Flüchtlingskrise im Liveticker: Deutsche Regierung wusste früh von hohen Zahlen

Die Flüchtlingskrise im Liveticker
Die Flüchtlingskrise im Liveticker - © AP
Die Regierung in Deutschlanf war einem Medienbericht zufolge schon frühzeitig vor einem deutlichen Anstieg der Flüchtlingszahl gewarnt. Wir berichten weiter live über die aktuellen Entwickungen in der Flüchtlingskrise.

Demnach rechnete der Chef der EU-Grenzschutzagentur Frontex, Fabrice Leggeri, schon im März mit einer neuen Rekordzahl von Flüchtlingen in Europa, wie die “Welt am Sonntag” berichtete.

Früher Bericht über Fllüchtlingszahlen

“Unsere Quellen berichten uns, dass zwischen 500.000 und einer Million Migranten bereit sind, Libyen zu verlassen”, sagte Leggeri demnach im Frühjahr. Im Juni erklärt der Frontex-Chef laut dem Bericht in einer internen Sitzung des Bundestages, “dass die irregulären Grenzübertritte von der Türkei nach Griechenland im Vergleich zum Vorjahr um 550 Prozent gestiegen sind”. Die Zahl wurde dem Innenministerium und dem Kanzleramt in Deutschland übermittelt.

Die deutsche Vertretung im Kosovo hatte dem Bericht zufolge bereits im Februar in einer Depesche ans Auswärtige Amt gewarnt, dass “täglich 800-1000 (plus Dunkelziffer) Kosovaren” über Serbien und Ungarn nach Deutschland unterwegs seien. Bis Ende des Jahres könnten es “300.000 Personen, d.h. ein Sechstel der Gesamtbevölkerung” sein, zitiert das Blatt aus dem Schreiben.

SLOVENIA-EUROPE-MIGRANTS

Aus den deutschen Bundesländern habe es zudem schon seit dem Vorjahr regelmäßig die Forderung an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) gegeben, die Flüchtlingsprognosen zu erhöhen. Hessens Sozialministerium wies demnach die Nürnberger Behörde Mitte 2014 darauf hin, dass die Länder deutlich mehr Asylsuchende als das Bamf zählen. Im Februar 2015 rechnete das Innenministerium von Schleswig-Holstein in einem internen Schreiben an die Behörde vor, dass man von rund 590.000 Asylsuchenden im Bund in diesem Jahr ausgeht.

Liveticker zur Flüchtlingskrise

Interne E-Mails von Innenministerium und Bamf, die der Zeitung vorliegen, zeigten zudem, dass die Regierung den Ländern in diesem Sommer eine erhöhte Flüchtlingsprognose zunächst vorenthalten habe. Demnach hatte die Regierung bereits am 5. August ein Schreiben der Nürnberger Behörde vorliegen, in der sie von “geschätzten 600.000 in EASY registrierten Personen für das Jahr 2015” ausgeht. Das Innenministerium habe jedoch zwei Wochen gewartet, bis Innenminister Thomas de Maiziere (CDU) am 19. August die Schätzung offiziell auf 800.000 erhöht habe.

Die 16 Länder-Innenminister hatten Anfang August wegen stark steigender Flüchtlingszahlen vom Bund eine schnelle Erhöhung der Prognose gefordert, um entsprechende Unterbringungskapazitäten vorzubereiten. Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte dazu, zunächst hätte geklärt werden müssen, ob das Ministerium einer Umstellung bei der Prognosebasis durch das Bamf folgen sollte. Dafür sei eine “sorgfältige Prüfung und Abstimmung” notwendig gewesen.

Die Entwicklungen am 8. November
15:19 | ntatschl

Mikl-Leitner: Entscheidung zu Grenzkonzept bis Mittwoch

Das Innenministerium will bis spätestens Mittwoch eine Entscheidung über die Grenzsicherung in Spielfeld. Wie ein Sprecher von Ressortchefin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) der APA erklärte, sei ihr Konzept am Freitag auf Büroebene Kanzleramtsminister Josef Ostermayer erläutert worden. Auch Verteidigungsminister Gerald Klug (beide SPÖ) sei informiert.

