Häusliche Gewalt: Männernotruf als wirksamer Schutz der Opfer

Der Männernotruf soll als Ventil für Betroffene fungieren.
Der Männernotruf soll als Ventil für Betroffene fungieren. - © Gerd Altmann_pixelio.de
In der Steiermark wurde der österreichweit erste “Männernotruf” eingerichtet. Mittlerweile haben sich rund 1.500 Anrufer aus ganz Österreich bei der kostenlosen Hotline Ersthilfe in ausweglos scheinenden Situationen geholt. Damit sollen mögliche Gewaltausbrüche der Betroffenen verhindert werden.

Der österreichweit erste “Männernotruf” ist vor einem Jahr in der Steiermark eingerichtet worden. Fünf Suizide seien seitdem verhindert worden, wie der ehemalige Grazer Exekutivbeamte und Initiator Eduard Hamedl am Mittwoch erzählt. Jährlich werden in der Steiermark rund 1.000 Personen von ihrem Wohnort weggewiesen, weil sie gegen eine in der Wohngemeinschaft lebende Person körperliche oder psychische Gewalt ausgeübt haben. In den überwiegenden Fällen seien die Täter männlich. In den Gesprächen nach der Gewaltanwendung berichtet diese Männer häufig, dass ihnen “im entscheidenden Moment” ein Ansprechpartner gefehlt habe.

Männernotruf als Gewaltprävention

“Viele Männer, denen die Probleme über den Kopf wachsen, reagieren mit Verdrängen, Ignorieren, Isolation und irgendwann kommt es zum Gewaltausbruch. Genau das wollen wir verhindern, indem wir ihnen Hilfe abbieten”, schilderte Eduard Hamedl die Intention hinter dem “Männernotruf”. Unter der Hotline seien speziell geschulte ehrenamtliche Gesprächspartner rund um die Uhr erreichbar und bieten Erstberatung “bei Krisen aller Art” an. “Ein vertrauensvolles Gespräch ist oft der erste Schritt zu Veränderung und Bewältigung der krisenhaften Situation”, betonte Hamedl.

Opfer sollen geschützt werden

Natürlich brauche es Mut “darüber” zu reden, aber es mache auch Mut.: “In erster Linie sollen Frauen und Kinder, die meist die Opfer sind, geschützt werden.” Allein im ersten Jahr sei der “Männernotruf” 1497 mal kontaktiert worden sein. Die Anrufer seien zu 80 Prozent männlich gewesen, aber auch Frauen hätten angerufen und um Hilfe im Bezug auf ihnen nahestehende Männer gebeten. “Bei einem Großteil der Anrufer ging es um Beziehungsprobleme: bevorstehende Scheidung, betrogene Partner aber auch der Tod von Verwandten beispielsweise” so Hamedl. Weitere Themen waren Gewalt, Obsorge, Schwierigkeiten durch Migrationshintergrund oder Homosexualität. Auch fünf Suizide sollen bereits abgewendet worden sein.

Notruf in ganz Österreich erreichbar

Die Anrufe kämen mittlerweile aus ganz Österreich, die überwiegende Anzahl jedoch aus der Steiermark. Ziel sei es, den Notruf auf ganz Österreich auszudehnen – dazu brauche es aber auch eine Aufstockung der bisher 36 freiwilligen Mitarbeiter. Finanziell wird der Verein “Männernotruf” v.a. vom Land Steiermark und der Stadt Graz unterstützt.

Die Hotline ist unter 0800 246 247 erreichbar

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