Kinderbuch-Autorin Christine Nöstlinger wird 80 Jahre alt

Christine Nöstlinger feiert ihren Geburtstag am 13. Oktober
Christine Nöstlinger feiert ihren Geburtstag am 13. Oktober - © APA
Am 13. Oktober feiert Christine Nöstlinger ihren 80. Geburtstag. “Speziell kinderlieb”, sei sie nicht, versichert Österreichs resche Kinderbuch-Doyenne stets. Daran, dass Nöstlinger die mit Abstand bedeutendste Kinderbuchautorin Österreichs ist, kann jedoch kein Zweifel bestehen.

Figuren wie “Die feuerrote Friederike” oder “Gretchen Sackmeier” sind längst internationale Klassiker.

Christine Nöstlinger: Erste Erfolge als Autorin

Die 1936 geborene Tochter eines Uhrmachers und einer Kindergärtnerin wollte ursprünglich zur bildenden Kunst. Weil sie sich – nach dem Studium der Gebrauchsgrafik an der Akademie für angewandte Kunst in Wien – als Hausfrau und Mutter zweier Töchter (geboren 1959 und 1961) langweilte, zeichnete und schrieb sie “Die feuerrote Friederike” (1970). Vor allem der Text war aber so erfolgreich, dass sie sich fortan dem Schreiben widmete.

Als eine der ersten deutschsprachigen Jugendbuchautorinnen reflektierte sie in dem im Vorjahr von Mirjam Unger verfilmten autobiografischen Roman “Maikäfer, flieg” (1973) und dem Nachfolger “Zwei Wochen im Mai” (1981) Erinnerungen an die Kriegs- und Nachkriegszeit. Weitere Titel sind etwa “Die Kinder aus dem Kinderkeller” (1971), “Wir pfeifen auf den Gurkenkönig” (1972), von dem über eine Million Bücher verkauft wurden, “Ein Mann für Mama” (1972), “Achtung, Vranek sieht ganz harmlos aus” (1974), “Rosa Riedl Schutzgespenst” (1979), “Der Hund kommt!” (1987), “Der Zwerg im Kopf” (1989), “Anna und die Wut” (1990) oder “Villa Henriette” (1996), die wie zahlreiche weitere Bücher auch verfilmt wurde. In den vergangenen Jahren sorgten u.a. ihre “Mini”-Serie und die vielbändigen “Geschichten vom Franz” für hohe Auflagen.

Humorvoller Umgang mit Problem-Themen

Nöstlinger setzt sich auf humorvolle Weise mit Problem-Themen auseinander, sie kombiniert realistische Milieuschilderung, Sozialkritik und Fantastik in einer Sprache mit Dialektanklängen und eigenwilligen Neuschöpfungen. “Ich muß mich nicht dauernd danach richten, was Erwachsene wollen! Ich bin ein freies Kind und weiß selbst am besten, was für mich gut ist”, heißt es in “Hugo, das Kind in den besten Jahren” (1984). Eine solche Einstellung markierte in Nöstlingers Anfangsjahren eine Zäsur innerhalb der Tradition der Zeigefinger-Kinderbuchliteratur und traf den liberalen Nerv der Generation nach 1968.

Die höchst produktive “Ein-Mann-Buchstabenfabrik” (Nöstlinger über Nöstlinger) verfasste auch selbst Drehbücher, Hörspiele und Theaterstücke und arbeitete – unter anderem als Literaturkritikerin – für den Rundfunk und diverse Zeitungen und Magazine. Für den ORF kreierte sie unter anderem 1979 die Hörfunkserie “Dschi-Dschei-Wischer”, in ihren (unter anderen Titeln) auch in Buchform erschienenen Kolumnen für diverse Zeitungen klingt immer wieder auch das gesellschaftliche, politische Engagement der Autorin durch. “Eine Frau sein ist kein Sport”, heißt etwa eine zum 75er als “Hausbuch für alle Lebenslagen” erschienene Kolumnensammlung (Residenz Verlag). 1997 bis 1998 war Nöstlinger Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation “SOS Mitmensch”.

Kinderbuch-Autorin schreibt auch für Erwachsene

Zu Nöstlingers bekanntesten Texten für Erwachsene zählen die Dialekt-Gedichtbände “Iba de gaunz oaman Kinda” (1974), “Iba de gaunz oaman Fraun” (1982) und “Iba de gaunz oaman Mauna” (1987). An Sachbüchern erschien unter anderem “Ein Hund kam in die Küche. Kleines Köchelverzeichnis für Männer” (1996) und “ABC für Großmütter” (1999) – eine Rolle, die sie selbst auch im Privatleben einnimmt. Ihre beiden Töchter Christi(a)ne Nöstlinger und Barbara Waldschütz steuerten die Illustrationen zu einer Reihe ihrer Bücher bei.

Nöstlinger wurde für ihr Schaffen vielfach ausgezeichnet und erhielt etwa 1984 für ihr Gesamtwerk den Hans-Christian-Andersen-Preis, 1998 den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln und 2003 den ersten Astrid-Lindgren-Preis, den “Nobelpreis für Kinderliteratur”. 2014 kam noch der Österreichische Kinder- und Jugendbuchpreis für “Als mein Vater die Mutter der Anna Lachs heiraten wollte” hinzu.

80. Geburtstag wird nicht groß gefeiert

Ihren runden Geburtstag am 13. Oktober werde sie nun aber nicht besonders feiern. “Mir bedeutet dieser Geburtstag gar nichts. Und es ist ja auch keine Leistung, ein gewisses Alter zu erreichen. Da könnte man eher meiner Internistin und dem Onkologen gratulieren, dass sie mich so weit gebracht haben”, sagt sie im APA-Interview.

(apa/red)

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