Für Pilz wird’s jetzt happig

Von Johannes Huber (dieSubstanz.at)
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In den beiden letzten Umfragen der vergangenen Tage kamen die Grünen auf sechs bis acht und die Liste Pilz eben nur noch auf vier Prozent.
In den beiden letzten Umfragen der vergangenen Tage kamen die Grünen auf sechs bis acht und die Liste Pilz eben nur noch auf vier Prozent. - © APA
Der Ex-Grüne leidet darunter, dass er nicht bei den TV-Duellen zur Nationalratswahl dabei sein darf. Damit fehlt ihm eine wichtige Bühne. Das zeigt eine Google-Trends-Analyse.

So schnell ändern sich die Dinge: Anfang September lag Peter Pilz mit seiner Liste erstmals vor den Grünen. Und eine Google-Trends-Auswertung an dieser Stellte stand unter dem Titel, dass die Spitzenkandidatin seiner bisherigen Partei, Ulrike Lunacek, „beinahe verschwunden“ sei. Zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung: Während er von sich reden machte, war von ihr nicht viel zu hören. Ja, es war noch viel schlimmer für sie: Weil zu den ORF-Sommergesprächen ausschließlich Parteichefs eingeladen waren, saß Mitte August nicht sie dort, sondern die Tirolerin Ingrid Felipe, die diese Funktion bekleidet. Soll heißen: Lunacek konnte eine wichtige Möglichkeit, ein paar Hunderttausend Österreicher zu erreichen, nicht nützen.

Heute schaut die grüne Welt ganz anders aus: Peter Pilz tut sich zunehmend schwer, an eine breitere Öffentlichkeit heranzukommen. Und bei den Grünen hat sich Felipe zurückgenommen, um die Bühne ganz Lunacek zu überlassen; was diese wiederum mit immer mehr Erfolg in Anspruch nimmt.

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Es mag ein Zufall sein, dass sich auch die Umfragewerte geändert haben. Wobei man ihre Qualität natürlich ganz grundsätzlich infrage stellen muss. Die Sache ist jedoch die, dass sie wirkungsvoll sein können. Im Guten, wie im Schlechten: Werden einer Partei beachtliche Werte ausgewiesen, hebt das nicht nur die Stimmung in ihren Reihen, sondern auch darüber hinaus – weil die meisten Menschen lieber auf der Seite eines vermeintlichen Siegers stehen, kann das auch zusätzliche Wähler zu ihr ziehen. Umgekehrt ist es für eine Kleinpartei eine Katastrophe, nur vier Prozent attestiert zu bekommen – weil dann nicht mehr sicher ist, ob sie es überhaupt ins Hohe Haus schafft und niemand eine Stimme vergeben möchte, die unter Umständen verloren ist, kann das dazu führen, was Experten als Fallbeil-Effekt bezeichnen: Die Werte brechen komplett ein.

Wie auch immer: In den beiden letzten Umfragen der vergangenen Tage kamen die Grünen auf sechs bis acht und die Liste Pilz eben nur noch auf vier Prozent. Und das kann für Pilz wie gesagt gefährlich werden.

Er bemüht sich zwar, aufzufallen, Lunacek hat diesbezüglich aber einen entscheidenden Vorteil: Ein bis zwei Mal in der Woche sitzt sie in einer TV-Konfrontation. Und das sind halt die mit Abstand besten Gelegenheiten für alle Wahlkämpfer, sich vor einer breiten Masse zu profilieren; da hören ihnen auf ein Mal mehr Leute zu als ansonsten, wenn sie durch Österreich touren, in einer Woche ingesamt.

Was nun überleitet zu einer „Google Trends“-Auswertung: Wer oder was die Menschen beschäftigt, danach googeln viele. Sie wollen mehr erfahren. Daher ist eine Auswertung der Suchanfragen ein wichtiger Indikator für Politiker: Sie zeigt, wie viel Interesse sie überhaupt auslösen.

Schaut man sich nun an, wie das bei Pilz, Lunacek und Felipe in den vergangene 90 Tagen war, dann gibt es einen bemerkenswerten Wandel: Mit dem Grünen-Parteitag Ende Juni, auf dem es Pilz nicht auf den vierten Listenplatz schaffte und er daher seinen Abschied verkündete, setzte extrem großes Interesse für ihn ein. Ende Juli, als er seine eigene Liste präsentierte, war das noch einmal der Fall. Seither jedoch kommt er nicht einmal mehr annähernd daran heran. Einzig mit seiner Ankündigung, den ORF zu klagen, weil ihn dieser nicht an den Duellen teilnehmen lässt, und vor wenigen Tagen noch einmal zum Abschluss des von ihm betriebenen Eurofighter-U-Ausschusses, konnte er eine nennenswerte Nachfrage nach sich auslösen.

Ulrike Lunacek war zuletzt viel erfolgreicher. Und zwar aufgrund der TV-Duelle, in denen sie saß: Vor zwei Wochen lieferte sie sich auf Plus 4 einen heftigen Schlagabtausch mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der in dessen Feststellung gipfelte, dass sie und ihre Leute „hasszerfressen“ seien. Und diesen Dienstag saß sie dem freiheitlichen Vizeobmann Norbert Hofer im ORF gegenüber – und konnte wieder Suchanfragen und damit auch Interesse auslösen, wie es Pilz seit bald zwei Monaten nicht mehr gelungen ist.

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