das an die Ärztinnen und Ärzte adressiert ist: “Fragen Sie Ihre Patientin, ob sie Hilfe braucht!”

>> Mehr zum Thema: Nur wenige Frauen kennen Hilfsangebote.

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