Leiterin Barbara Helige zieht Zwischenbilanz über Arbeit der Wilhelminenberg-Kommission

Barbara Helige spricht über die Fortschritte der Wilhelminenberg-Kommission
Barbara Helige spricht über die Fortschritte der Wilhelminenberg-Kommission - © APA_GEORG-HOCHMUTH
Seit knapp zwei Monaten untersucht die Kommission unter der Leitung von Barabara Helige bereits die Vorwürfe gegen das ehemalige Kinderheim am Wilhelminenberg. Die Arbeit geht laut Helige gut voran, 50 Personen haben sich bereits gemeldet.

Jene Kommission, die die mutmaßlichen Missbrauchsfälle im ehemaligen Wiener Kinderheim im Schloss Wilhelminenberg untersuchen soll, hat ihre Tätigkeit vor gut zwei Monaten aufgenommen.

Zahlreiche Gespräche geführt

Nun zog die Leiterin des Gremiums, die Richterin Barbara Helige, im APA-Interview eine erste Bilanz: “Wir gehen davon aus, dass wir den Zeitplan im wesentlichen einhalten können.” Bisher hätten sich rund 50 Personen bei der Kommission gemeldet, darunter auch Opfer.

“Wir haben auch schon Gespräche mit Beteiligten geführt”, erzählte Helige. Dabei habe es sich um Vorgespräche gehandelt: “Vertiefende Interviews sind teilweise schon terminisiert und werden jetzt dann laufend geführt.” Unter den Menschen, die sich bisher bei der Prüf-Kommission gemeldet haben, finden sich neben Opfern auch Zeitzeugen, Nachbarn und Leute, die im Schloss gearbeitet haben.

Kooperation mit “Weißem Ring”

Um mit weiteren Opfern eine Verbindung herzustellen, hat die Kommission einen Brief verfasst, der von der Opferschutzorganisation “Weißer Ring” an Betroffene weitergeleitet wird: “Dabei handelt es sich um eine Einladung, mit uns Kontakt aufzunehmen.” Der “Weiße Ring” ist in Sachen Hilfeleistungen die zentrale Anlaufstelle für die Opfer.

Auch mit den zwei Frauen, aufgrund deren Vorwürfe erst das Gremium gebildet worden war, würde Helige gerne sprechen: “Da sind wir im Kontakt mit Herrn Doktor Öhlböck (Johannes Öhlböck, Anwalt der beiden Frauen, Anm.). Der hat uns prinzipiell die Zusammenarbeit zugesagt, aber natürlich unter der Wahrung der Rechte der Betroffenen.” Die beiden Frauen sind ehemalige Bewohnerinnen des Heims im Schloss Wilhelminenberg und haben öffentlich schwere Vorwürfe erhoben. Laut den beiden ist es in der 1977 aufgelassenen Einrichtung unter anderem zu Fällen von Kinderprostitution und Serienvergewaltigungen gekommen.

Begehung am Schloss Wilhelminenberg geplant

Ob in den Vorgesprächen auch andere Opfer solche Erlebnisse geschildert hatten, wollte Helige nicht sagen. “Ich bitte um Verständnis, aber über die Inhalte will ich nichts sagen. Da müssen wir uns auch erst näher ein Bild machen”, unterstrich sie.

In den kommenden Wochen soll außerdem eine Begehung des Schlosses Wilhelminenberg – in dem sich nun ein Hotel befindet – stattfinden. Dabei will die Kommission Eindrücke sammeln: “Das ist ja ein sehr großes Haus. Da gab es sicher verschiedene Gruppen von Zöglingen und da ist es natürlich interessant zu fragen: Wo war welche Gruppe? Es ist auch die Idee, dass jemand dabei ist, der zur der Zeit dort war.” Ob es sich dabei um ein ehemaliges Heimkind oder einen Erzieher handeln soll, ist noch offen: “Das beraten wir gerade.”

Weiters soll schon in den nächsten Tagen mit der Aufarbeitung der Akten begonnen werden. Es müssten allerdings noch einige rechtliche Punkte u.a. betreffend des Datenschutzes geklärt werden. Einige Unterlagen kennt die Kommission allerdings schon: “Wir habe schon Teilakten, die von den Opfern zur Verfügung gestellt wurden.”

Helige zuversichtlich

Nach rund zwei Monaten Arbeit hat die Leiterin der Wilhelminenberg-Kommission, Barbara Helige, den Eindruck gewonnen, dass es wichtig ist, die Vorwürfe gegen das Heim im Schloss Wilhelminenberg aufzuarbeiten: “Es gibt großes Interesse, daran mitzuarbeiten und hier hilfreich zu sein”, berichtete sie. Deshalb ist Helige zuversichtlich, dass es am Schluss “ein inhaltsreiches Ergebnis” geben wird. Die Arbeit des Gremiums soll Ende 2012 bzw. Anfang 2013 abgeschlossen sein.

In der Vergangenheit haben ehemalige Zöglinge nicht nur Vorwürfe gegen das Heim am Wilhelminenberg erhoben, sondern auch gegen andere städtische Einrichtungen. Auf die Frage, ob es denn nicht notwendig sei, auch die Geschichte anderer Kinderheime aufzuarbeiten, erklärte Helige: “Dem will ich nicht vorgreifen.”

Rückschlüsse auf andere Heime möglich

Erstens sei das nicht ihre Entscheidung und zudem werde das nicht zuletzt auch davon abhängen, was sich im Laufe der Erhebung herausstelle, betonte die Juristin: “Wenn das Schloss Wilhelminenberg ein sehr typischer Vertreter der Gattung war, dann wird man sagen: ‘Ok, so hat es ausgeschaut.’ Man kann rückschließen, dass es in anderen Heimen genauso war.” Sie betonte aber auch: “Wenn sich herausstellt, dass andere Heime vollkommen anders gelaufen sind, dann wird der Landtag wahrscheinlich darüber beraten, ob andere Heime auch untersucht werden sollen.”

Für die Prüf-Kommission gilt jedenfalls: “Wann immer wir den Eindruck haben, man müsste ein anderes Heim auch genauer anschauen, werden wir entweder – wenn es nur einen kleinen Ausschnitt der Zeit betrifft – es vielleicht mitmachen oder sonst werden wir anregen, zu sagen: Bitte, dieses Heim gehört auch näher untersucht”, kündigte die Juristin an. Eine umfassende Untersuchung aller Heime würde jedoch den Rahmen des Gremiums sprengen, das ja in erster Linie für die Vorwürfe gegen den Wilhelminenberg zuständig ist.

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