Hamilton fasziniert als Mensch unter Maschinen

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Hamilton fasziniert als Mensch unter Maschinen
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Der schillerndste Fahrer der Formel 1 ist auch der schnellste. Weil ihn Ferrari-Frontman Sebastian Vettel nur phasenweise so provozieren konnte wie dessen Landsmann Nico Rosberg, steht Lewis Hamilton zwei Rennen vor Schluss als Weltmeister 2017 fest.

Der Engländer war im März als Favorit in die Saison gestartet und hat am 29. Oktober endgültig den Olymp des Motorsports erreicht.

Michael Schumacher, Juan Manuel Fangio, Alain Prost, Vettel – und Lewis Hamilton. Nur fünf Männer haben es bis bisher geschafft, viermal oder öfter die Formel-1-WM zu gewinnen, ein einziger Vertreter des Motorsport-Mutterlandes Großbritannien ist darunter. Dass sich Hamilton seinen vierten Triumph durch Leistung und Konstanz heuer redlich verdient hat, ist unbestritten. Auch wenn es für den Mercedes-Star am Sonntag in Mexiko nur zu Rang neun reichte.

Neun Siege stehen für Hamilton 2017 bisher zu Buche, dazu elf Pole Positions – beides sind in dieser Saison klare Bestwerte, die an Allzeit-Rekorden kratzen. Vettel brachte es auf magere vier Siege, viermal stand der Deutsche auf der Pole Position. Für Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff präsentierte sich Hamilton heuer in der besten Form seit seinem Wechsel zum Daimler-Imperium. “Weil er so gut mit den schwierigen Tagen umgeht”, erklärte der Wiener.

Eine seiner dunkelsten Stunden erlebte Hamilton am 27. November 2016. Hilflos musste er mitansehen, wie ihm der teaminterne Rivale Rosberg beim Finale in Abu Dhabi den WM-Titel wegschnappte. Der Brite gewann zwar das Rennen, weil Rosberg Zweiter wurde, jubelte aber nur der Deutsche nachhaltig. Es war vielleicht der größte Rückschlag in der Karriere des ersten dunkelhäutigen Formel-1-Piloten, der schon praktisch jede Nachwuchsklasse dominiert hatte.

“Mein Fahrstil war schon immer grundsätzlich sehr aggressiv”, meinte Hamilton einmal. 2008 avancierte er in Sao Paolo im Alter von 23 Jahren, 9 Monaten und 26 Tagen zum bis dahin jüngsten Formel-1-Champion. Vettel sollte ihm diesen Rekord zwei Jahre später abnehmen. 2013 wechselte der Mann aus Stevenage in Mittelengland als Schumacher-Nachfolger zu Mercedes. Es folgten 2014 und 2015 die nächsten beiden Titel, ehe er sich dem missliebigen Teamkollegen geschlagen geben musste.

In die Wiege gelegt war Hamilton im Gegensatz zu Weltmeister-Sohn Rosberg nichts worden. Seine Eltern, die sich scheiden ließen, als er erst zwei Jahre alt war, waren nicht arm, mussten aber geschickt haushalten. Heute betreibt Hamilton einen öffentlichen Personenkult wie kein anderer Fahrer in der Formel 1. Auf Instagram, Twitter und Facebook verfolgen mehrere Dutzend Millionen, wie er Goldkette, Brillanten-Ohrringe, großflächige Tattoos, protzige Luxusgefährte oder den Privatjet ins rechte Bild rückt.

Hamilton pflegt sein Playboy-Image zwischen den Grand-Prix-Einätzen, lässt sich direkt am Court bei NBA-Spielen genauso blicken wie auf wilden Partys. Im Fahrerlager als Eigenbrötler bekannt, umgibt er sich abseits davon mit Hollywoodstars, Musikgrößen, Sportsfreunden wie Kicker Neymar sowie diversen Supermodels. Und vor allem bei den Damen kommt der Popstar der Formel 1 gut an.

Seit dem endgültigen Ende seiner On-off-Beziehung mit Nicole Scherzinger, Sängerin der Pussycat Dolls, zelebriert Hamilton sein Single-Dasein. Affären wurden ihm schon mit Rihanna, Gigi Hadid, Kendall Jenner, Rita Ora, Winnie Harlow oder Lindsey Vonn nachgesagt. Dabei ist die wichtigste Frau in seinem Leben aktuell seine Physiotherapeutin Angela Cullen. Noch näher kommen ihm nur seine Bulldoggen Coco und Roscoe, die sogar ein eigenes Instagram-Profil haben.

Es ist Hamiltons weidlich publiziertes Jetset-Leben als postmoderner Boheme, das vor allem die jüngeren Generationen fasziniert. Das macht ihn für die Formel 1, der die markanten Typen schon seit Längerem auszugehen drohen, fast überlebenswichtig. “Die Fans wollen Menschen, kein Metall. Und was Lewis macht, ist großartig fürs Geschäft”, erklärte Bobby Epstein, der Chef der Strecke in Austin, auf der Hamilton fünf von bisher sechs GP-Auflagen gewonnen hat.

Wie lange Hamilton das permanente Im-Kreis-Fahren noch reizen wird, weiß niemand, nicht einmal er selbst. Für seinen vierten WM-Titel will er sich mit einer Reise nach Machu Picchu in Peru belohnen. Als Musiker arbeitet Hamilton bereits seit Jahren an seinem Debütalbum, auch ein Ausflug ins Schauspiel-Business würde ihn reizen. Dazu plant er, eine eigene Modelinie auf den Markt zu bringen. Was auch immer er nach seiner Formel-1-Karriere machen wird, ein grundsätzlich aggressiver Zugang wird ihm vermutlich auch dabei nicht fremd sein.

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