Nun gelte es, zügig die Verhandlungen zu führen und bis spätestens Mittwoch eine Entscheidung zu treffen, damit man dann schnell in die Umsetzung der baulichen Maßnahmen komme, erklärte der Sprecher der Innenministerin am Sonntagnachmittag. Er betonte auch, dass es für Mikl-Leitner nur ein Modell gibt, das sinnvoll sei. Wie dieses aussieht, wollte er allerdings noch nicht verraten. Dass drei verschiedene Varianten im Gespräch seien, wie dies medial kolportiert wurde, stellte der Sprecher in Abrede.

Die verschiedenen, von der SPÖ vorgeschlagenen Konzepte wollte das Innenministerium nicht bewerten. "Wir kommentieren das nicht. Es geht um eine kontrollierte Vorgehensweise an unserer Grenze. Und wer in dieser heiklen Phase dazu unabgestimmte Detailkonzepte an die Öffentlichkeit spielt, ist sicherheitstaktisch daneben."
15:18 | ntatschl

Rund 7.500 Menschen auf dem Weg nach Athen

Im Laufe des Sonntags erwartet Athen insgesamt rund 7.500 Flüchtlinge, die zum Großteil von der ostägäischen Insel Lesbos aufs Festland gebracht werden. Bereits am Vormittag legten in Piräus drei Fähren mit rund 5.600 Menschen an Bord an, ein weiteres Schiff werde noch erwartet, berichteten griechische Medien.

Wegen des Fährenstreiks in der vergangenen Woche hatten auf den Inseln der Ostägäis mehr als 25.000 Menschen auf die Weiterreise gewartet, allein auf Lesbos waren es etwa 15.000. Für viele von ihnen geht die Reise nun weiter.
15:18 | ntatschl

Amnesty-Aktion gegen Zaun in Spielfeld

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat am Sonntag mit einer Aktion gegen Pläne für einen Grenzzaun in Spielfeld protestiert. 50 dunkel gekleidete Aktivisten formten mit ihren Körpern auf einer gelben Plane liegend die Botschaft "#KEINZAUN" bzw. auf Englisch "#NOFENCE". Zäune seien keine Lösung, sie würden vielmehr Entfremdung provozieren, sagte Kampagnenleiterin Daniela Pichler.

Aus Sicht der Menschenrechtsorganisation sei ein Zaun mit dem Zweck, Flüchtlinge abzuwehren und ihre Asylansuchen zu verhindern, menschenrechtswidrig. Weiters bringe ein Zaun Leid und Elend, wenn er einen Rückstau an der Grenze verursache. "Ein Zaun führt dazu, dass die Rechte von schutzsuchenden Menschen verletzt werden", hieß es weiter in der Aussendung von Amnesty International.
15:17 | ntatschl

Kritik von allen Seiten an Strache

Kritik von allen Seiten setzte es für FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache für seine Aussagen in der ORF-"Pressestunde" zur Flüchtlingspolitik. SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder warf Strache vor, nur Ängste zu schüren und offensichtlich Eskalation zu wollen. Auch ÖVP-Generalsekretär Peter McDonald meinte, Strache betreibe Angstpolitik statt Sachpolitik. Kritik kam auch von Grünen und Team Stronach.

Schieder hielt Strache vor, vom Einzäunen Österreichs fantasiert und die inhumanen Methoden des ungarischen Premiers Viktor Orban gelobt zu haben, der mit Tränengas gegen Flüchtlinge vorgegangen ist. Der FPÖ-Obmann habe aber keinen einzigen durchführbaren Lösungsvorschlag präsentiert. Notwendig wäre nach Ansicht des SPÖ-Klubomannes eine Politik, die einerseits einen menschlichen Umgang mit den Schutzsuchenden gewährleistet, gleichzeitig ein geordnetes System an der Südgrenze garantiert. Für McDonald hat Strache beinahe ausschließlich Emotionen "mit vermeintlich einfachen Lösungen ohne jeglicher Substanz" geschürt.

Die scheinbar leichten Ansagen mögen auf den ersten Blick vielleicht gut klingen, hätten jedoch mit der Realität und vernünftigen Lösungen für aktuelle Herausforderungen nichts zu tun. Notwendig wären stattdessen besonnene und verantwortungsvolle Maßnahmen. "Mit Angst, Hetze und Populismus kommt unser Land sicher nicht weiter", sagte McDonald. "Stimmungsmache gegen schutzbedürftige Kinder und Familien löst kein einziges Problem, weder unserer Gesellschaft, noch der Flüchtlinge", hielt auch die Grüne Menschrechtssprecherin Alev Korun Strache entgegen. Dessen Abschottungs- und Einzäunungsfantasien seien ineffektiv und nutzlos. Zäune und Stacheldraht würden Fluchtbewegungen nur geringfügig umlenken, aber in keiner Weise stoppen.

