Ex-Freundin mit Messer attackiert: Prozess um Mordversuch in Wien 15

Wegen einer Messer-Attacke auf seine Ex-Freundin stand ein Mann vor Gericht
Wegen einer Messer-Attacke auf seine Ex-Freundin stand ein Mann vor Gericht - © APA (Sujet)
Verteidigerin Christine Lanschützer hat am Montag einem Schwurgericht im Wiener Grauen Haus erklärt: “Er wollte ihr wirklich wehtun.” Umbringen habe ihr Mandant – ein 32-jähriger Arbeiter – seine Ex-Freundin in der Nacht auf den 15. April 2015 aber nicht wollen.

“Wenn er sie töten will, hindert ihn ein weinendes Kind nicht daran. Er wird so lange zustechen, bis der Tod eintritt”, so Lanschützer.

Vierjährige sah Bluttat in Rudolfsheim-Fünfhaus mit an

Staatsanwalt Andreas Mugler zeigte sich demgegenüber überzeugt, dass die 29-jährige Frau ihr Überleben ihrer vierjährigen Tochter verdankt. Die Kleine war mitten in der Nacht in der Wohnung in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus aufgewacht, weil sie im Wohnzimmer einmal mehr einen Streit zwischen ihrer Mutter und ihrem Stiefvater mitbekam. Als das Mädchen nachschauen ging, holte der Mann laut Anklage gerade ein zweites Mal mit einem Fleischermesser aus, nachdem er bereits einmal zugestochen hatte. Der entsetzte Aufschrei und das beginnende Weinen der Vierjährigen hätten den Täter kurz abgelenkt, so dass es der Frau gelang, aus der Wohnung zu fliehen, erläuterte der Staatsanwalt.

Beziehung von Gewalt geprägt

Angeklagter und Opfer waren seit 2010 ein Paar, wobei der Ankläger von einer “Gewaltbeziehung” sprach. Immer wieder habe der Mann die Frau geschlagen. Als sie Anfang 2015 Schluss machte und ins Frauenhaus zog, soll der 32-Jährige ihr telefonisch mit dem “Kopfabschneiden” gedroht haben, “wenn ich dich finde”. Selbst einer Sozialarbeiterin gegenüber wiederholte er die Morddrohungen gegen seine Ex-Freundin.

Ex-Freundin mit Fleischermesser attackiert

Dass die Frau mit dem gemeinsamen dreijährigen Sohn und ihrer Tochter am 14. April dem Mann einen Besuch abstattete, nannte der Staatsanwalt “nicht unbedingt die beste Idee”. Nachdem sich zwei zur Sicherheit mitgekommene Begleiter entfernt und die Kinder schlafen gelegt hatten, entbrannte einmal mehr ein Streit. Plötzlich habe der Mann, nachdem es zuvor schon Schläge und Tritt gehagelt hatte, zu einem Fleischermesser gegriffen, um dies der Frau mit voller Wucht und in Tötungsabsicht in den Bauch zu stoßen, so der Anklagevertreter. Ihr sei es gelungen, sich geistesgegenwärtig wegzudrehen und nach dem Messer zu greifen, so dass die Klinge nur ihre Hand durchstieß. Das Auftreten der Tochter habe der 29-Jährigen dann die Flucht ermöglicht.

Streit um Sorgerecht eskalierte

Der Angeklagte versicherte demgegenüber, er habe der Frau mit Absicht und gezielt in die Hand gestochen. Von einem Stoß Richtung Bauch könne keine Rede sein. Zum Motiv meinte er, er habe nicht verstanden, weshalb sie sich zu später Stunde mit ihm über die Kinder unterhalten wollte: “Es entspricht keiner Logik, das man nach zwölf Uhr in der Nacht um das Sorgenrecht spricht.” Er wisse “bis heute nicht, weshalb es zur Trennung gekommen ist”. Er habe die Frau nämlich nie geschlagen und misshandelt. Das habe sie nur behauptet, um im Frauenhaus unterzukommen.

(apa/red)

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