Judith Holofernes im Interview: “Der Morgen nach einer langen Nacht”

Von Amina Beganovic
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Judith Holofernes wandelt auf Solo-Pfaden - mit Leichtigkeit.
Judith Holofernes wandelt auf Solo-Pfaden - mit Leichtigkeit. - © Ole Rennecke
Judith Holofernes, Frontfrau der seit 2011 pausierenden Band Wir sind Helden, hat eine Soloplatte aufgenommen – unter dem Radar, aber mit Radau. Mit Einflüssen von 80er Jahre Groove-Punk, 90er Jahre Indie-Rock, Country und 60er-Jahre Rock ‘n’ Roll liefert sie jetzt ein gut gelauntes neues Album ab. Wie „Ein leichtes Schwert” entstanden ist und wie es für sie nach den Helden weitergeht, verriet uns die Sängerin im Interview.

Man könnte sagen, dass sie das Album (VÖ: 7. 2.2014, Sony Music) „still und heimlich” aufgenommen. Wollte Judith Holofernes ihre Fans überraschen, als im vergangenen Jahr plötzlich die Nachricht über ein neues Solo-Projekt auf ihrem Blog zu lesen war?  “Ich wollte gar nicht so sehr überraschen, nicht bewusst. Ich hab mich eher selbst überrascht! Nachdem ich sieben Lieder fertig hatte, hab ich auf einmal gemerkt, dass ich da an einem Album schreibe,” erinnert sich die 37-Jährige zurück.

Neue Songs entstehen lassen zu können, aus Lust und Laune und ohne einen permanenten Erwartungsdruck im Rücken war für sie eine wichtige Voraussetzung. “Ich habe gemerkt, wie schön es war, das zu machen, ohne Zeitdruck von anderen, ohne Erwartungen im Raum – die natürlich bei Wir sind Helden immer gegeben waren. Dann dachte ich mir: ‘Nun bist du schon so weit, jetzt ziehst du das auch durch.’ Und es war so toll, daran zu arbeiten, ohne dass jemand davon wusste! Ich war wie in einer Blase, in der ich komplett mein Ding machen konnte, so, wie ich wollte.”

Judith Holofernes schwingt „Ein leichtes Schwert”

Eine (ehemalige) Heldin also, die auf Solopfaden ein Schwert schwingt –  aber ein “leichtes”, wohlgemerkt. Woher kam die Idee für diesen Albumnamen? “Ein leichtes Schwert ist immer noch ein sehr effektives. Man muss es nur anders führen als ein schweres Ritterschwert … wie ein Florett, man muss damit ein wenig tanzen,” beschreibt Holofernes, ihres Zeichens eine “leidenschaftliche Tänzerin” die Idee hinter dem Titel. Nicht zuletzt findet sich darin auch ein wenig Selbstreflexion. “Auf Frauen trifft das noch stärker zu als auf Männer: Leichtigkeit und Schlagkraft in einem, die sich überhaupt nicht ausschließen müssen. Ein leichtes Schwert hat für mich viel mit Klarheit, Bestimmtheit und Präzision zu tun.”

Auch wird die humorvolle Seite von Judith Holofernes bei diesem Album deutlich, die früher bei Wir sind Helden vielleicht nicht immer so viel Spielraum gefunden hat. Image-Wandel? Nee, einfach ein bisschen Quatsch machen. Seien es Artwork-Fotos von ihr mit knallosa Fingernägeln und einem Arm voller Schwerte oder melodisch-fröhliche Ukulele-Elemente in den Songs. “Wer diese total schrabbelige Platte kennt, wird merken, dass der Humor nicht zu kurz kommt.”

Der Weg nach Wir sind Helden

Losgelassen hat die Musik sie nie, obwohl Wir sind Helden seit 2011 im unbestimmten Ruhestand sind. Das Stichwort “Freiheit” war für sie ein Leitmotto bei der Arbeit an ihrem eigenen Album. Es war ja nicht immer alles eitel Sonnenschein in den letzten Jahren für die Berliner Musikerin. Und auch das hört man auf der Platte durch.

“Ich mag die Gleichzeitigkeit von Gefühlen bei Musik – denn das Leben ist ja auch so. Wenn Dinge gleichzeitig leicht und lustig, aber auch ein bisschen melancholisch sind. Ich hatte auch eine schwere Zeit in den letzten Jahren mit Wir sind Helden. Sicher war es teils wunderschön, aber es gab auch viele dunkle Momente. Daher ist dieses Album wie der Morgen nach einer langen Nacht. So habe ich mich gefühlt, und ich wollte, dass man das hört. Aber es sollte eben auch leicht klingen, beschwingt – und ein wenig bekloppt.”

Und wie klingt das auf der Bühne? Das gibt es in Frühling bei uns zu hören. Am 09. April gastiert Judith Holofernes live in der Arena Wien.

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