Flüchtlingsdrama auf A4: U-Haft für vier verdächtige Schlepper

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71 tote Flüchtlinge wurden in dem LKW gefunden.
71 tote Flüchtlinge wurden in dem LKW gefunden. - © APA
Das Gericht in der ungarischen Stadt Kecskemet hat am Samstag unter der Leitung des Richters Ferenc Bicskei Untersuchungshaft über die verdächtigen Schlepper – drei Bulgaren und einen Afghanen – verhängt.

Die Männer waren nach der Entdeckung der 71 toten Flüchtlinge – darunter vier Kinder – im Bezirk Neusiedl am See am Freitag im Nachbarland Ungarn gefasst worden. Eine Großfahndung brachte die Polizei auf die Spur der Täter. Der Besitzer des Kühltransporters soll nicht unter den festgenommenen Männern sein. Das erklärte Bicskei, Gerichtspräsident des Kreisgerichts der südungarischen Stadt Kecskemet, bei einer Pressekonferenz.

Besitzer des LKWs nicht unter den Verhafteten

Bicskei widersprach der Darstellung des burgenländischen Landespolizeidirektors Hans Peter Doskozil, wonach auch der Halter des Todes-Lkws unter den Verhafteten sei. Die vier Verdächtigen hätten über den Lkw verfügt und ihn benutzt, aber keiner von ihnen sei der Halter gewesen, sagte Bicskei. Nähere Angaben wollte er unter Berufung auf die laufenden Ermittlungen nicht machen. Doskozil bekräftigte gegenüber der APA jedoch, dass der Zulassungsbesitzer unter den Verdächtigen sei. “Unser derzeitiger Wissensstand ist, dass es sich bei dem bulgarischen Staatsbürger mit libanesischer Herkunft um den Zulassungsbesitzer handeln soll”, sagte der Landespolizeidirektor am Samstagabend der APA.

Das Kreisgericht von Kecskemet verhängte Samstagnachmittag die U-Haft gegen die drei Bulgaren im Alter von 29, 30 und 50 Jahren sowie den Afghanen im Alter von 28 Jahren, erklärte Bicskei. Die vier Männer waren schon am Donnerstag nahe der ungarischen Grenze zu Serbien festgenommen worden. “Sie befinden sich seit 27. August um 18.45 Uhr in Polizeigewahrsam”, sagte Bicskei.

Das Gericht kam damit der Forderung der Staatsanwaltschaft nach. Diese hatte auf die “außergewöhnliche Schwere des Verbrechens” verwiesen, dem die Flüchtlinge zum Opfer gefallen seien, und hatte den Männern “geschäftsmäßig” organisierten Menschenhandel und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Die Untersuchungshaft war wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr und möglicher Zeugenbeeinflussung beantragt worden.

“Breites Grinsen” von verdächtigem Flüchtlings-Schlepper

Die Männer wurden am Samstag unter hohen Sicherheitsvorkehrungen ins Gericht von Kecskemet, etwa 90 Kilometer südlich von Budapest, gebracht. Die Verdächtigen wurden in vier Polizeiwagen zum Gericht transportiert. Sie trugen Handschellen und wurden von den Polizeibeamten an langen Ledergurten in das Gebäude geführt. Einer der vier Verdächtigen begrüßte die anwesenden Journalisten mit einem “breiten Grinsen”, berichtete die Online-Ausgabe der ungarischen Zeitung “Magyar Nemzet”.

Für die weiteren Ermittlungen ist vor allem der Todeszeitpunkt der 71 Flüchtlinge – 59 Männer, acht Frauen und vier Kinder – von Bedeutung. Die Leichen werden seit Freitag von der Gerichtsmedizin in Wien untersucht. “Bisher sind 16 Personen obduziert worden”, sagte Doskozil der APA.

Asyl-Krise: Wer ist für Tote zuständig?

Sollte sich herausstellen, dass die Flüchtlinge schon tot waren, als der Lkw nach Österreich einfuhr, wären in erster Linie die ungarischen Strafverfolgungsbehörden zuständig. Formal ermittelt die Anklagebehörde in Eisenstadt derzeit wegen Schlepperei, vorsätzlicher Gemeingefährdung mit Todesfolge und Mordverdachts, sagte Verena Strnad, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Eisenstadt.

In Kecskemet sei der Laster am Mittwoch gestartet. Die Schlepper hätten die Flüchtlinge nahe Ungarns Grenze zu Serbien aufgenommen und sie dann durch Ungarn nach Österreich gefahren, sagte Gabor Schmidt, Sprecher der Staatsanwaltschaft des Komitats Bacs-Kiskun.

Der Kühllastwagen mit ungarischem Kennzeichen und dem Logo eines slowakischen Geflügelhändlers war am Donnerstag in einer Pannenbucht an der A4 entdeckt worden. Auf nicht mal 15 Quadratmetern bargen die Ermittler in der Nacht auf Freitag 71 Leichen. Die Behörden gehen davon aus, dass es sich um Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien handelt.

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