Hilfe für Samtpfoten in Not: Katzen-Coach Petra Ott im VIENNA.at-Interview

Von Daniela Herger
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Katzen-Coach Petra Ott bei der Arbeit mit den Samtpfoten
Katzen-Coach Petra Ott bei der Arbeit mit den Samtpfoten - © Coach4Cats
Sie ist die letzte Hoffnung, wenn Katzenbesitzer nicht mehr können: Katzen-Coach Petra Ott wird gerufen, wenn Unsauberkeit, Mobbing, Angst oder nächtliches Rambazamba das Zusammenleben von Mensch und Katze erschweren. VIENNA.at hat die “Katzenflüsterin” aus Wien zum Interview getroffen.

Katzenflüsterin, Katzen-Coach, Katzentherapeutin, Katzenpsychologin – an Jobbezeichnungen für die Tätigkeit, die Petra Otts Passion ist, mangelt es nicht, und mit den meisten davon hat sie auch kein Problem. Wichtiger ist ihr aber, wie ihre vierbeinigen und zweibeinigen Kunden sie wahrnehmen. “Ich bin oft der letzte Rest der Hoffnung”, schmunzelt sie.

Eine gute Lösung für jedes Katzenproblem

“Die Leute reißen immer die Türe auf, wenn ich komme, und sagen: ‘Endlich! Die Katzenflüsterin ist da! Komm schnell’! Das Wichtigste ist, dass die Menschen wissen: Es gibt bei Katzenproblemen immer Hilfe, egal was das Problem ist”, so Ott. Nur der Terminus “Katzenpsychologin”, der in Deutschland und der Schweiz boomt, ist hierzulande verpönt bzw. verboten. Man dürfe sich nur als “tierpsychologische Verhaltensberaterin” bezeichnen. “Diplomierter ganzheitlich-körperlich orientierter Tier-Coach”, so die offizielle Berufsbezeichnung von Petra Ott. Was bei ihrer Arbeit am meisten zählt, ist die Körpersprache. “Katzen reden ja ununterbrochen mit uns. Auf Kätzisch: mit Lauten, Augenzwinkern, Pföteln.”

Katzensprache, leichte Sprache

“Ich bin dagegen, Katzen als mysteriöse Geschöpfe zu sehen, und dass Menschen so Sachen sagen wie ‘Ich bin ja nur der Diener meiner Katze.’ Das stimmt so nicht. Eigentlich ist man als Mensch ein Super-super-Highlight für die Katze. Die lieben einen auch sehr. Wir sind ganz tolle Sozialpartner für Katzen.”

Katzensprache, ist Ott überzeugt, könne jeder lernen, der das möchte, und Lernwille und Begeisterung der Katzenfreunde seien diesbezüglich ihrer Erfahrung nach groß. Die Basics und kleinen Höflichkeiten der Katzensprache lerne man rasch, wie etwa ein bewusstes Augenzwinkern, mit dem uns Katzen sagen: “Alles ist gut, ich fühle mich wohl.” Ott erklärt: “Wenn man in Interaktion geht mit der Körpersprache, mit Blinzeln ‘zurücklächelt’, dann ist das schon die halbe Miete.”

Grundkenntnisse der Anatomie und Physiologie der Katzen waren ein Teil der Ausbildung, die Ott genossen hat – wichtig ist aber bei der Arbeit als Katzen-Coach, dass man auch Hand in Hand mit Tierärzten arbeitet. “Das Allerwichtigste ist die Gesundheit der Katzen.” Bei Verhaltensauffälligkeiten oder Unsauberkeit müsse etwa im Vorfeld abgeklärt werden, ob das Tier körperlich gesund sei.

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Petra Ott: “Protestpinkeln gibt es nicht”

Damit sind wir beim Katzenproblem Nummer 1: Unsauberkeit ist das Thema, bei dem Ott vielfach verzweifelt zu Rate gezogen wird. “Das häufigste Problem ist Unsauberkeit – meist in Form von Urin-Absatz außerhalb des Kisterls. Ganz wichtig dabei: Es gibt kein Protestpinkeln, das ist oft ein Klo-Management-Problem”, weiß die Katzenflüsterin aus Erfahrung. Ihren größten Erfolg durfte Ott in diesem Zusammenhang bereits früh in ihrer Karriere als Katzen-Coach verzeichnen – als sie bei ihrem ersten Einsatz eine seit 13 Jahren unsaubere Katze erfolgreich therapierte.

In diesem Härtefall habe es in der betroffenen Wohnung an jeder Wand und jedem Möbelstück Urinspuren gegeben, die Besitzerin mehrmals täglich mit wachsender Verzweiflung hinter der unsauberen Katze hergeputzt. “Das Ehepaar war am Ende. Die hatten sogar die Couch mit Plastik abgepickt, bis auf einen kleinen Bereich, wo sie zum Fernsehen sitzen konnten. Unsere Mission war: Wir erobern die Couch zurück,” lacht Ott. Mittels einer Umstellung beim Klo-Management und einer näheren Untersuchung der Beziehung zwischen der Katze und einem im gleichen Haushalt lebenden Hund sei es dann tatsächlich gelungen, binnen einer Woche dem seit 13 Jahren währenden Martyrium der Katzenhalter erfolgreich ein Ende zu setzen.

