Diskussion um Wahl-Umfragen: Keine weiteren Publikationen vor Stichwahl

Einige Medien verzichten vor der Stichwahl auf die Publikation von Umfragen.
Einige Medien verzichten vor der Stichwahl auf die Publikation von Umfragen. - © APA (Sujet)
Da die Umfragen zum Wahlergebnis der ersten Runde der BP-Wahl deutlich vom tatsächlichen Ergebnis abwichen, wollen einige Medien nun vor der Stichwahl keine weiteren Umfragen veröffentlichen.

Die zum Teil großen Abweichungen der Meinungsforschung zur Bundespräsidentenwahl haben wieder eine Diskussion über die Seriosität der Daten entfacht. Vorstellbar ist nun, dass Umfragen nur mit einem “Beipackzettel” veröffentlicht werden.

Der “Standard” wird vor der Stichwahl am 22. Mai keine Umfrage mehr veröffentlichen, dies geschehe in Absprache mit anderen Medien, hieß es in dem Blatt zuletzt. Werner Beutelmeyer, Chef des Meinungsforschungsinstituts Market, das auch für den “Standard” arbeitet, nannte hierfür praktische Gründe: “Das Ergebnis lässt sich nicht vorhersagen, die Rohdaten geben das nicht her.”

Christoph Hofinger von Sora schränkte jedoch im gleichen Bericht ein: “Wir können nichts dafür, wenn die Beipacktexte – also die Schwankungsbreite – ignoriert werden.”

Diskussion über Umfragen-Veröffentlichung

Die Branche begrüßt eine Diskussion über Veröffentlichungsrichtlinien, erklärte Robert Sobotka, Vorsitzender des Verbands der Marktforscher Österreichs (VMÖ). Er spricht sich für eine “Studienbeschreibung” aus, die etwa über die Stichprobengröße, die Schwankungsbreite und den Zeitpunkt der Befragung informiert.

Die Institute liefern diese Daten eigentlich mit den Umfrageergebnissen, die Marktforscher sehen daher die Medien und Journalisten gefordert, diese auch zu kommunizieren: “Die Studienbeschreibung wäre uns ein wirkliches Anliegen.” Er verwies weiters auf eine Veranstaltung des VMÖ vor ein paar Tagen, wo eben darüber auch diskutiert wurde.

Klar abgelehnt hingegen wird ein Veröffentlichungsverbot vor Wahlen. “Das spricht gegen die freie Meinungsäußerung”, so der Verbandschef.

Kein Umfragen-Verbot vor Wahlen angedacht

Spectra-Geschäftsführer Peter Bruckmüller ist auch Vorsitzender des Verbands der Marktforschungsinstitute (ein Zweig des VMÖ) und erklärte am Montag: “Es sollen durchaus gewisse Richtlinien erarbeitet werden, als Selbstkontrolle der Marktforschungsinstitute.” Gefordert sei etwa eine Studiendokumentation mit Information darüber wie die Daten erhoben wurden, was daraus abgelesen werden kann und was nicht. Auch Bruckmüller sieht die Medien gefordert: “Es liegt an den Medien, dass das tatsächlich mitveröffentlicht wird.”

Seiner Meinung nach könnte die Branche mittelfristig auch über ein Veröffentlichungsverbot für einen gewissen Zeitraum vor der Wahl diskutieren. Spectra wird vor der Stichwahl jedenfalls keine Umfrage durchführen, denn es sei “fragwürdig, was man erheben kann”. Bruckmüller erklärte, dass die Bekenntnisbereitschaft im Gegensatz etwa zu Nationalrats- oder Landtagswahlen bei dieser Wahl nicht einzuschätzen sei.

Kronen Zeitung und Österreich werden Umfragen publizieren

Weiter Umfragen publizieren wird hingegen die Tageszeitung “Österreich”. Herausgeber Wolfgang Fellner begründete dies gegenüber “Ö1” am Wochenende mit dem “tausendfachen Leserwunsch”. Laut “Ö1” will auch die “Kronen Zeitung” weiterhin Wahl-Umfragen veröffentlichen – vorausgesetzt, es handle sich um eine relevante Erhebung.

Maximal eine kleine Meldung über Umfragen oder in kritischen Analysen dazu will die “Presse” berichten. Chefredakteur Rainer Nowak begründete dies im ORF-Radio mit falschen Prognosen, auch hätten die meisten Umfragen zu kleine Samples. Keine Umfrage will die Tageszeitung “Heute” vor der Stichwahl mehr in Auftrag geben, so Chefredakteur Christian Nusser in einem Kommentar. Bis die Institute treffgenauere Zahlen liefern können, publiziere “Heute” daher keine Umfragen, verwies Nusser auf eine “Cool-down-Phase”.

Ob es bei OGM eine neue Umfrage zur Präsidentschaftswahl gibt, ist noch offen: “Warum nicht?”, meinte OGM-Chef Wolfgang Bachmayer zur APA: “Jedes Medium und Institut soll für sich entscheiden.” Bei IMAS ließ man dies ebenfalls noch offen. Prokurist Paul Eiselsberg verwies auf die aktuelle Diskussion über gewisse Qualitätskriterien wie die Angabe der Sampelgröße oder der Methodik.

(APA/Red)

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