Finale am Rock in Vienna: Glamrockparty mit Kiss zum Abschluss

Von Amina Beganovic
Gene Simmons, Paul Stanley and Tommy Thayer heizten dem Rock in Vienna zum Abschluss ein.
Gene Simmons, Paul Stanley and Tommy Thayer heizten dem Rock in Vienna zum Abschluss ein. - © EPA/Sujet
Wiens erstes Rockfestival ist am Samstag mit einem lautstarken Finale zu Ende gegangen. Mit Temperaturen über der 30-Grad-Marke und Acts aus dem Powermetal-, Nu-Metal- oder Glamrock-Genre wurden die Fans auf der Donauinsel verabschiedet. Die Veranstalter versprechen eine zweite Ausgabe des Festivals im nächsten Jahr.

Die sommerliche Hitze am Samstag hat nochmal die Kraftreserven der Rock in Vienna-Besucher gefordert.

Natürlich waren alle froh über den strahlend blauen Himmel und die Abstinenz jeglicher Wolken – aber bei den raren Schattenplätze bei den Bierzielten und Imbiss-Ständen lagen die Leute fast übereinander, um mal kurz der Sonne zu entkommen.

Viel Metal am letzten Rock in Vienna-Tag

Vor der Bühne wurde es indes laut, und zwar ordentlich. Denn der Samstag war eindeutig wieder dem härteren Musikgenre gewidmet. Am frühen Nachmittag (der auch wie an den Tagen zuvor noch relativ überschaubar besucht war), wärmten Boon, The Dead Daisies, Schirenc, Hell Yeah, Opeth und Coal Chamber die Menge auf, etwas später sah man dann Heaven Shall Burn (bei denen kurzzeitig der Strom eine Pause einlegte …) und Baby Metal auf der Bühne – die japanische Girlie-Rockgroup bildeten auch die ungewöhnlichsten Ausreißer des Tages.

Genregerecht ging es auch in den Abendstunden weiter. Besonders sportlich zeigte sich Joel O’Keeffe, Leadsänger der australischen Hard-Rock-Band Airbourne, der trotz der hohen Temperaturen vor dem Wavebreaker mehrere Runden im Laufschritt absolvierte, um mit den Zusehern möglichst viele High-Fives auszutauschen (die Securities, die hinterherjoggen mussten, konntem einem dabei fast leid tun).

airbourne

(Bilder: APA)

Etwas ruhiger zeigte sich hingegen Fred Durst von der US-Nu Metall-Kultband Limp Bizkit. Gewohnt mit roter Kappe, aber mit vollem Rauschebart und teilweise fast schon zu nachdenklich absolvierten er und seine Mannen die Show – die zur Freude der Fans besonders viele alte Hits aus ihrem dritten und erfolgreichsten Album “Chocolate Starfish and the Hot Dog Flavored Water” beinhaltete: Moshpits bei “My Generation” und “My Way”, Scheibenwischer-Arme bei “Rollin'” und kollektives Aufgehüpfe bei “Take A Look Around”, wie es sich für ein Limp Bizkit-Konzert auch gehört. Dazu gab es zum allgemeinen Gaudium auch Coverversionen von Nine Inch Nails (“Closer”) bis hin zu George Michaels “Faith”, in der Mitgröhl-Variante.

Da störte es auch wenig, dass Frontmann Fred Durst immer wieder spirituelle Fragen in Richtung Publikum stellte: “Can you feel it? – Yeah, I feel it …”. Dass der Nu-Metal noch nicht passé ist und Limp Bizkit es noch immer können, wenn sie wollen, zeigte die Show allemal.

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Viel Pyrotechnik und Orchesterklänge bei Sabaton

Die meisten Personen auf der Bühne waren klar bei der schwedischen Powermetal-Band Sabaton, die ein Prager Orchester als musikalische Unterstützung mitbrachten.

Dazu gab es viel Pyrotechnik und einen mächtig gut gelaunten Joakim Brodén, der seinen sichtlichen Spaß mit dem Publikum hatte. “Normalerweise rufen die Leute bei unseren Konzerten: Sa-ba-ton, Sa-ba-ton!” … was brüllen die “verrückten Österreicher”? “Noch-ein-Bier, noch-ein-Bier!” Der Aufforderung kam der sympathische Schwede mit der rollenden Stimme aber gerne mehrmals nach.

sabaton

“Rock and Roll All Nite” mit Kiss

Das Finale Grande des Festivals bildete die kultige Glamrock-Formation Kiss. Mit im Gepäck hatten sie natürlich viel Feuer, Kracher, Laser-Show und ein Papierschlangenregen.

Gene Simmons, authentisch für seine “Demon”-Figur, lieferte seine altbekannte Blutspuck- und Flug-Show ab, zu der er seinen verzerrten Bass über den Köpfen der Fans dröhnen ließ – was aus so luftiger Höhe doch sehr beachtlich ist, wenn man bedenkt, dass der Musiker bereits seinen 66. Geburtstag hinter sich hat. Auch Lead-Gitarrist Tommy Thayer sorgte mit schießenden Funken aus seiner Gitarre für Effekte, Drummer Eric Singer hob ebenfalls mitsamt Schlagzeug ab und Sänger Paul Stanley, dessen Stimme an dem Abend doch den einen oder anderen Einbruch hörbar machte, hatte am Schluss eine zertrümmerte Gitarre mehr auf dem Gewissen.

Die Fans bekamen in den knapp 90 Minuten Hits wie “Detroit Rock City”, “Lick It Up”, “I Was Made For Lovin’ You” und schließlich “Rock and Roll All Nite” als letzte Zugabe zu hören – und wurden zufrieden und erschöpft von der Insel geschickt.

Zweites Festival im nächsten Jahr auf der Donauinsel

Die Veranstalter zeigen sich auch mit den 25.000 Besuchern am dritten Tag zufrieden, das Rock in Vienna wird 2016 wieder auf der Donauinsel gastieren. Das kündigte ein sehr zufriedener Detlef Kornett vom Veranstalter DEAG (Deutsche Entertainment AG) im Interview mit der Austria Presse Agentur an. “Ich glaube, dass wir eine sehr erfolgreiche Festivaleinführung hingelegt haben”, meinte er. Und an diese wolle man anknüpfen. Denn: Man habe zu 100 Prozent geliefert: “Alle Acts waren da, die Leute sind gut rein und raus gekommen und hatten dazwischen eine richtig gute Zeit”, erklärte er.

Natürlich gibt es auch Verbesserungspotenzial: Eine bessere Beschilderung am Hinweg und mehr Schattenplätze bei so heißen Festivaltagen wären sehr wünschenswert, auch die Getränkepreise sollten – gerade in Anbetracht der Hitze – nicht so viel Schweiß auf die Stirn treiben.

Dafür ging das Konzept mit der Donauinsel als Standort sowie der beiden Bühnen nebeneinander voll auf – und machten das erste Rock in Vienna zu einem schönen Festival-Erlebnis, sogar für all jene, die Festivals sonst eher meiden.

Mehr zum Rock in Vienna.

 

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