"Familien auf der Flucht müssen dann längere Wege gehen und stellen erst recht einen Antrag auf Asyl", sagte Korun. Für Team Stronach-Generalsekretär Chrstoph Hagen geht die von Strache angekündigte Strafanzeige gegen die Regierung "übers Ziel hinaus", obwohl die Regierung "auf ganzer Linie versagt". Hagen will stattdessen parlamentarische Mittel ausnützen. Angesichts der Zustände an den Grenzen fordert Hagen eine unverzügliche Teilmobilmachung einzelner Milizverbände. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Gerhard Schmid nahm Strache die Behauptung nicht ab, dass Antisemitismus in der FPÖ keinen Platz habe.

Da der Abgeordnete Christian Höbart nicht zur Ordnung gerufen werde, ist Schmid der Ansicht, dass Rassismus und Hetze zentrale Bestandteile der FPÖ seien.
13:32 | ntatschl

McDonald wirft SPÖ Alleingänge vor

ÖVP-Generalsekretär Peter McDonald hat am Sonntag der SPÖ wiederholte Alleingänge in der Flüchtlingsfrage vorgeworfen. "Entgegen der beschlossenen Regierungslinie, ein Sicherheitskonzept ausarbeiten zu lassen, das dann gemeinsam präsentiert wird, wurde inzwischen das vierte Konzept in einer Woche für die Grenzsicherung bei Spielfeld vom Koalitionspartner an die Medien gespielt", so McDonald.

Dieses Verhalten "schadet nicht nur dem Bild der Regierungsarbeit, sondern auch dem Sicherheitsempfinden der Bevölkerung", erklärte der ÖVP-Generalsekretär in einer Aussendung. McDonald forderte den Koalitionspartner auf, weniger Emotionen zu schüren sondern zur gebotene Sacharbeit zurückzukehren. Er appellierte an Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ), "seine Mannschaft zur Ordnung zu rufen".
12:43 | ntatschl

Nach Fährenstreik weniger Ankünfte in Slowenien

Die Zahl der Flüchtlinge auf der Balkanroute ist nach dem Streik der Fährleute in Griechenland zunächst drastisch gesunken. Am Samstag kamen nur rund 1.700 neue Flüchtlinge nach Slowenien, berichtete die slowenische Nachrichtenagentur STA unter Berufung auf die Polizei am Sonntag. Das ist die geringste Zahl von Ankünften, seit Slowenien Mitte Oktober Transitland auf der Balkanroute geworden ist.

Insgesamt rund 2.070 Menschen hielten sich Sonntag früh in dem kleinen EU-Land auf. Zwei Züge mit je 1.000 Flüchtlingen an Bord waren in der Nacht und in den frühen Morgenstunden aus Kroatien angekommen. Rund 1.050 warteten im Zeltlager in Sentilj beim Grenzübergang Spielfeld auf die Weiterreise, während sich rund 1.020 noch beim Aufnahmezentrum Dobova an der Grenze zu Kroatien befanden.

Seit die Hauptflüchtlingsroute von Schutzsuchenden vor allem aus Syrien, Afghanistan und Pakistan über Slowenien läuft, waren bisher täglich rund 7.000 Menschen gekommen. Der Fährenstreik in Griechenland hatte die Lage auf den Ägäis-Inseln zunächst weiter verschärft. Insgesamt saßen auf den fünf hauptsächlich betroffenen Inseln Schätzungen zufolge mehr als 25.000 Menschen fest, bevor der Fährbetrieb am Freitag wieder aufgenommen wurde.

Auch aus Kroatien rückten neue Flüchtlinge nach. Allein zwischen Mitternacht und Sonntagfrüh (09.00 Uhr) seien 2.300 Menschen gezählt worden, berichtete das Innenministerium in Zagreb. Sie werden aus Serbien mit dem Zug abgeholt und nach Slavonski Brod in Kroatien in das neue Aufnahmelager gebracht. Von dort geht es weiter mit der Eisenbahn ins slowenische Dobova und dann ebenfalls mit der Bahn über Spielfeld oder Bad Radkersburg nach Österreich. (Bild: AP)
12:41 | ntatschl

Bundesheer aktivierte Assistenzeinsatz in Tirol

Das Bundesheer hat am Sonntag einen Assistenzeinsatz für Tirol aktiviert. Nach Angaben des Militärkommandos wurden rund 100 Berufs- und Zeitsoldaten der in Tirol beheimateten 6. Jägerbrigade für den sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatz zur Bewältigung der Flüchtlingskrise in Tirol alarmiert. Am Samstag wurden laut Polizei insgesamt 972 Migranten mit einem Zug und Bussen nach Kufstein verlegt.

