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Des Kaisers Stolz in Ostafrika

Linienschiff MV Liemba auf dem Tanganjikasees Linienschiff MV Liemba auf dem Tanganjikasees - © VN-R.F.Karl
Noch immer dampft die kaiserliche Graf Goetzen als Linienschiff MV Liemba durch die aquatische Wildnis des Tanganjikasees.

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Es ist das Jahr 1913, als sich die Papenburger Werftarbeiter und Ingenieure Rudolf Tellmann, Hermann Wendt und Anton Rüter samt ihres in 5000 Holzkisten verpackten Dampfers Graf Goetzen auf den Weg ins dunkelste Herz Ostafrikas machten. Es ging erst per Frachter nach Dar-es-Salaam und von dort mit der frischgebauten Kolonialeisenbahn ins Landesinnere, bis an die Ufer des Tanganjikasees.

Eine opulente Filmbühne

Gewaltige 945.087 Quadratkilometer machen Tansania zu einer opulenten Filmbühne – mit Seen, Bergen und Savannen, tropischen Küsten und Inseln sowie ozeanischen Traumstränden, weshalb die Heimat der Serengeti zu den aufregendsten Naturparadiesen des Kontinents zählt. Gleich neben der Runway des International Airport türmt sich der Fast-Sechstausender auf.

Beim Anflug auf Lake Manyara färbt sich die Wasserfläche pink: Tausende Flamingos dümpeln im gleißenden Sonnenlicht. Mit seinen Überflutungsflächen produziert das sehr kleine, aber spezielle Schutzgebiet Katavi eine Art Okavango-Delta, was die Wildtierbeobachtung während der Trockenzeit zu einem herausragenden Erlebnis macht: Tausende Flusspferde, Büffel, Elefanten und Krokodile drängen dann an noch verbliebene Wasserstellen und sind an der Tränke aus nächster Nähe in großen Stückzahlen zu beobachten.

Wir verbringen die Nacht im Chada Katavi Camp, das schon seit über zwanzig Jahren an diesem vergessenen Ende der Welt existiert. Am nächsten Morgen überfliegt unsere Cessna bizarre Landschaften, tiefe Canyons, gewaltige Bergketten, vegetationswuchernde Talkessel und dann nichts als Blau und schönste aquatische Aussichten: „Lake Tanganjika“, schnarrt unser französischer Pilot Jean Pierre ins Mikro.

Der Lake Tanganjika

Die Passagiere wechseln auf eine hölzerne Dhau – und nach anderthalb Stunden präsentiert sich beim Einlaufen in die malerische Bucht des Greystoke Mahale Camps optisch die Südsee. Drohend steht der wuchernde Regenwald im Kontrast zu weißschimmernden Sandstränden und dem Grünblau des mit 700 Kilometer längsten und mit 1470 Meter zweittiefsten Sees der Welt. Er ist über 60-mal so groß wie der Bodensee.
An diesem Ende der Welt also fand sie statt, die Geschichte des kaiserlichen Dampfers „Graf Goetzen“, die Alex Capus in seinem Bestseller „Eine Frage der Zeit“ zu einem faszinierenden Romanstoff verdichtet hat: Im kaiserlichen Auftrag wurde auf der norddeutschen Meyer-Werft ein Dampfschiff gebaut, demontiert und, in Kisten verpackt, im Jahr 1913 ins damalige Deutsch-Ostafrika verschickt. Drei Papenburger Ingenieure setzten den Dampfer am Tanganjikasee wieder zusammen. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde das Passagierschiff zum Kriegsschiff umfunktioniert. Von den Belgiern bombardiert, von den Deutschen versenkt und von den Engländern wieder gehoben, befährt das Jahrhundertwende-Schiff heute als Liniendampfer „MV Liemba“ noch immer die aquatische Wildnis des unermesslich riesigen Sees.

Zwei Tage auf der MV Liemba

Am folgenden Morgen dampft sie vorbei, die „MV Liemba“, alias Graf Goetzen, auf ihrer Fahrt von Kigoma im Norden Tansanias ins sambische Mpulungu, am südlichen Tanganjikasee. Zwei Tage und zwei Nächte ist das ehemals kaiserliche Schiff dazu unterwegs. Wer genug Abenteuerlust mitbringt, kann als Passagier seine sichere Kabine buchen und mitfahren.
Um eine der kuriosesten Schiffstouren zu erleben, die Afrika anbieten kann: Hunderten Passagieren, fliegenden Händlern, Schmugglern und Kriegsflüchtlingen aus dem Kongo, aus Burundi und Ruanda dient der ehemals deutsche Dampfer heute als einziges Transportmittel zwischen den Ufern des riesigen Sees. Am letzten Tag verlassen wir die bezaubernde Seebühne mit bleischweren Seelen, die Crew des Greystoke-Mahale-Camps steht winkend am Strand ihrer wildromantischen Robinson-Bucht. Hier dampft sie des Nachts vorbei, die „MV Liemba“. Ein Traumbild bei Tageslicht, nur dann lässt sie sich vor der Mahale-Halbinsel blicken, wenn sie Verspätung hat. Was nicht selten der Fall ist.

 

REISEINFOS

» Anreise: Condor fliegt dienstags ab Frankfurt nonstop direkt nach Arusha/Kilimanjaro Airport (www.condor.com) und über Sansibar zurück.
» Unterkunft: Hatari Lodge (www.hatarilodge.com), Serengeti und Katavi (www.nomad-tanzania.com), Tanganjikasee Mahale Mountains Nationalpark (www.greystoke-mahale.com).
» Schifffahrt: Auf dem Tanganjikasee an Bord der MV Liemba abgelegene Küstendörfer entdecken – Informationen über eine Fahrt im Internet unter www.mscltz.com.
» Gesundheit: Infos zur Malariaprophylaxe oder Stand-by-Medizin im Internet unter www.crm.de sowie www.fit-for-travel.de.
» Individuelle Reiseplanung: zum Beispiel bei Abendsonne Afrika (www.abendsonneafrika.de).
» Allgemeine Informationen: Tanzania Tourist Board (www.tanzaniatouristboard.com).

 

VN – R.F.Karl



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