Cobain: Montage of Heck – Trailer und Kritik zur Dokumentation

Von Jennifer Schindl
Frances Bean Cobain, Courtney Love und Regisseur Brett Morgen bei der Premiere des Films.
Frances Bean Cobain, Courtney Love und Regisseur Brett Morgen bei der Premiere des Films. - © AP
Am Donnerstag, den 9. April 2015, war die Dokumentation “Cobain: Montage of Heck” erstmals in Österreich zu sehen. Der Film über Kurt Cobains Leben läuft nur für kurze Zeit und in ausgewählten heimischen Kinos. VIENNA.at hat sich den Film für euch angesehen.

“Cobain: Montage of Heck” ist eine außergewöhnlich intime Biographie über den Nirvana-Frontmann, wie es sie zuvor noch nie gegeben hat. Vor Beginn des Films stellt man sich die Frage ob „Cobain: Montage of Heck“ wohl Lust machen wird auf Sex, Drugs and Rock’n’Roll, oder ob man sich doch eher dazu entschließen wird, allem Sündigen für immer den Rücken zu kehren. Der schwungvolle Einstieg mit lauter Nirvana-Musik lässt auf Ersteres schließen. Rasch folgt allerdings Ernüchterung mit Privataufnahmen, die Kurt Cobain als Kind zeigen. Ein Kind, das gerne lacht und munter und freudig durch die Welt hüpft. Nur mit starkem Interpretationswillen kann man das Spielzeug-auf-den-Boden-Werfen als Ansatz des späteren Instrumentezerstörungsrituals sehen.

Viele kleine Puzzlestücke erzählen Kurt Cobains Geschichte

Die von Frances Bean, Kurt Cobains Tochter, mitproduzierte Dokumentation zeigt intime Privataufnahmen der Cobain-Familie, Interviews mit Kurts engsten Verwandten und Bekannten, seine persönlichen Dokumente und Tagebucheinträge, Konzertausschnitte und animierte Zeichnungen, die geschickt zusammengefügt und -geschnitten wurden, um eine lückenlose Geschichte zu erzählen. Die Geschichte eines jungen Mannes, der auf der Suche nach Geborgenheit und Akzeptanz in eine musikalische Karriere gestolpert war, deren Ausmaß keiner erahnen konnte. Bis auf eine Person wohl: seine Mutter. „You better buckle up, because you are not ready for this.“, war ihre Reaktion zu Kurt, als er ihr das “Nevermind”-Album präsentierte. Sie sollte Recht behalten. Auch traurige Wahrheiten rund um Courtneys Schwangerschaft und Kurts drogenbedingten körperlichen Verfall werden im Film nicht ausgespart.

Eine überwältigende Fülle an neuen Informationen und Eindrücken

Einige Ausschnitte mögen dem harten Kern der Nirvana-Fans aus im Internet kursierenden Clips bekannt sein. Dennoch bleibt ein Umfang an völlig neuem Input, der für sich spricht. Die Vielzahl an unterschiedlichsten Informationen und Eindrücken regt zum Nachdenken an. Man ist nach dem Film fast ein bisschen überwältigt und versucht seine Gedanken zu ordnen. “Hatte ich bisher einen falschen Eindruck von Courtney Love?” Oder in eine ganz andere Richtung – “Warum sind die von Kurt Cobain in seinem Tagebuch behandelten Themen wie Intoleranz gegenüber Homosexualität, Frauen und fremden Religionen immer noch aktuell?” Das sind nur einige der Fragen, die man sich nach der Dokumentation stellt.

Frances Bean Cobains Anteil am Erfolg

Regisseur Brett Morgen schreibt einen großen Anteil des positiven Ergebnisses Frances Bean Cobain zu. Hätte irgendjemand anders bekannt gegeben, eine Dokumentation zu Kurt Cobains Leben zu produzieren, wären die Interviews mit Kurts engstem Kreis nie zustande gekommen, ist er sicher. Wer sich übrigens fragt, wo Dave Grohl in „Cobain: Montage of Heck“ geblieben ist – seine Interviews fanden zu spät statt, um rechtzeitig in den Film integriert zu werden.

Fazit zu “Cobain: Montage of Heck”

„Cobain: Montage of Heck“ ist definitiv ein Must-See, für alle die jemals auch nur ein bisschen Sympathie oder Empathie für Nirvana und Kurt Cobain empfanden. Es handelt sich um den seltenen Fall einer Dokumentation mit Gänsehautgarantie. Und um auf die anfangs gestellte Frage zurück zu kommen: Nach dem Film besteht zwar wohl kaum die Gefahr, den harten Drogen, wohl aber einer (erneuten) Nirvana/Kurt Cobain-Abhängigkeit zu verfallen.

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