Jungpolitiker im Wien-Wahl-Interview: Elisabeth Olischar von der ÖVP

Elisabeth Olischar von der Wiener ÖVP im Gespräch mit VIENNA.at.
Elisabeth Olischar von der Wiener ÖVP im Gespräch mit VIENNA.at. - © Markus Patscheider
Anlässlich der Wien-Wahl interessiert VIENNA.at nicht nur, was die etablierten Politiker der großen Parteien in Wien für Politik machen – auch die Jungpolitiker unter 30 sind sehr aktiv. Diesmal in unserer Interview-Reihe: Elisabeth Olischar (27) von der ÖVP.

Elisabeth Olischar, 27 Jahre jung, fand ihren Weg in die Politik über die Junge VP – und machte in den schwarzen Parteireihen schnell von sich reden. Auf der Landesliste für die Wien-Wahl im Oktober 2015 ist Olischar sogar auf dem 2. Listenplatz positioniert – direkt hinter dem Spitzenkandidaten Manfred Juraczka. Mit uns sprach die passionierte Politikerin über die politischen Baustellen in Wien, ihre Freude an der Politik und ihre Wünsche für die Zukunft der Bundeshauptstadt.

Der Umgang mit dem aktuellen Flüchtlingsstrom sorgt derzeit für einiges an Kritik am Vorgehen der Politik. Wien erfüllt als eines der wenigen Länder die Aufnahmequote. Was hätte Ihrer Meinung nach beim Umgang mit der Krise anders gemacht werden müssen?

Ich habe von Beginn an eine umfassende Strategie mit klaren Kompetenzen sowohl auf Bundes- als auch auf Europaebene vermisst. Aus meiner Sicht wäre der erste wichtige Schritt, direkt in den Krisengebieten Schutz- und Pufferzonen einzurichten, in denen sich die Asylsuchenden registrieren lassen und danach, bei Erfüllung der Voraussetzungen, Asyl in EU-Staaten erhalten. Eine kontrollierte Asylpolitik wie diese hätte die Koordinationsprobleme, vor denen Österreich momentan steht, verhindert. Aus meiner christlich-sozialen Werthaltung ist für mich und die ÖVP Wien klar: jene, die verfolgt werden und tatsächlich die Voraussetzungen für Asyl erfüllen, benötigen von unserer Gesellschaft Hilfe auf Zeit.

Zelte als Unterbringung – welche Alternativen würden Sie für besser befinden?

Durch das beschlossene Durchgriffsrecht des Bundes, das dem Staat bedarfsorientiert die Möglichkeit gibt, Flüchtlinge in Bundesgebäuden in Österreich unterzubringen, kann das Problem der fehlenden Unterkünfte rasch gelöst werden. Ich bin froh, dass in Wien eine enorme Hilfsbereitschaft vorherrscht, dennoch muss die Frage der Unterbringung von Asylsuchenden vom Staat gelöst und koordiniert werden und darf nicht auf die Bevölkerung übergewälzt werden. Die Unterbringung durch den Bund ist die eine Sache, das Asylverfahren die andere. Je schneller und professioneller die Asylverfahren in allen Bundesländern durchgeführt werden können, umso besser wird man sich um jene Flüchtlinge kümmern, die unsere Unterstützung tatsächlich benötigen.

“In Wien sind schon viele Flächen zubetoniert”

Was sind für Sie die wichtigsten Themen für die kommende Wien-Wahl?

Eine innovative Stadtentwicklung liegt mir sehr am Herzen – wenn wir in den Bereichen Mobilität beispielsweise alternative Fortbewegungsmittel weiter ausbauen (E-Mobilität) hilft das nicht nur dem Verkehr, sondern auch der Umwelt. Da sind wir beim zweiten Thema: innovative Stadtbegrünung ist gefragt, nachdem in Wien schon viele Flächen zubetoniert sind. Begrünte Fassaden, Dächer und Lärmschutzwände lassen die Stadt wieder neu aufatmen. Weiters: Thema Nahversorgung. Wien wächst und die Herausforderung besteht darin, uns Bewohnerinnen und Bewohnern mit der besten Qualität von heimischen Lebensmitteln zu versorgen – einerseits durch die Schaffung von weiteren Marktgebieten in den Bezirken, andererseits durch Rahmenbedingungen, die die Entwicklung von neuen Trends und Konzepten zulassen – Stichwort Street Food.

Wien weiteres Stichwort: Das Nichtrauchergesetz in der Wiener Gastronomie. Was ist Ihre Meinung zu dem Gesetz?

Ich selbst rauche nicht, und viele Freundinnen und Freunde von mir sind froh, dass sie nach einem Besuch im Restaurant nicht mehr nach Rauch stinken. Mir persönlich ist Klarheit wichtig. Die Gastronomie muss sich auf Entscheidungen einstellen können.

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten „politischen Baustellen“ mit Handlungsbedarf in Wien?

