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Donaufestival mit James Blake, Wild Beasts und Owen Pallett gestartet

Owen Pallett war der zweite Höhepunkt des ersten Abends des Donaufestivals. Owen Pallett war der zweite Höhepunkt des ersten Abends des Donaufestivals. - © schultephotography
Beim Donaufestival wurde gleich am ersten Tag mit dem Österreichdebüt von Dubstep-Star James Blake für einen ersten Höhepunkt gesorgt.

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Alle kamen sie nur wegen ihm: Seit geraumer Zeit war der Eröffnungstag des diesjährigen Donaufestivals in Krems ausverkauft, genauer gesagt jene Tickets, die den Auftritt des britischen Newcomers James Blake im Klangraum der ehemaligen Minoritenkirche inkludierten. Viel wurde geschrieben über diesen gerade mal Anfang 20-Jährigen, der mit vier EPs und einem Album scheinbar Dubstep, Elektronik, Soul und Pop verändert hat. Und den Vorschusslorbeeren konnte er auch live gerecht werden.

Dabei war es nicht leicht, die Erwartungen zu erfüllen, noch dazu als erster Musikact des Donaufestivals und zu recht früher Stunde. Aber eine komplett abgedunkelte Minoritenkirche tat zumindest atmosphärisch das ihrige, um dem charmanten Briten, der geradezu klischeemäßig zwischen den Songs an einer Teetasse nippte, ein entsprechendes Feld zu bereiten. Begleitet von einem Schlagzeuger und einem Gitarristen entfaltete James Blake seine Entwürfe zeitgemäßer Popmusik, blieb dabei meist sehr reduziert und nah an den Albumversionen und überzeugte durchwegs mit einer großartigen Gesangsperformance.

Meditation beim Donaufestival

So gab es bei “I Never Learnt To Share” mantraartig immer wieder die gleiche Zeile, mehrfach aufgenommen und übereinandergeschichtet: Meditative Übungen für Messgänger der Kirche zum Heiligen James. Auch die weiteren Nummern seines selbstbetitelten, Anfang des Jahres erschienen Debüts glänzten im Rahmen des Donaufestivals mit filigranen Melodieführungen, teils treibender Rhythmik und geradezu allgegenwärtigem Understatement. Ganz besonders aber die sehr spät im Set platzierten Singles “The Wilhelm Scream” und “Limit To Your Love”, ein Cover der kanadischen Musikerin Feist.

Als Zugabe kam mit “A Case Of You” ein Joni Mitchell-Song nur in Klavierbegleitung zu seinen Ehren, Begeisterungsstürme im Publikum waren die Folge. James Blake gab sich zwar wortkarg, aber stets mit einem höflichen “Thank You” auf den Lippen. Ein insgesamt kurzes Vergnügen zwischen Wohlklang und rhythmischen Akzenten beim Donaufestival, der zufriedenstellte und Hype-Skeptiker verstummen ließ. Eine große Überraschung war leider nicht dabei.

Zahme Wild Beasts beim Donaufestival

Die gab es wenig später zwar ebenso wenig beim Auftritt von Ben Frost in der Messehalle, was der gebürtige Australier mit Wohnsitz in Island aber mit der Unterstützung von zwei Mitmusikern entfachte, war mehr als ein klangliches Feuerwerk. Er gab sein aktuelles Album “By The Throat” (2009) zum Besten, ein Alptraum zwischen düsteren Drone-Wänden, brutzelnden Elektro-Attacken und verdammt viel Dissonanz. Passend dazu eine Lichtshow, die durch immense Geschwindigkeit und Wechsel Schwindelgefühle evoziert. Dazwischen immer wieder Melodieansätze, Bruchstücke eines Grooves sowie Metal- und Industrial-Anleihen. Ein vor allem körperlich beeindruckendes Erlebnis, angesichts der schwindenden Donaufestival-Zuschauer aber nicht jedermanns Sache.

Kontrastprogramm gleich danach: WU LYF, kurz für World Unite – Lucifer Youth Foundation, sorgen für Harmonie und tanzbare Rhythmen. Als Band verweigern sie sich gängigen Marktstrategien, ein sympathischer Ansatz, der über die Unzulänglichkeiten des Live-Gewandes ihres geradlinigen Indie-Rocks allerdings nicht hinwegtäuscht. Da hilft auch ein Oben-ohne-Ständchen des Bassisten nichts. Was stimmlich in popmusikalischen Gefilden gemacht werden kann, zeigten hingegen beim Donaufestival die etwas zahmen Wild Beasts aus England, die nächste Woche ihr drittes Album “Smother” veröffentlichen. Teils melancholischer, teils wunderschöner Indie-Pop mit einer Note New Wave und einem tollen Doppel: Hayden Thorpe gibt gesanglich den filigranen Part mit viel Falsettanteil, während Tom Fleming den voluminösen Gegenspieler mimt.

Owen Pallett: Zweiter Höhepunkt des Donaufestivals

Durfte man bei den britischen Biestern noch zu Hits wie “Hooting & Howling” tanzen und mitsingen sowie neue Stücke des kommenden Albums vernehmen, gab es beim Donaufestival-Auftritt des Femous Orchestra vor allem avantgardistische Marschmusik, südländische Folklore, orientalische Klänge und viel Aktionismus. 15 Musikerinnen ließen eine enorme stilistische Bandbreite auf das immer kleiner werdende Publikum los, spielten mit Kakophonie ebenso wie harmonischen Sequenzen. Muss man nicht mögen, interessant anzusehen und -hören war es allemal.

Und schlussendlich kam mit knapp einer Stunde Verspätung – im Programm wurde eine Fluxus-Lecture des amerikanischen Künstlers Ben Patterson eingeschoben, inklusive Aufführung von John Cages “4’33”” – Owen Pallett auf die Bühne. Bis vor kurzem war er noch unter dem Namen Final Fantasy unterwegs, hat er drei Alben veröffentlicht und Streicher-Arrangements für Indie-Größen wie Arcade Fire verfasst. Der Kanadier sorgte nach James Blake für den zweiten großen Höhepunkt des ersten Tages des Donaufestivals, spielte zu Beginn alleine, dann unterstützt von einem Streichquartett seine wunderschönen, ebenso zarten wie kraftvollen Songs zwischen Pop und Klassik. Hits wie “This Is The Dream Of Win & Regine” oder “Lews Takes Action” durften natürlich nicht fehlen. Ein insgesamt sehr abwechslungsreicher und intensiver Eröffnungstag, der Lust auf mehr macht. Immerhin stehen noch Auftritte von John Cale, Laurie Anderson und Death From Above 1979 an.



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