“checkit!” feiert Geburtstag: 15 Jahre Drogen-Analyse und -Info in Wien

Seit dem Ecstasy-Boom in den Neunzigerjahren ist checkit im Einsatz
Seit dem Ecstasy-Boom in den Neunzigerjahren ist checkit im Einsatz - © dpa (Sujet)
Aufklärung und Hilfe in Sachen Drogen, ohne die Konsumenten zu verurteilen: Das bietet die Drogen-Analyse-Einrichtung “checkit!” in Wien seit mittlerweile 15 Jahren. Die Arbeit von “checkit” hat auf diesem Gebiet absolute Vorbildwirkung.

Beispielsweise in Deutschland wurde die Arbeit, die checkit hierzulande seit 15 Jahren leistet, zum wiederholten Male als Möglichkeit diskutiert, in vielen anderen Staaten scheint ein solches Angebot wegen der Enge der gesetzlichen Möglichkeiten nicht realisierbar.

checkit: Ein Modell mit Erfolg

Die Arbeit von Toxikologen und Beratern bei Großveranstaltungen für Jugendliche unter dem Aspekt der Analyse auftauchender “Partydrogen” und die wert- und angstfreie Information potenzieller Konsumenten. Am Freitag gab es zum “Geburtstag” in Wien ein Symposium zu neuen Aspekten und Entwicklungen beim “Recreational Drug Use”.

“Junge Menschen sollten schon auch dazu angehalten werden, Verantwortung für sich zu tragen. Leichter ist es allerdings, nur ‘Nein’ zu sagen. (…) ‘checkit!’ ist eine Erfolgsgeschichte”, stellte Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (S) fest. Eine von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (V) vor einigen Tagen propagierte neue Strategie der Exekutive in Sachen Drogen mit Haartests für Jugendliche und Kritik an der Drogensubstitution für Opiatabhängige wies die Stadträtin vehement zurück.

Drogen-Prävention ist nicht Polizeisache

“Die Polizei hat die ganz wichtige Aufgabe der Bekämpfung von Verbrechen,” so Mikl-Leitner. Sie sollte Drogendealer an der Einreise nach Österreich hindern und allenfalls aufgreifen, in der Drogenprävention sei die Exekutive aber eindeutig fehl am Platz. Die Innenministerin sei bei ihren Aussagen vor einigen Tagen “ganz schlecht beraten” gewesen.

Jedenfalls, durchaus in Kooperation mit der Wiener Polizei wurde vor 15 Jahren “checkit!” mit dem Besuch von “Raves” und anderen Jugendveranstaltungen etabliert. Bisher gab es mehr als 38.000 Beratungen, man ist jährlich bei an die zwei Dutzend solcher Veranstaltungen präsent. Chemiker bzw. Toxikologen testen dort auftauchende Partydrogen, warnen bei Bedarf und informieren. Es geht um Schadensverhütung. “checkit!”-Leiterin Sonja Grabenhofer: “Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt… Diese Konsumenten fanden kaum den Weg zur Drogenberatung, also muss die Prävention ins Haus kommen.”

Am Anfang stand Ecstasy

Mitbegründer, wissenschaftlicher Leiter, Chemiker und Toxikologe am Wiener AKH, Rainer Schmid: “Am Beginn von ‘checkit!’ stand, dass Ecstasy damals relativ neu war. Wir wussten nicht, wer konsumiert, was konsumiert wird und warum konsumiert wird.”

Mittlerweile kann man bei den Partydrogen grundsätzlich zwei verschiedene Gruppen unterscheiden: antriebssteigernde Substanzen wie Ecstasy, “Speed”, “Badesalz”, “Pflanzendünger” – zu einem Gutteil Amphetaminabkömmlinge – und die synthetischen Cannabinoide, die aber zum Teil stärker als Cannabis selbst sein können. Schmid betonte, dass man vor allem gewährleisten müsse, dass potenzielle Konsumenten risikobewusst agierten. Gerade wegen der zunehmenden Schnelllebigkeit der Drogenszene mit jährlich rund 50 neuen synthetischen Substanzen, die in Europa auftauchten, müsse man aber Beobachtung, Analyse und Beratung intensivieren. checkit ist eindeutig ein positiver Schritt in diese Richtung.

(apa/red)

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