Neben meinen vorhin erwähnten Wahlkampfthemen Mobilität, Umwelt und Regionalität, sehe ich vor allem Handlungsbedarf beim Thema Transparenz. Als junger Mensch ist es für mich besonders wichtig nachzufragen, wie unser Geld verwendet wird – das ist leider in dem Förderdschungel sehr undurchsichtig. Hier ist mehr Transparenz gefordert, damit wir wissen wo welche Förderungen hingehen. Dadurch wird der effiziente Einsatz von Ressourcen erst wieder möglich.

oli2Bild: Florian Leregger

Sind Sie zufrieden mit Wiens Bürgermeister?

Meiner Ansicht nach ruht er sich mittlerweile sehr auf seinen Lorbeeren aus – ich würde mich freuen, wenn mehr an die Zukunft gedacht wird und Wien wieder eine aktive und keine reaktive Rolle in der Stadtentwicklung übernimmt.

“Ich genieße den Wien-Wahlkampf”

Sie gehören zu den jungen aktiven Politikern Wiens – stoßen Sie auf Vorbehalte deswegen?

Natürlich gibt es immer wieder Bürgerinnen und Bürger, die bei jüngeren Menschen in der Politik skeptisch sind – aber das ist ja die Herausforderung! Mir macht es einfach Spaß mit ihnen ins Gespräch zu kommen und sie vom Gegenteil zu überzeugen. Viele wissen gar nicht, wie viele junge Menschen sich für Politik engagieren.

Auf der Liste für Wien der ÖVP weit oben. Spüren Sie einen hohen Erwartungsdruck?

Eigentlich nicht – den Druck mach ich mir eher selber! Aber ich freue mich so sehr über diese Chance, dass ich den Wahlkampf richtig genieße und nutze, um ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Wieso wollten Sie in die Politik?

Schon im Kindergarten habe ich mich immer für andere eingesetzt – das hat sich bis in meine Schulzeit durchgezogen. Und welche Tätigkeit ist besser, um sich für etwas oder jemanden einzusetzen, als sich aktiv in die Politik einzubringen? Durch mein Engagement möchte ich nicht nur selbst mitgestalten, sondern auch für andere eine starke Stimme sein.

Was sehen Sie in der ÖVP, das Sie bei anderen Parteien nicht finden?

Die ÖVP ist für mich die einzige Partei mit einem Wertefundament. Sie ist die Partei der Vernunft und der Zukunftsorientiertheit.

Haben Sie ein (politisches) Vorbild?

Ein konkretes Vorbild habe ich nicht – für mich sind jene Menschen Vorbilder, die dem Leben positiv entgegenblicken, die wertschätzend und respektvoll mit anderen umgehen und jedem offen gegenüberstehen.

Was ist Ihr persönlicher Wunsch für die Wahl am 11. Oktober?

Mein Wunsch wäre, dass eine ehrliche, innovative und zukunftsorientierte Politik ins Rathaus einzieht. Derzeit vermisse ich eine innovative Stadtentwicklung und dass Probleme, die uns Wienerinnen und Wienern wirklich am Herzen liegen, angegangen werden.

Wien gilt als Stadt mit der höchsten Lebensqualität – was bedeutet Lebendqualität in Wien für Sie?

Die Frage ist, woher kommt diese Lebensqualität? Meiner Meinung nach machen die Wienerinnen und Wiener die Stadt dazu! Politisch sind noch einige Baustellen offen – wie beispielsweise eine Reaktion auf das immer heißer werdende Klima (Stichwort Stadtbegrünung), erneuerbare Energien ausbauen (Stichwort Photovoltaik und E-Mobilität) sowie ein verantwortungsvoll geführtes Budget (Stichwort Transparenz bei der Verteilung von Förderungen).

Was ist Ihr Lieblingsort in der Stadt und warum?

Leider kann ich das nicht auf einen beschränken – es gibt einige sehr schöne Plätze, das kommt immer ganz auf die momentane Stimmung an. Besonders gerne halte ich mich am Wasser auf – zum Beispiel am Donaukanal, dort lassen auch kulinarische Angebote keine Wünsche offen.

Im Wort-Rap – wie würden Sie sich in 3 Worten beschreiben?

Innovativ, lustig, offen.

Ihre liebsten Beschäftigungen abseits der Politik?

Mit Freunden ausgehen, theaterspielen und kochen.

Was sind Ihre politischen Ziele für die Zukunft?

Für die unmittelbare Zukunft: Mich ab dem 12. Oktober für die Anliegen der Wienerinnen und Wienern einzusetzen – das ist eine große Herausforderung für die nächsten fünf Jahre.

Wenn Sie nicht politisch tätig geworden wären, welchen Karriereweg hätten Sie dann eingeschlagen?

Nachdem ich mich schon seit Beginn meines Studiums für die Politik einsetze und interessiere, kann ich mir es fast gar nicht ohne vorstellen. Nachdem ich Stadtentwicklung und Landschaftsplanung studiert habe, wäre ich trotzdem in diesen Kreisen geblieben, da diese Thematik ohnehin schon für sich sehr politisch ist.

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