Linzer Denkmäler: Aphrodite im Depot, Stifter hinter WC

Zwei Linzer Denkmäler suchen eine Bleibe: Während die ÖVP am Mittwoch erneut die Wiederaufstellung der “Hitler-Aphrodite” am Bauernberg forderte, genehmigte das Bundesdenkmalamt die Lagerung des ungeliebten Geschenkes im Stadtmuseum Nordico. Das Adalbert-Stifter-Denkmal im Landhauspark soll versetzt werden, weil der bronzene Dichterfürst derzeit hinter einem öffentlichen WC residiert.

Vor rund zwei Jahren wurde eine Aphrodite-Statue im Bauernbergpark durch ein Projekt der Kunstuniversität als Geschenk Adolf Hitlers geoutet und daraufhin von der Stadt Linz weggeräumt. Derzeit lagert die Liebesgöttin gut verpackt im Museumsdepot. Das Bundesdenkmalamt, das zunächst die Wiederaufstellung verlangt hatte, genehmigte nun die Verwahrung im Nordico für vorerst fünf Jahre, weil die Statue aus heutiger Sicht eine Belastung für die Stadt sei: Adolf Hitler hatte 1942 ihre Aufstellung im Bauernbergpark befohlen.

ÖVP-Stadtparteichef Vizebürgermeister Erich Watzl präsentierte am Mittwoch eine IMAS-Umfrage. Demnach sind zwei Drittel der Linzer dafür, dass die Statue wieder an ihren angestammten Platz zurückkehrt. Watzl forderte, dass die Staue – mit einer Erläuterungstafel versehen – wieder im Park aufgestellt wird. Die Stadt Linz und das Denkmalamt sprechen sich ebenfalls für eine Zugänglichmachung aus – allerdings im Rahmen des Museumsbetriebs, eingebettet in den historischen Kontext. Im Vorjahr war die Statue bereits bei der Ausstellung “Stadt im Glück” im Nordico zu sehen.

Neben der Aphrodite sorgt auch das Denkmal Adalbert Stifters für Aufregung, allerdings aus anderen Gründen: Es war 2005 zu einer “Sommerfrische” nach Kirchschlag (Bezirk Urfahr-Umgebung) übersiedelt und erst 2008 – wesentlich später als geplant – wieder zurückgekommen. Der Ort im Mühlviertel hatte sich immer wieder geziert, die Skulptur an die Landeshauptstadt zu retournieren. Während Stifters Abwesenheit wurde der Landhauspark allerdings umgestaltet, und seit seiner Heimkehr fristet der große Literat ein Dasein in wenig standesgemäßer Lage – hinter einem öffentlichen WC.

Der Linzer Gemeinderat will die Statue nicht länger von einem stillen Örtchen verdeckt wissen und verabschiedete auf Antrag der FPÖ einstimmig eine entsprechende Resolution an das Land. Landeshauptmann Josef Pühringer (V) betonte gegenüber der APA, eine Versetzung sei ohnehin geplant gewesen. Das Denkmal werde aber erst im Herbst einen neuen Platz bekommen, um eine Baustelle im Sommer zu vermeiden. Die Übersiedelung, die 30.000 bis 40.000 Euro kosten soll, dürfte dann das Ende von Stifters Odyssee darstellen.

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