In Kufstein waren am Vormittag 115 illegale Migranten, die nach Deutschland weiterreisen wollen, in den Zelten in Kufstein untergebracht. Im Laufe des Sonntag wurden weitere 700 Personen in der Zeltstadt in Kufstein erwartet. Seit den frühen Sonntag Morgenstunden konnten den deutschen Behörden in Kufstein/Kiefersfelden insgesamt 216 Personen geordnet übergeben werden.

Die Soldaten des Bundesheeres für den Assistenzeinsatz im Unterland stammen aus Bludesch (Vorarlberg), Landeck (Tirol), Lienz (Osttirol) und St. Johann (Tirol). Damit erhöht sich die Anzahl der bereits eingesetzten Kräfte des Bundesheeres bundesweit auf rund 1.650. Mit Beginn nächster Woche verlegen die Soldaten von ihren Heimatgarnisonen in das Tiroler Unterland und bereiten sich mit der Polizei auf die Exekutivaufgaben vor. Die Soldaten stammen aus der Kaderpräsenzeinheit des Jägerbataillons 23 sowie Berufs- und Zeitsoldaten des Jägerbataillons 24.

In ganz Österreich bereitete das Bundesheer bisher 312.000 Tagesportionen Verpflegung zu. Im Rahmen der Transportaufgaben legte das Bundesheer mehr als 540.000 Kilometer mit Bussen, Lkw und Kleinfahrzeugen zurück. Für die Unterstützungsleistungen sind knapp 400 Personen eingesetzt. (Bild: APA)
12:15 | ntatschl

430.000 mit Bussen befördert

In Österreich wurden seit Anfang September etwa 430.000 Flüchtlinge mit Bussen befördert. Mehr als 100.000 davon wurden mit Bundesheerbussen transportiert, teilte des Verteidigunsminiserium am Sonntag in einer Aussendung mit.

Mit den rund 20 Großraumbussen des Bundesheeres werden durchschnittlich 1.850 Menschen am Tag zu Unterkünften, Betreuungsstellen und Bahnhöfen befördert. Die Bustransporte werden vom Bundesheer in der ÖBB-Verkehrsleitzentrale koordiniert und gesteuert. Damit sei eine gleichmäßige Auslastung militärischer und ziviler Buskapazitäten möglich, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Zurzeit sind rund 110 Busfahrer des Bundesheeres für den Transport der Flüchtlinge eingesetzt. Sie sind entweder für lange Fahrten wie etwa von Spielfeld nach Innsbruck im Einsatz, oder fahren bis zu zehn kurze Pendelfahrten am Tag, beispielsweise von der Grenze zum Hauptbahnhof nach Graz. Insgesamt verfügt das Bundesheer über 29 Großraumbusse, die knapp ein Viertel der gesamten Buskapazität im Rahmen der Unterstützungsleistung für das Innenministerium stellen. Die zivilen Unternehmen transportieren die Flüchtlinge zurzeit mit etwa 110 Bussen.

Der Einsatz der Heeresbusse erfolgt in einem Schicht- und Wechseldienst. Das heißt, im Zeitraum von 24 Stunden beträgt die maximale Einsatzzeit der Fahrer 16 Stunden mit bis zu zwölf Stunden Lenkzeit. Eine Ruhezeit von acht Stunden muss eingehalten werden. Die "Kronen-Zeitung" berichtet unterdessen von Vorwürfen privater Buslenker, wonach das Innenministerium per Erlass die Ruhezeiten für die Asyl-Chauffeure außer Kraft gesetzt habe. Ein Dienstplan für eine Drei-Tages-Schicht mit einer 18-Stunden-Non-Stop-Fahrt belege das.
11:25 | ntatschl

Erwin Pröll mahnt Führungsrolle des Bundeskanzlers ein

In der Flüchtlingsdebatte kritisiert der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll neuerlich Bundeskanzler Werner Faymann und mahnt die Führungsrolle des Regierungschefs ein. Vizekanzler Reinhold Mitterlehner bezeichnet unterdessen einen langen Grenzzaun als "absolute Notlösung". Und im Innenministerium sollen zur Grenzsicherung in Spielfeld derzeit drei Varianten im Gespräch sein.

