Chancen für Neue und Kleine bei der NR-Wahl besser als früher

Wer schafft es diesmal auf den Stimmezettel zur NR-Wahl?
Wer schafft es diesmal auf den Stimmezettel zur NR-Wahl? - © APA (Sujet)
Nix is mehr fix: Die früher engen Parteibindungen der Wähler sind zum guten Teil aufgebrochen, viele stehen den etablierten Parteien kritisch gegenüber. Damit sind die Chancen für neue politische Bewegungen gestiegen.

2013 wurden gleich zwei Neue – Team Stronach und NEOS – in den Nationalrat gewählt. Darauf hoffen auch heuer viele Gruppierungen, die jetzt Unterschriften für die Kandidatur sammeln.

Potenzial für nicht etablierte Parteien größer

Seit 1999 ist das Potenzial für nicht etablierte Parteien merkbar größer. Bei den ersten 16 Wahlen der Zweiten Republik blieben sie – obwohl auch oft zahlreich – so gut wie immer alle gemeinsam unter den vier Prozent, die eine Partei für den Einzug in den Nationalrat braucht. Nur 1983, als erstmals Öko-Listen zur Wahl standen, gab es 4,15 Prozent für die “sonstigen”; 1986 zogen die Grünen dann ins Parlament ein.

Zur Jahrtausendwende änderte sich das Wahlverhalten: 1999, 2006, 2008 und 2013 kamen die “Kleinen” zusammen immer über vier, zweimal auf fast und einmal über sechs Prozent. 2008, bei der “Es reicht”-Wahl war die Zahl der “Sonstigen” mit neun hoch wie nie – und mit 6,09 Prozent auch die Unterstützung für Dann-doch-nicht-Parlamentsparteien. Sehr mager – nur 1,71 Prozent für fünf Listen – war hingegen ihr Potenzial bei der ebenfalls vorgezogenen “Knittelfeld”-Wahl unter Schwarz-Blau 2002.

Kleine Bewerber: 100 der 181 Kandidaturen scheiterten

Auf den Stimmzetteln der bisher 21 Wahlen der Zweiten Republik standen insgesamt 181 (zu einem guten Teil idente) Bewerber. Neben SPÖ, ÖVP, FPÖ und Grünen haben 72 Gruppierungen versucht, das Hohe Haus zu erobern. Die Mehrheit war erfolglos: 100 der 181 Kandidaturen scheiterten an der Vier-Prozent-Hürde, nur 81 führten ins Parlament. Wobei ein großer Teil der “sonstigen” nicht einmal genug Unterstützung fand, um österreichweit am Stimmzettel zu stehen.

2,419.060 gültige Stimmen wurden in der Zweiten Republik Parteien gegeben, die nicht im Parlament landeten – das sind 2,53 Prozent der insgesamt 95,629.511 gültigen Stimmen seit 1945. Allein bei den letzten fünf Wahlen gingen insgesamt 1,097.807 Stimmen an letztlich erfolglose Bewerber, das waren durchschnittlich 4,60 Prozent. Noch weit größer war die Zahl der Nichtwähler: Bei den 21 Wahlen seit 1945 verzichteten mehr als 13 Millionen Wahlberechtigte auf die Möglichkeit der Mitentscheidung.

Nur neun Parteien bisher im Parlament

Mit zusammen mehr als 93 Millionen Stimmen ins Parlament gewählt wurden bisher nur neun Parteien: SPÖ, ÖVP, ab 1949 die FPÖ (bzw. ihr Vorgänger) und ab 1986 die Grünen – dazu bei den ersten vier Wahlen 1945 bis 1956 die KPÖ, 1994 und 1995 das LIF, 2006 und 2008 das BZÖ sowie bei der vorigen Wahl Team Stronach und NEOS. Dass heuer bei der Nationalratswahl das Team Stronach und das BZÖ nicht mehr antreten, macht den Stimmenteich für alle anderen Bewerber etwas größer – kamen sie doch zusammen 2013 auf fast zehn Prozent.

(apa/red)

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