Der Asse-König und die drei geschlagenen Lokalmatadore

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Ivo Karlović fetzt den Gegnern die Bälle um die Ohren.
Ivo Karlović fetzt den Gegnern die Bälle um die Ohren. - © AP
Asse-Weltrekordler Ivo Karlović will seine Marke in der Stadthalle weiter ausbauen. Auf das in Wien ausgeschiedene ÖTV-Trio wartet nun wieder der weniger glanzvolle Alltag.

Der Asse-Weltrekordler ist am Montag beim Erste Bank Open eine Runde weiter gekommen. Ivo Karlović besiegte in seinem Wiener Erstrundenmatch Andreas Seppi 7:6(5), 6:3, schlug dabei 17 für den Italiener unannehmbare Aufschläge ins dafür vorgesehene Feld. Mit 12.306 Assen in nur 540 Matches auf der World Tour ist der 36-Jährige unerreicht, am 8. Oktober hatte er in Peking den Rekord an sich gerissen.

Damit löste er seinen Landsmann Goran Ivanišević ab, mittlerweile hat der 2,08-m-Mann in der Statistik bereits 69 Asse mehr als der Wimbledonsieger 2001 stehen. Erwähnt sei aber freilich, dass die ATP erst 1991 zu zählen begonnen hat, Ivanišević war schon 1988 Tennisprofi geworden. Dessen Schnitt von elf Assen in insgesamt 895 Matches liegt aber deutlich hinter dem von Karlović, der schreibt nämlich nicht weniger als im Durchschnitt 19 Asse pro Partie an.

Karlović hält auch den Asse-Rekord in Dreisatzspielen, 45 waren es heuer in Halle im Viertelfinale gegen den Tschechen Tomáš Berdych. Seine Führung im Ranking wird er wohl noch kräftig ausbauen, denn trotz seines Alters denkt der in Wien als Nummer sieben gesetzte “Riese” nicht an sein Karriereende. “Wenn ich gesund bleibe, sehe ich keinen Grund, aufzuhören”, sagte Karlović nach dem Sieg über Seppi. “Das Alter steht nur auf dem Papier, ich fühle mich jünger.”

Österreicher-Trio wieder ein paar Levels runter

Im Gegensatz zu Karlović ist das Österreicher-Trio, das am Montag in Wien im Einsatz war, bereits in Runde eins ausgeschieden. Sie stehen alle im Schatten von Dominic Thiem und Andreas Haider-Maurer, aber doch alle auf einer anderen Tennis-Stufe. Der 25-jährige Gerald Melzer, der 22-jährige Dennis Novak und der 19-jährige Lucas Miedler sind nicht nur vom Alter her je drei Jahre auseinander. Nach ihren Erstrunden-Niederlagen bei den Wiener Erste Bank Open verfolgt jeder auf einem anderen Level die nächsten Ziele.

HEUTE AB 13 UHR AM CENTRE COURT:Andreas HAIDER-MAURER (AUT) / Oliver MARACH (AUT) – Alexander PEYA (AUT) / Bruno SOARES…

Posted by Erste Bank Open (ATP Vienna) on Dienstag, 20. Oktober 2015

Miedler hat mit seiner erfolgreichen Wien-Qualifikation den nächsten Schritt gemacht, er wird sich nächsten Montag erstmals unter den Top 500 der Weltrangliste finden. Nun geht es für ihn wieder zu Futures, das soll aber nur vorläufig so bleiben. “Ziele gibt es, ganz klar”, sagte Miedler. “Ich will mich stetig weiterentwickeln.” Matches wie in der Stadthalle helfen da extrem weiter. “Ich merke, dass die Schläge da sind, dass ich diese Leute ärgern kann.”

Novak freut sich über tolle Rahmenbedingungen

Novak wiederum hat heuer auf Challenger-Niveau schon drei Viertelfinali erreicht, in den kommenden Wochen soll da in Südamerika noch mehr kommen. 2015 pendelte er auch zu Future-Tunieren, und das ziemlich erfolgreich. Auffallend, dass er alle seine sechs heurigen Finali gewonnen hat. Als 222. der aktuellen Weltrangliste kann Novak schon höhere Ziele als Miedler anstreben, so wird er etwa in der Qualifikation für die Australian Open fix dabei sein.

“Ich werde die Vorbereitung für Australien mit Dominic, Ernests und Bellotti mitmachen”, verriet der Kitz-Achtelfinalist. Als Stallkollege von Thiem, dem Letten Ernests Gulbis und dem Italiener Riccardo Bellotti hat Novak nicht nur beste Trainingspartner, sondern auch die körperliche Vorbereitung von Sepp Resnik. Da gibt es aber nicht nur Baumstämme-Schleppen wie einst bei Thiem. Novak: “Sepp kennt sich gut mit dem Körper aus. Da geht es auch um Regeneration.”

Gerald Melzer will nun einmal Kraft tanken

Gerald Melzer schließlich hat schon seine Erfolge auf der ATP-Tour, das heurige Semifinale in München war der absolute Höhepunkt. Wie im Vorjahr klappte es heuer bei ihm aber nur im ersten Halbjahr, daher hat sich beim 164. der Weltrangliste mit seinem Ranking seit eineinhalb Jahren auch nicht viel getan. Das soll sich im nächsten Jahr ändern, deswegen beendete er am Montag eine Saison so früh wie noch nie. Vorerst will Melzer einmal zwei Wochen urlauben.

“Klar möchte ich das Ziel Top 100 vorantreiben”, sagte der Deutsch-Wagramer. “Sonst würde ich mir das nicht alles antun.” Er freue sich auf die Winter-Vorbereitung in der Südstadt. “Ich werde körperlich fitter sein, ich habe körperlich noch so viel Potenzial zum Ausschöpfen.” Außerdem hat Melzer im September nach einem Unverträglichkeitstest die Ernährung umgestellt. “Keine Eier, keine Milch, glutenfrei – es ist manchmal hart, aber ich spüre die Auswirkungen.”

(APA, Red.)

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