#Kern Innovative Sicherheitsvariante

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Christian Kern (rechts) folgt Werner Faymann.
Christian Kern (rechts) folgt Werner Faymann. - © APA
Blitzanalyse von Johannes Huber: Mit dem neuen Kanzler und Parteivorsitzenden wird sich die SPÖ so stark verändern wie seit Jahren nicht mehr – ohne aber viel zu riskieren.

Die Würfe seien gefallen, berichtet ORF.AT: ÖBB-Chef Christian Kern sei nach einem Gespräch mit Wiens Bürgermeister Michael Häupl als Kanzler und SPÖ-Vorsitzender so gut wie fix. Alles andere würde überraschen: Häupl, der eigentlich Medienmanager Gerhard Zeiler favorisiert, wird von seinen Genossen de facto vor vollendete Tatsachen gestellt; sieben Landesorganisationen und vor allem die Gewerkschafter haben sich bereits für Kern ausgesprochen.

Mit dem 50-Jährigen entscheidet sich die Sozialdemokratie für eine innovative Sicherheitsvariante:

  • Kern war nur kurz, in den 1990ern, für die Partei tätig, ehe er sich in der Wirtschaft bis an die Bahnspitze hochgearbeitet hat. Damit ist er alles andere als ein Berufspolitiker; er kann vielmehr als Quereinsteiger präsentiert werden – und das ist in Zeiten wachsender Parteipolitikerverdrossenheit immerhin schon etwas.
  • Bei den ÖBB hat er sich ungeachtet dessen neben Management- auch Politikkompetenz erarbeitet. Die Bahn lebt zwar weiterhin zu einem guten Teil vom Steuerzahler, hat sich aber immerhin dahingehend weiterentwickelt, dass sie auch als modernisiertes Unternehmen gilt. Wobei Kern zwei Gruppen überzeugen konnte, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Die Eisenbahnergewerkschafter sind auf seiner Seite. Und ÖVP-Vertreter haben zumindest aufgehört, den Konzern zu beschießen. Ja, im vergangenen Jahr hielt der Seniorenbund der Partei unter der Führung von Andreas Khol sogar eine Vorstandssitzung in der ÖBB-Zentrale ab – als Zeichen der Verbundenheit.
  • Das Risiko, das die SPÖ mit Kern eingeht, ist überschaubar. Grund: Er bereitet sich seit Monaten auf den Tag X vor, hat sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit also längst überlegt, was er als Kanzler will, wen er für die Regierung und die Partei engagieren wird, was er in seiner Antrittsrede erklären wird und wie er mit Freiheitlichen und einem möglicherweise widerspenstigen Koalitionspartner umgehen wird. All diese Vorleistungen hätte ein anderer Kandidat wohl kaum liefern können.

Offen bleiben freilich die entscheidenden Dinge: Was er für das Land bringen wird; und ob er für seine Partei erfolgreich sein wird. Das vorherzusagen, ist schlicht und ergreifend unmöglich.

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