Budgetüberschreitung: Planungsstopp bei Neubau des ORF-Zentrums

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Der ORF will die Kosten für Sanierung und Neubau besser kontrollieren.
Der ORF will die Kosten für Sanierung und Neubau besser kontrollieren. - © APA/Herbert Neubauer
Weil die Kosten für Sanierung und Neubau des ORF-Zentrums auf dem Küniglberg aus dem Ruder zu laufen drohen, hat die Geschäftsführung des Staatsfunks einen dreimonatigen Planungsstopp verhängt.

Der ORF verstärkt die Kostenkontrolle bei Sanierung und Neubau des ORF-Zentrums auf dem Küniglberg. Damit die Kosten für das Großprojekt nicht aus dem Ruder laufen, wurden von der ORF-Geschäftsführung ein dreimonatiger Planungsstopp sowie ein eigenes Controlling durch eine externe Prüffirma beschlossen, wie am Donnerstag bei einer Sitzung des ORF-Stiftungsrats bekannt wurde.

303 Millionen Euro wurden für das Medienstandort-Projekt ursprünglich budgetiert. Doch schon bei der Sanierung und Renovierung des Hauptgebäudes fielen die Ausgaben deutlich höher aus als geplant. 45 Millionen Euro sollten die Bauaktivitäten kosten, 8 Millionen Reserve waren vorgesehen, zuletzt hielt man bei einer Kostenprognose von 56 Millionen Euro, um 11 Millionen mehr als projektiert. In der letzten Stiftungsratssitzung gab es deshalb eine “Kostenwarnung” der ORF-Geschäftsführung.

Genaue Evaluierung des Sanierungsbedarfs

Von den 56 Millionen sollen nun drei Millionen eingespart werden, war am Donnerstag von Stiftungsräten zu hören. Die unteren Stockwerke des Hauptgebäudes werden demnach nur mehr saniert, aber nicht renoviert. “Es wird Raum für Raum festgelegt, welche Sanierungstiefe man wählt”, berichtete ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz am Rande der Stiftungsratssitzung.

“Gegenmaßnahmen wurden eingeleitet. Wir sind auf einem guten Weg und im Budget”, sagte ORF-Finanzdirektor Richard Grasl. “Das ist sicher eine herausfordernde Aufgabe, aber wir sind guter Dinge, dass wir im Kostenrahmen bleiben. Dafür gibt es zig Maßnahmen, von Fenstern bis zu Wänden”, so Grasl. Auch ORF-General Wrabetz betonte, dass die Geschäftsführung kostendämpfende Maßnahmen setzen werde. Der neue Bauherren-Vertreter Pius Strobl sei dafür nicht als “Troubleshooter” geholt worden, sondern zur Unterstützung und klareren Strukturierung des Projekts. Angesprochen auf Strobls Gage meinte Wrabetz, diese sei marktüblich und Strobl habe “in den ersten drei Wochen schon mehr gebracht, als er in dieser Position je verdienen kann”.

Mutmaßungen, wonach die Kosten für den Medienstandort Küniglberg bewusst zu niedrig kalkuliert wurden, um in der Standortentscheidung im Vergleich zum Projekt St. Marx besser abzuschneiden, wiesen Grals und Wrabetz zurück. “Das schließe ich aus”, erklärte der Finanzdirektor. “Ich nehme nicht an, dass die, die diese Zahlen erstellt haben, das getan haben”, meinte der ORF-Chef.

Embacher schockiert über Planungsfehler

Der Chef des Baukonzerns Strabag und von den NEOS in den ORF-Stiftungsrat entsandte Hans Peter Haselsteiner kommentierte die Entwicklung gelassen. “Grundsätzlich ist jede Baukostenüberschreitung bei einem Bauteil nicht erfreulich, aber das heißt nicht, dass die 303 Millionen nicht halten werden”, so Haselsteiner. Frei nach der “Tante Jolesch” sei es sogar ein gewisses “Glück, dass das am Anfang passiert und jetzt alle alarmiert sind. Dass bei einem Sanierungsprojekt wie dem Hauptgebäude 1 Überraschungen auftreten, ist für Experten keine Überraschung”. Jetzt müssten einfach die Fakten auf den Tisch und die richtigen Maßnahmen getroffen werden.

Für den Grünen Stiftungsrat Wilfried Embacher hat sich der “Gesamteindruck verstärkt, dass nicht extrem genau geplant wurde”. Embacher zeigte sich über die 25-prozentige Kostenüberschreitung beim Bauteil 1 “schockiert” und vermutet “Planungsfehler” bei der Ausgangslage. Hinweise dafür, dass der Medienstandort Küniglberg im Vergleich zum Projekt St. Marx schöngerechnet wurde, hat Embacher nicht, “aber das kann sich verdichten, das kann eine mögliche Erklärung sein”.

ÖVP-Stiftungsrat Thomas Zach sprach sich gegen Dramatisierungen und ein Aufbauschen der Lage aus. “Wir sind nicht das Parlament, das einen Untersuchungsausschuss macht, sondern der Aufsichtsrat des Unternehmens. Gegenmaßnahmen wurden eingeleitet. Die Maßnahmen scheinen aus meiner Sicht die richtigen zu sein. Ziel ist es, innerhalb des Kostenrahmens zu bleiben”, so Zach.

Kritik von Zentralbetriebsratsobmann Moser

Vor einer “brisanten Situation” warnte Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser. Der Belegschaftsvertreter im Stiftungsrat befürchtet, dass nun bei den Arbeitsplätzen “an der Kostenschraube gedreht” werde. “Die Arbeitsplatzzahl wird nicht verringert”, versicherte hingegen Wrabetz. Ob das geplante neue Newscenter kleiner dimensioniert werden könnte, ließ der ORF-General aber offen.

Unbefriedigend nannte Moser den Bericht der Geschäftsführung zum geplanten Funkhaus-Verkauf. Die Nachnutzung sei weiter offen, der Prozess der Unsicherheit für die Mitarbeiter damit bis zum Zuschlag an einen Interessenten im Frühjahr verlängert. “Wir werden unseren Widerstand gegen die Übersiedlung fortsetzen und intensivieren”, kündigte der Radiobetriebsrat an. Unverständnis zeigte Moser auch für den Umstand, dass das ORF-Landesstudio Wien offenbar im Funkhaus bleiben soll, während die Radios Ö1 und FM4 auf den Küniglberg übersiedeln sollen. Wrabetz wollte den Verbleib des Landesstudios nicht bestätigen. “Die Entscheidung fällt im Frühjahr. Aber die Synergien sind beim Landesstudio ja am geringsten. Es geht dort um eine regionale Stand-Alone-Aufgabe.”

(APA, Red.)

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