“IS-Reisebüro”: Angeklagter bekennt sich zu Prozessauftakt “nicht schuldig”.

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Der Angeklagte bekannte sich "nicht schuldig".
Der Angeklagte bekannte sich "nicht schuldig". - © APA (Symbolfoto)
Caner Y., bis zuletzt Bäcker in Wien-Favoriten, soll für kampfbereite IS-Sympathisanten Reisen nach Syrien organisiert haben. Bei ihm zu Hause war eingschlägiges Material gefunden worden.

Im Wiener Straflandesgericht ist am Dienstag der Prozess gegen einen mutmaßlichen Islamisten eröffnet worden, der laut Anklage spätestens seit Sommer 2014 Mitglied der Terror-Miliz Islamischer Staat (IS) gewesen sein soll. Caner Y. (33) – der gebürtige Türke arbeitete bis zuletzt als Bäcker in Wien-Favoriten – bekannte sich zu Beginn der Verhandlung “nicht schuldig”.

Wie Staatsanwältin Stefanie Schön ausführte, soll der Angeklagte bis zu seiner Festnahme im vergangenen Februar den IS finanziell unterstützt und für zumindest zehn kampfbereite IS-Sympathisanten tschetschenischer Abstammung professionell “Terror-Reisen” Richtung Syrien organisiert haben. Vier von ihnen sind vor drei Monaten im Straflandesgericht in erster Instanz abgeurteilt worden, weil sie gemeinsam mit fünf weiteren angeblichen Islamisten im August 2014 beim Versuch festgenommen wurden, außer Landes zu gelangen und in den bewaffneten Jihad zu ziehen. Sie und ihr Chauffeur Yunus F. fassten dafür nicht rechtskräftige Freiheitsstrafen zwischen einem und drei Jahren aus.

Caner Y. selbst als Fahrer

Caner Y. war beruflich in derselben Bäckerei tätig wie Yunus F., die dessen Onkel gehört. Er behauptet, er habe von Yunus F. erfahren, dass man illegal Tschetschenen nach Syrien bringen könne. Er habe sich zum Mitmachen überreden lassen. “Er hat keinen einzigen Ausreisewilligen rekrutiert und niemanden fanatisiert”, widersprach Verteidiger Wolfgang Blaschitz den Vorwürfen der Anklagebehörde. Sein Mandant, der nur Türkisch beherrsche, habe sich aufgrund von sprachlichen Barrieren nicht einmal mit den Tschetschenen unterhalten können.

An einer dieser Reisen, bei der laut Anklage konkret über den Jihad gesprochen wurde, soll Caner Y. selbst als Fahrer teilgenommen haben. Sie ging im Juli 2014 der Staatsanwaltschaft zufolge in der türkisch-syrischen Grenzstadt Gaziantep vorzeitig zu Ende, weil die Reisegruppe von der türkischen Polizei kontrolliert und mangels vorhandener Visa abgeschoben wurde.

Einschlägiges Material bei Hausdurchsuchung gefunden

Darüber hinaus soll Caner Y. an Personen, die es nach Syrien geschafft hatten, Bargeld, Handys und Kleidung weitergeleitet haben. Selbst Autos soll er beschafft haben. Für jene, die während der Reise offene Fragen hatten, soll er de facto als telefonische Hotline fungiert haben, so die Staatsanwältin unter Verweis auf Audio-Dateien, die bei der Auswertung von beschlagnahmten Mobiltelefonen zutage kamen.

Dass der Angeklagte die Ideologie des IS vertreten haben dürfte, zeigte sich bei zwei Hausdurchsuchungen. In seiner Wohnung wurde einschlägiges Propagandamaterial sichergestellt, darunter auch Textilien mit dem IS-Logo. Das Verfahren wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung ist auf zwei Tage anberaumt. Dem 33-Jährigen drohen bei einem Schuldspruch bis zu zehn Jahre Haft.

(APA, Red.)

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