Großparteien so stimmenschwach wie noch nie, FPÖ im Aufwärtstrend

FPÖ-Chef Strache dürfte sich über die Stimmen-Entwicklung freuen.
FPÖ-Chef Strache dürfte sich über die Stimmen-Entwicklung freuen. - © APA (Sujet)
Vier Parteien sind derzeit im Wiener Gemeinderat bzw. im Landtag vertreten: Die SPÖ, die ÖVP, die FPÖ und die Grünen. Am 11. Oktober, mit der Wien-Wahl, werden sich wohl die Stimmanteile und damit die Mandatsverteilung ändern – sollten die NEOS den Einzug schaffen, könnten auch erstmals seit 1996 wieder mehr als vier Fraktionen im Gemeinderat sitzen.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs sah Wien klar rot: Von den damaligen Ergebnisse zwischen 57,18 Prozent (1945) und 60,14 Prozent (1973) kann die heutige SPÖ nur noch träumen. 2010 verlor man – zum zweiten Mal nach 1996 – mit 44,34 Prozent die absolute Mehrheit. Zwar hat Bürgermeister Michael Häupl für 2015 das Ziel ausgegeben, diese zurückzuerobern – das halten Meinungsforscher derzeit aber für sehr unwahrscheinlich. Prophezeit werden eher erneute Verluste für den großen Koalitionspartner.

Auch die zweite historische Großpartei, die Wiener ÖVP, hat schon bessere Zeiten gesehen: Nach Kriegsende durfte man sich über Ergebnisse zwischen 34,91 Prozent (1945) und 33,87 (1964) freuen. Seit 1983 ging es allerdings konstant bergab – bis man 2010 bei 13,99 Prozent und damit dem historischen schwarzen Tiefststand landete. Ein Aufwärtstrend für die Wahl im Oktober ist – glaubt man aktuellen Umfragen – derzeit nicht zu erkennen.

Gegensätzlicher Trend bei Großparteien und FPÖ

In die gänzlich andere Richtung ging es für die FPÖ: Seit 1949 ist sie, damals noch als Wahlpartei der Unabhängigen (WDU), im Gemeinderat vertreten. Beim ersten Antreten konnte sie 6,82 Prozent der Wähler von sich überzeugen. Bis Mitte der 80er-Jahre stagnierten die Freiheitlichen bei Ergebnissen um sieben Prozent, unter Jörg Haider begann der Aufstieg. 1987 kratzte man bereits an der Zehn-Prozent-Marke, 1991 steigerten sich die Freiheitlichen sprunghaft auf 22,54 Prozent. Erst zehn Jahre später verzeichnete man wieder ein Minus, einen Tiefpunkt gab es 2005 mit 14,83 Prozent, als Jörg Haider das BZÖ gründete und die FPÖ verließ. Schon 2010 hatten sich die Blauen unter Heinz-Christian Strache wieder gefangen und verbuchten 25,77 Prozent. Für die Wahl im Oktober rechnen Umfragen erneut mit einem deutlichen Plus.

Bei ihrem ersten Antreten 1983 mussten die Grünen in Wien noch ein eher maues Ergebnis von 2,5 Prozent hinnehmen. Danach steigerten sie sich – bis auf ein kleines Minus 1996, das dem Einzug des Liberalen Forums in den Gemeinderat geschuldet ist – jedoch konsequent. Seit 2001 stagnieren die Ergebnisse bei etwa 12,5 Prozent, nur 2005 konnte man mit 14,63 Prozent den bisherigen Spitzenwert einfahren. Das könnte die Grünen laut Meinungsforschern auch heuer wieder schaffen oder sogar übertreffen – in den meisten Umfragen wird der kleine Koalitionspartner derzeit mit einem leichten Plus geführt.

Wien-Wahl: Erfolgreiche Listen der Vergangenheit

Sollten die NEOS den Einzug in den Gemeinderat schaffen – wovon die Umfragen derzeit trotz Fünf-Prozent-Hürde ausgehen -, könnten heuer zum ersten Mal seit 1996 wieder mehr als vier Parteien im Gemeinderat sitzen. Damals hatte das Liberale Forum sechs Mandate errungen. Sie waren aber nicht die einzige Partei, die vorübergehend Mandate im Gemeinderat bzw. Landtag besetzte. Im Folgenden eine Übersicht aller Listen, denen das gelang:

1949: KLS Kommunisten und Linkssozialisten/KPÖ (mit 7 Mandaten)
1954: VO Wahlgemeinschaft Österr. Volksopposition/KPÖ (mit 6 Mandaten)
1959: KPÖ (mit 3 Mandaten)
1964: KPÖ (mit 2 Mandaten)
1969: DFP Demokratische Fortschrittliche Partei-Wahlgemeinschaft Franz Olah (mit 3 Mandaten)
1996: LIF Liberales Forum (mit 6 Mandaten)

(APA/red)

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