Deportationen in Konzentrationslager: Gedenkveranstaltung in Wien

400 Schüler nahmen an der Gedenkveranstaltung statt.
400 Schüler nahmen an der Gedenkveranstaltung statt. - © APA
Am Montag nahmen Schüler und Zeitzeugen an der Gedenkveranstaltung am ehemaligen Wiener Aspangbahnhof satt, von dem aus über 90 Transporte aus Österreich in Konzentrationslager (KZ) getätigt wurden. Anlass ist der Holocaust-Gedenktag am Donnerstag, an dem auch Zeitzeugen und österreichische Politiker das KZ besuchen werden.

Im Rahmen ihrer dreitägigen Reise werden die Schüler am “Marsch der Lebenden” teilnehmen. Überlebende des Vernichtungslagers und Menschen aus aller Welt werden am Donnerstagnachmittag schweigend vom ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz zum Vernichtungslager Birkenau gehen.

Seit 1988 findet der “March of the Living” (MoL) am Holocaust-Gedenktag “Yom Hashoa” statt. Der Verein “March of Remembrance and Hope – Austria” (MoRaH) organisiert seit 2007 die Teilnahme von alljährlich 300 bis 500 österreichischen Schülern. Anlässlich des Kriegsendes vor 70 Jahren werden heuer neben den annähernd 400 Jugendlichen auch Vertreter Österreichs – angeführt vom zweiten Nationalratspräsident Karlheinz Kopf (ÖVP) und Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) – und der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Oskar Deutsch, teilnehmen.

Gedenkveranstaltung am ehemaligen Aspangbahnhof

Deutsch erklärte anlässlich der erstmals abgehaltenen Gedenkveranstaltung am ehemaligen Aspangbahnhof, dem heutigen Platz der Opfer der Deportation, dass man in Österreich über viele Jahrzehnte hinweg vielerorts das “Nicht-erinnern gepflegt” und sich dies erst in den vergangenen 20 Jahren nachhaltig verändert habe. Die Jugend zeige nun aber starkes Interesse an der Auseinandersetzung mit dem Holocaust. Dass schon seit einigen Jahren so viele Schüler die Reise nach Auschwitz antreten und mit Überlebenden und Zeitzeugen in Kontakt treten wollen, belege das eindrucksvoll.

Anita Lasker-Wallfisch hat im KZ-Auschwitz wie durch ein Wunder ein ganzes Jahr lang überlebt. Gerettet hat sie ihre Fähigkeit, Cello zu spielen: Als Cellistin im Mädchenorchester von Auschwitz musste sie für die Menschen, die alltäglich in die Gaskammern oder zum Arbeitseinsatz getrieben wurden, spielen. Angesichts dieser Erlebnisse hat sie sich Zeit ihres Lebens das Ziel gesetzt, für die “Millionen Menschen zu sprechen, die keine Stimme mehr haben”, erklärte sie.

Aufarbeitung von NS-Verbrechen in Österreich

Mit der Aufarbeitung der NS-Verbrechen und dem Anteil, den Österreicher daran hatten, habe man sich hierzulande beschämenderweise zurückgehalten, hielt auch ÖBB-Chef Christian Kern fest. Die Transporte vom Aspangbahnhof und anderen Orten hätten auch die ÖBB dazu motiviert, sich spät, aber doch in einem Forschungsprojekt mit dem Anteil des Unternehmens am Holocaust auseinanderzusetzen. Dass die Vertriebenen auch noch für ihre “Fahrt in den nahezu sicheren Tod” zur Kasse gebeten wurden und sogar ein “Rabattsystem” dafür entwickelt wurde, zeige “die Profanität, mit der dieser Irrsinn betrieben wurde”, so Kern.

Bei den Gedenkfeiern in Polen wird Österreich neben Kopf und Heinisch-Hosek auch von der Klubobfrau der Grünen, Eva Glawischnig, und der Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) vertreten.

(APA)

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