Ein Fall für den Katzen-Coach: Unsauberkeit und Angst

Das zweite große Problem in Sachen Katzen: Verängstigte Katzen. Bei Schreckhaftigkeit müsse man das Selbstvertrauen der Samtpfoten sowie das Vertrauen zu den Menschen im Zuge des Coachings aufbauen, wie Ott erläutert. Dazu hat sie in ihrer Katzentasche so manches gefinkelte Hilfsmittel parat: etwa Baldriantropfen oder eine Katzenangel, mit der man als Halter sein Tier ohne viel Mühe auch nebenbei bespaßen und auf Trab halten kann. “Eine Grundregel: Egal, welches Tier du zuhause hältst – beschäftige es. Wir müssen mit ihnen spielen, auch Intelligenzspiele. Dann ist der Katzenbesitzer glücklich, und die Katze auch superglücklich.”

Ob Mobbing, Depressionen oder misslungene Vergesellschaftung von Katze und Katze oder auch Katze und Hund: Kein Katzenproblem, für das man nicht eine rasche Lösung herbeiführen kann – vorausgesetzt man weiß, wie man es strategisch und diplomatisch angeht. “In einer Stunde oder zwei löst sich schon vieles auf. Ich schaue mir das an, finde die Ursache und wir packen das Problem bei der Wurzel an. Ich bin ein Katzen-Detektiv,” schmunzelt der Katzen-Coach.

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Katzen-Coach Petra Ott im Word-Rap

Unsauberkeit: Klo-Management ist oft der Schlüssel. Viele Halter wehren sich, wenn etwa ein weiteres Kisterl aufgestellt werden muss, aber dann schlage ich vor, dass man es für sechs bis acht Wochen ausprobiert, und wenn es dann funktioniert, und das Problem gelöst ist, bleibt man gerne dabei.

Unruhigsein in der Nacht: Katzen schlafen ja rund 18 Stunden am Tag, vor allem, wenn Sie außer Haus sind, und wenn der Halter nach Hause kommt, das ist das Highlight. Wir sitzen dann nach der Arbeit erschöpft auf der Couch und freuen uns, wenn die Katze sich dazulegt, wir streicheln sie und schläfern sie damit wieder ein. Und wenn wir dann schlafen gehen wollen, ist das Katzerl natürlich supermunter. Aber es gibt Spiel- und Auslastungsmöglichkeiten, wo man den Schlaf der Katzen auf unseren abstimmen kann.

Depressionen bei Katzen: Das gibt es leider. Das ist wie im Zoo. Wenn man Tiere nicht beschäftigt, das ist eine Qual. Aber auch hier kann man mit Spielen Abhilfe schaffen.

Angst vor Staubsauger und Haarföhn: Wir ziehen da ein Monster aus einem Loch raus und das fängt an zu pfauchen. Das ist so als würden wir Menschen uns plötzlich in einem Kriegsgebiet befinden. Und wir haben auch noch eine bestimmte genervte Ausstrahlung beim Staubsaugen – man denkt: “Ist das elendig.” Ich kenne keinen gechillten Staubsauger. Das spüren die Katzen auch und suchen das Weite.

Vergesellschaftung von Katzen: Ich bin immer dafür, dass man beim Vergesellschaften aufpasst. Die neue Katze braucht ihr ruhiges Plätzchen, wo sie sich das in Ruhe anschauen kann, die neue Umgebung, die neuen Gerüche. Lässt man die Tiere dann zueinander, ist es gut, wenn der Mensch dabei ist und reguliert. Die vorhandene Katze denkt sich: Oh mein Gott, ich muss jetzt meine Ressourcen teilen? Für die bricht die Welt zusammen. Es kann eine tolle Freundschaft werden, aber das braucht halt Zeit.

Draußen Spazierengehen mit Brustgeschirr: Katzen sind echt arge Kontrollfreaks. Sie fühlen sich nur wohl, wenn ihr Duft überall ist, und lieben ihr Zuhause. Wenn man die Katze packt und in eine Wiese setzt, bricht oftmals die Panik aus. Besser sind Fensterbänke, wo die Katze ins Grüne sieht, oder ein Balkon – denn alles, was die Katze sieht, ist ihr Revier. Hinausgehen mit Brustgeschirr ist viel Stress. Ich würde davon abraten.

Die Arbeit als Katzen-Coach: Ich liebe meinen Job, ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Wenn ich aus der Tür draußen bin, weiß ich, ich habe den Katzen geholfen. Es ändert sich immer etwas für die Katzen. Katzen sind ja hilflose Wesen, die versuchen, uns etwas zu erklären, und wir verstehen das nicht, da vermittle ich. Und das Feedback, das ich bekomme, wenn die Menschen wieder glücklich sind mit ihren Katzen – das ist das Schönste an meinem Job.

Abschließend noch ein guter Alltagstipp für alle Katzenhalter: “Bei positivem Verhalten viel loben und generell immer mit ruhiger, sanfter und hoher Stimme mit den Katzen sprechen. Das lieben sie total,” so Ott.

Alle weiteren Infos zur Arbeit von Katzen-Coach Petra Ott finden Sie hier.

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