Pröll (ÖVP) nennt im "Kurier (Sonntag-Ausgabe) den Auftritt Faymanns (SPÖ) in der "ZiB2" in dieser Woche zur Frage eines Zauns "nicht gerade professionell. In dieser herausfordernden Situation hat der Kapitän auf der Brücke zu stehen, die Hebel in die Hand zu nehmen und sich nicht mit semantischen Tricks um die klare Antwort zu drücken. Die Menschen spüren, dass mit einer derartigen Vorgangsweise die Souveränität des Staates ins Wanken gerät", meint der Landeshauptmann. In so einer Situation "die Diskussion auf Zaun oder nicht Zaun zu reduzieren, ist eines Staates unwürdig".

Auch die aus der SPÖ kommende Kritik an dem Modell von Asyl auf Zeit ist für Pröll ein Hinweis, '"dass es an Führungsautorität mangelt. Bei einem derartig wichtigen Instrument, mit dem man internationale Signale aussendet, erwarte ich mir, dass man wenigstens da den Grundkonsens in der Republik hochhält."

Für Mitterlehner ist die Diskussion um den Zaun "absolut unnotwendig", weil es unbestritten sei, dass es eine Steuerungsmöglichkeit für den Zugang geben müsse. "Einen Grenzzaun auf der gesamten Linie brauchen wir nur dann, wenn Deutschland wirklich damit beginnt, keine Flüchtlinge mehr aufzunehmen. Ich nehme aber derzeit nicht an, dass das der Fall sein wird. Eine isolierte Vorgangsweise Österreichs mit einem 350-Kilometer-Zaun wird es so nicht geben, das ginge nur in Abstimmung mit anderen Ländern und wäre eine absolute Notlösung", sagt der Vizekanzler in der "Presse am Sonntag".

Während die SPÖ einen Drei-Punkte-Plan für sichere Grenzkontrollen mit einer Kommandozentrale in der Grenzregion, einem Leitsystem in Spielfeld und einer Aufteilung des Flüchtlingsstroms auch auf Radkersburg und Mureck vorgelegt hat, sind laut Tageszeitung "Österreich" im Innenministerium noch drei Varianten im Gespräch. Beim ersten Szenario soll es eine massive Absicherung des Grenzüberganges mit einem kilometerlangen Zaun geben. Variante zwei sieht sogenannte Wellenbrecher und einen kürzeren Zaun vor.

Die dritte Möglichkeit kommt den SPÖ-Vorstellungen am nächsten und sieht provisorische technische Sperren vor, die schnell wieder entfernt werden könnten und durch die der Zustrom der Flüchtlinge in Wartezonen geregelt werden könnte. Auf ein konkretes Modell verständigen könnte sich die ÖVP am heutigen Sonntagabend in einer Sitzung des Parteivorstandes und am Montag dann in der Bundesparteileitung. (Bild: APA)
11:23 | ntatschl

Zahl der Neuankömmlinge in Serbien erneut im Steigen

Nach dem Ende des Seeleute-Streiks in Griechenland nimmt die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge in Serbien erneut zu. Am Samstag wurden im südserbischen Presevo nach Angaben des staatlichen Senders RTS rund 4.900 Neuankömmlinge registriert. In den Tagen zuvor waren es im Schnitt nur etwa 1.000 gewesen.

Zwischen Mitternacht und Sonntag 9.00 Uhr früh seien in Presevo bereits 1.300 Flüchtlinge angekommen, berichtete der Sender. In der Kleinstadt an der Grenze zu Mazedonien wurden unterdessen die Unterkunftskapazitäten um weitere 1.000 Plätze erweitert. Zuvor hatte es nur ein paar hundert gegeben.

