Merkurtransit: Himmelsschauspiel über Wien gut zu sehen

Betrachter während des Transit des Planeten Merkur vor der Sonne im Wiener Augarten
Betrachter während des Transit des Planeten Merkur vor der Sonne im Wiener Augarten - © APA
Am Montag hat pünktlich um 13.12 Uhr in Österreich ein seltenes Himmelsereignis begonnen: Der Planet Merkur schob sich vor die Sonnenscheibe und war dort mit Teleskopen und Sonnenfiltern als kleiner schwarzer Punkt zu sehen.

“Trotz stark zitternder Luft wegen des Windes haben wir pünktlich um 13.12 Uhr und 45 Sekunden den Eintritt des Merkur beobachten können”, sagte Experte Günther Wuchterl. Viele Gespräche bei den zahlreichen Beobachtungsorten in Österreich drehten sich dennoch mehr um den Kanzler-Rücktritt als den Merkurtransit.

Merkurtransit in Wien beobachtet

“Das Datum kann man sich gut merken als Astronom”, sagte etwa der Leiter des Vereins Kuffner Sternwarte, Günther Wuchterl, augenzwinkernd, als gerade die Nachricht vom der Rücktritt Werner Faymanns als Bundeskanzler und SPÖ-Chef die Runde machte. Wuchterl hatte mit seinen Kollegen im Wiener Augarten rund zehn Teleskope zum Beobachten aufgestellt, denn zu sehen war das Himmelsschauspiel nur mit Teleskop und speziellen Sonnenfiltern.

So wie im Augarten war auch die Beobachtungsstation der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA) auf der Sofienalpe in Wien-Penzing gut besucht, auch wenn WAA-Obmann Alexander Pikhard am späteren Nachmittag mit noch viel mehr Besuchern rechnet, die nach der Arbeit das Ereignis beobachten wollen. Pikhard war jedenfalls begeistert über das “wunderschöne Sommerwetter”, nur ab und zu störten einzelne Wolken die Sicht auf den kleinen schwarzen Punkt vor der Sonnenscheibe und etwa gleich große Sonnenflecken auf der Nordhalbkugel der Sonne. Für jene, die nicht den Zugang zu Teleskop und Sonnenfilter hatten, bot das Sonnen-Observatorium auf der Kanzelhöhe bei Villach, eine Außenstelle des Institutes für Astronomie der Universität Graz, einen Livestream im Internet an.

Klare Sicht auf Merkurtransit

Der Merkurtransit war jedoch nicht nur in Wien, sondern in ganz Österreich gut zu beobachten, nur einige Quellwolken störten ab und zu die Sicht auf das Schauspiel, das bis Sonnenuntergang dauert. Neben Merkur als kleiner schwarzer Punkt waren auch etwa gleich große Sonnenflecken auf der Nordhalbkugel der Sonne zu beobachten.

Das planetare Ringelspiel mit einer Sonnen-Umlaufzeit des Merkur von 88 Tagen und jener der Erde von 365 Tagen führt dazu, dass etwa alle 116 Tage Erde, Merkur und Sonne in einer Linie stehen. Weil die Merkurbahn aber gegenüber jener der Erde um sieben Grad geneigt ist, wandert der innerste und kleinste Planet des Sonnensystems dabei meistens nördlich oder südlich der Sonne vorbei. Nur 13 bis 14 Mal pro Jahrhundert geht es sich aus, dass Merkur direkt zwischen Erde und Sonne steht – und zwar immer im Mai oder November. Der letzte von Mitteleuropa sichtbare Merkurtransit war 2003, den nächsten gibt es am 11. November 2019.

Himmelsschauspiel nicht ohne Hilfsmittel sichtbar

Aufgrund der Kleinheit des Merkurs und seiner Entfernung war der Transit nicht mit freiem Auge wahrnehmbar. Der kleine schwarze Punkt, der rund 7,5 Stunden lang über die Sonnenscheibe zog, konnte nur mit einem Feldstecher mit einer mindestens 30-fachen Vergrößerung oder einem Teleskop inklusive spezieller Sonnenfilter beobachtet werden. Als “Mikro-Sonnenfinsternis” deckte Merkur 0,004 Prozent der Sonnenscheibe ab.

Weil Merkur nur 88 Tage benötigt, um einmal um die Sonne zu kreisen, stehen zwar Erde, Merkur und Sonne alle 116 Tage in einer Linie. Da die Merkurbahn aber gegenüber jener der Erde um sieben Grad geneigt ist, wandert er dabei meistens nördlich oder südlich der Sonne vorbei. Deshalb findet nur 13 bis 14 Mal pro Jahrhundert ein Merkurtransit statt. Wer das Ereignis heute versäumt hat, hat in Mitteleuropa am 11. November 2019 die nächste Gelegenheit dazu.

>>Beobachter des Merkurtransits im Augarten

(apa/red)

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