Der Freitag am Rock in Vienna 2016: Feurige Rammstein-Show und Pannen

Von Amina Beganovic
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Rammstein rockten den Feitag am Rock in Vienna 2016.
Rammstein rockten den Feitag am Rock in Vienna 2016. - © VIENNA.at/Bernhard Jank
Einen durchaus gelungenen ersten Tag legten die Bands zum Auftakt des diesjährigen Rockreigens auf der Donauinsel hin. Neben den musikalischen Highlights mussten die Besucher aber auch so manchen organisatorischen Mangel des Festivals hinnehmen.

Es hätte eigentlich alles so gut laufen können – Stimmung gut, Bands gut, frische Mini-Donuts gut und sogar die Regenwolken hielten sich an diesem ersten Tag am Rock in Vienna zurück – kaum ein Tropfen fiel vom Himmel, auch die brütende Hitze vom Vorjahr blieb den Besuchern auf der Donauinsel diesmal erspart.

Perfekte Voraussetzungen für einen gelungenen Festivaltag also. So gesehen.

Organisatorische Pannen am ersten Rock in Vienna-Tag

Alles andere als perfekt lief jedoch das organisatorische Drumherum ab. Insbesondere bei der Ankunft am Nachmittag rutschte so manchem beseelten Musikfan das Rockerherz in die Hose, denn die Warteschlange beim Einlass hatte gigantische Ausmaße.

Eine gute Stunde Wartezeit war für viele entnervte Besucher, die nur ein Tagesticket für den Freitag hatten, leider unabwendbar. Einige, die sich auf Bands am Nachmittag wie Pain oder Anthrax gefreut hatten (die eigentlich auch Headliner-Status genießen könnten), mussten diese Auftritte mitunter einbüßen.

Überraschend war der Ansturm eigentlich nicht – insbesondere beim Headliner Rammstein, die es bereits geschafft haben, die Wiener Stadthalle binnen Minuten ausverkauft zu bekommen, war der Besucherandrang von (laut Veranstaltern) 45.000 Leuten auf der Donauinsel eigentlich vorhersehbar gewesen. Eigentlich.

Auch bei den Getränkeverkaufstellen gab es lange Wartezeiten. Da taten die stolzen 5,- Euro pro Bier (exklusive Pfand) gleich noch ein bisschen mehr weh – vor allem, wenn kurz vor 21.00 Uhr bei einigen Ständen das Bier bereits alle war. Von den Wartezeiten, um in den Wavebreaker hineinzukommen, gar nicht zu reden. In organisatorischer Hinsicht gibt es für die kommenden beiden Rock in Vienna-Tage also noch einiges an Potenzial nach oben.

Gelungener Auftakt von Slayer, Apocalyptica und Co.

Dafür haben die ersten Bands einen würdigen Start an den Tag gelegt. Die kalifornische Kult-Band Slayer tischte feinsten Thrash-Metal auf und stimmte die Fans mit Hits wie “Angel Of Death” oder “South Of Heaven” gelungen hart auf den weiteren Abend ein. “Wir sind dankbar, heute hier sein zu dürfen, ihr macht das alles immer wieder aufs Neue wertvoll,” bedankte sich der graumelierte Frontmann Tom Araya, während der lange Bart um seinen Bass wehte.

Auch das Streicher-Trio von Apocalyptica war definitiv ein Highlight des Abends, heizten die Finnen mit ihren Celli dem Publikum mit eigenen Kompositionen und Metallica-Covers wie “Master Of Puppets” doch so ein, dass sich die Bögen bogen und die lange Haarpracht nur so routierte. Hier wurde ein baldiges Wiedersehen in Österreich versprochen – bitte gerne.

Und dann kamen Babymetal

Und dann natürlich … Babymetal. Die japanische Idol Group, die sich als ein dreiköpfige Girl-Metal-Tanz-Truppe präsentiert, ist nicht umsonst als Geheimtipp des Festivals verschrien – ja, verschrien. Rock in Vienna-Projektleiter Werner Stockinger hat es einmal treffsicher formuliert: “Entweder man hasst Babymetal, oder man liebt sie, etwas dazwischen gibt es nicht.” In Lolita-Kleidchen und mit akrobatischer Ausdauer lieferte das kawaii Trio seine schrille Tanz-Singelsangel-Hardrock-Performance, begleitet von technisch hochversierten Livemusikern, die in Kabuki-Aufmachung auf ihre Instrumente eindroschen. Skurril? Ja. Verstörend? Ja! Aber auf jeden Fall mal etwas Anderes. Und man muss den drei posenden Damen anrechnen, dass sie sowohl gesanglich als auch als Entertainerinnnen einiges drauf haben. Sogar Rammstein dürften zur Pro-Babymetal-Fraktion gehören:

Ja – Nein – Rammstein!

Womit wir auch schon beim großen Headliner des Abends wären: Feurige “Neue Deutsche Härte” gab es für die Rock in Vienna-Besucher zum Grande Finale, denn bei Live-Shows von Rammstein wird bekannterweise einiges aus der Pyrotechnik-Trickkiste hervorgeholt. Die Fans wurden auch diesmal nicht enttäuscht. Frontmann Till Lindemann ist nicht nur Lyrik-Künstler, sondern auch gelernter Pyrotechniker, der Mann weiß also, wie’s geht. Da explodierte eine Art Sprengstoffgürtel um seinen Bauch, brannten die Instrumente, schoss Feuer aus Flammenwerfermasken, vom FOH aus, aus dem Bühnenboden, hinter der Bühne … eigentlich brannte es überall. Und genauso wollen und lieben die Fans ihre Rammstein-Shows.

Gesprochen wird mit dem Publikum dabei nicht, die provokant-brachialen Songtexte sprechen Bände für sich. Und da gab es auch ein gelungenes Hit-Sammelsurium, das von “Feuer frei!” (eh klar), “Ich tu dir weh”, “Du riechst so gut” und “Mein Herz brennt” (wurde hier natürlich wieder wörtlich nachgestellt) bis hin zu einem gefühlvollen “Seemann” mit traumhaftem Bass-Intro reichte. Zwar erreichte der 53-jährige Lindemann hier kaum mehr die hohen Tonlagen, die Artikulation rrrrrollte aber wie gewohnt dahin.

Akustik-Session zum Abschluss auf der Donauinsel

Beendet wurde das Show-Feuerwerk (ja, Feuerwerk gab es natürlich auch) mit dem Dauerbrenner “Sonne” – und einem kurzen Mikrofonausfall für Lindemann, bevor Rammstein das Konzert mit einer bewegenden Sitz-Akustik-Session von “Ohne Dich” am Bühnenrand abrundeten – und schließlich noch das große Finale mit “Engel” folgte und man den Insel-Chor damit zufrieden auf die Heimreise schicken konnte.

In musikalischer Hinsicht erwarten uns am zweiten Tag besonders Punk- und Indie-Haudegen, unter anderem stehen Juliette & The Licks, Mando Diao, Biffy Clyro und “Godfather of Punk” Iggy Pop auf dem Programm – den genauen Time-Table gibt es hier.

>> Die besten Fotos vom ersten Tag finden Sie in unseren Diashows.

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