Im Schnitt halten sich Flüchtlinge derzeit allerdings nur etwa fünf Stunden in Presevo auf, bis sie die Registrierung durch die serbischen Behörden durchlaufen haben. Am Sonntag standen etwa 200 Busse für ihren weiteren Transport nach Sid parat, von wo sie entsprechend einer Vereinbarung serbischer und kroatischer Behörden die Reise nach Slavonski Brod mit Sonderzügen fortsetzen sollten.
10:46 | ntatschl

Sammelstelle in Spielfeld leer

Erstmals seit Beginn der derzeitigen Flüchtlingslage sind die beiden Erstversorgungsstellen in Spielfeld und in Bad Radkersburg leer. Die Migranten wurden in der Nacht mit Bussen zu ihren Notquartieren in Österreich verbracht, wie die Polizei Sonntagfrüh mitteilte.

Die beiden Erstversorgungsstellen werden demnach nun einer Grundreinigung unterzogen. Für Sonntag wurde ein Sonderzug mit einer nicht bekannten Zahl an Migranten in Sentilj beim Grenzübergang Spielfeld erwartet, aus Gornja Radgona (Grenzübergang Bad Radkersburg) lagen keine Informationen vor.

In den nächsten Tagen könnte es wieder zu einem Anstieg der Flüchtlingszahlen kommen, da der Streik der Fährarbeiter in Griechenland in der Zwischenzeit beendet wurde und wieder eine Anbindung zu den griechischen Inseln besteht. (Bild: AP)
10:44 | ntatschl

EU-Ratspräsident fordert von Deutschland mehr Einsatz an EU-Grenzen

EU-Ratspräsident Donald Tusk hat in der Flüchtlingskrise von Deutschland mehr Engagement beim Schutz der EU-Außengrenzen gefordert. Berlin müsse noch mehr tun, um die gegenwärtige Lage zu bewältigen: "Führungsverantwortung heißt auch, zusammen mit den anderen Mitgliedstaaten die europäische Außengrenze zu sichern", sagte Tusk der "Welt am Sonntag".

"Ich verstehe, wenn Deutschland aus historischen Gründen Schwierigkeiten damit hat, ein strenges Regime an seinen Grenzen zu errichten", sagte der frühere polnische Ministerpräsident. "Aber europäische Führungsverantwortung heißt für Deutschland auch, die Außengrenzen Europas notfalls energisch in einer paneuropäischen Einheit zu kontrollieren." Gleichzeitig lobte Tusk aber auch Deutschlands Führungsrolle, die er als "die liberalste und toleranteste in der europäischen Geschichte" bezeichnete.

Tusk ist an diesem Sonntagabend in Berlin zu einem Gespräch mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel verabredet. Die osteuropäischen EU-Staaten, darunter Tusks Heimat Polen, haben Deutschland wiederholt aufgerufen, sich nicht nur auf die Aufnahme von Flüchtlingen zu konzentrieren sondern vor allem auf die Begrenzung des Zustroms an den Außengrenzen.
10:36 | ntatschl

Kleinkind vor Lesbos geborgen - 429 Flüchtlinge gerettet

Vor der griechischen Insel Lesbos ist am Samstag ein ertrunkenes Kleinkind aus der Ägäis geborgen worden. Bei insgesamt sieben Rettungsaktionen wurden in dem Seegebiet zwischen Lesbos und Chios 429 Flüchtlinge gerettet, teilte die griechische Küstenwache mit. Eines der Boote sei "in einer schwierigen Lage" gewesen, zwei weitere steuerlos im Meer getrieben.

Der zwei bis drei Jahre alte ertrunkene Junge trug eine orangene Rettungsweste über seiner Kleidung, sagte eine Sprecherin der Küstenwache. Gutes Wetter und ein ruhiges Meer hatten am Samstag eigentlich der Hoffnung Auftrieb gegeben, erstmals seit dem 27. Oktober keine ertrunkenen Flüchtlinge aus der Ägäis bergen zu müssen. Von den am Samstag geretteten Flüchtlingen habe niemand ein Kind vermisst gemeldet, sagte die Sprecherin. Bis zu seiner Identifizierung könne nichts ausgeschlossen werden. Das ließ auch die Möglichkeit offen, der Junge könnte vor Samstag ertrunken sein.

Tausende versuchen seit Wochen und Monaten, oft nur in Schlauchbooten die relativ kurze Strecke von der türkischen Westküste bis zu den davor gelagerten griechischen Ägäisinseln zurückzulegen. Bei starkem Wind ist das Meer dort aber sehr gefährlich, da damit oft hohe Wellen verbunden sind. (Bild: APA/AFP)

(Red./APA)

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