Bilderbuch live in der Arena Wien: Die Goldbuben des Austropops

Von Amina Beganovic
Akt.:
Entertainer durch und durch: Bilderbuch-Frontmann Maurice Ernst.
Entertainer durch und durch: Bilderbuch-Frontmann Maurice Ernst. - © Vienna.at/Sebastian Windisch
Keine Scham, viel Witz und noch mehr Sexappeal: Das Phänomen Bilderbuch hat wieder zugeschlagen. Am Donnerstagabend lag ihnen die Arena Wien kompromisslos zu Füßen – wieder mal.

Wer je behauptet hat, das Pop aus Österreich nicht sexy sein kann, dem kann man ein Wort entgegenschleudern: Bilderbuch.

Kaum einer anderen Band im deutschsprachigen Raum gelingt es derzeit, verschiedenste Musikeinflüsse mit schräg-schöner Theatralik so gekonnt zu kombinieren – und es funktioniert jedes Mal, was diese vier Burschen anfassen, wird über kurz oder lang zu Gold.

Euphorie in der Arena Wien

Apropos Gold: Das war auch die unbescheidene Hauptfarbe des Konzertabends am Donnerstag in der Arena Wien. Aber wer will schon bescheiden sein, wenn es einen Grund zum Feiern gibt. “Wien, wir haben heute erfahren, dass unser Album ‘Schick Schock‘ Gold-Status bekommen hat!”, verkündete Frontmann Maurice Ernst der ohnehin schon jubelnden Menge.

Die Euphorie auf den Abend lag bereits greifbar in der Luft, noch bevor der goldene Seidenvorhang (eh klar, “Feinste Seide” eben) kurz vor halb zehn fiel und Bilderbuch die Menge “Willkommen im Dschungel” hieß. Ein kurzes, aufreizendes Lächeln von Maurice (von Kopf bis Fuß in Gold gekleidet natürlich) genügt, und das Fangirl-Gekreische klettert auf die hundert Dezibel – aber ja, wir wissen eh, alle sind bloß “hinter seinem Hintern her”. Der Mann hat den Habitus, das Selbstvertrauen und die Frisur – dass in seinem Arschgewackel aber auch eine ordentliche Portion Schmäh und Selbstironie liegt, macht ihn nur noch sympathischer. Zwar stiehlt er seinen drei Bandkollegen Peter Horazdovsky (Bass), Michael Krammer (Gitarre) und Philipp Scheibl (Drums) damit mächtig die Show, aber das geschieht eindeutig im wohlwollenden Einverständnis.

Bilderbuch mit neuen und alten Hits

Das Konzert führte die Fans durch das Sammelsurium der vergangenen Bilderbuch-Jahre – also der ganze Hot Shit, wie man ihn sich nur wünschen kann. Laut sangen die “bösen Buben und Mädchen” bei “Spliff” mit, zuckten bei “Joghurt auf der Bluse” aus und besangen den Sommer mit “Karibische Träume”.

Dass sich zwischendurch der obligatorische Open-Air-Regen meldete, tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Auch von der sonst nicht seltenen Anfangslethargie bei Wiener Unter-der-Woche-Konzerten war an dem Abend nichts zu spüren – Maurice Ernst weiß eben, wie man eine Menge in Bewegung hält. Meist genügt dafür nur ein “Geht scho’!” und ein Fingerzeig – und ja, es funktioniert einfach, die Menge singt Texte wie “Coca Cola, Fanta, Sprite, 7up, Pepsi, alright, alright, alright, alright, alright OK!” (“Softdrink”) mit, als wären sie das Amen im Gebet. Die Sinnhaftigkeit der Lyrics wird nicht hinterfragt, ist bei Bilderbuch auch nicht nötig. Das ist eben Art-Pop in seiner Reinform. Da klettert auch mal ein eingeölter Bodybuilder aka “der Schöne Harald” als Bühnen-Deko auf ein Podest und lässt die Muskeln spielen – auch das passt nahtlos in die Show.

Und alles singt “Maschiiiiin” …

Das ohrenbetäubende Grande Finale des Abends wurde eingeläutet, als sich Sänger Maurice lasziv die Goldhandschuhe überzog – viel singen musste er danach eigentlich nicht, die Fans kennen jede Zeile von “Maschin” in- und auswendig. Nochmal einen kleinen Rückblick in die Bilderbuch-Anfänge gab es mit der rockigeren Single “Kopf ab”, bevor die Fans schließlich funky-spirituell mit “OM” nachhause geschickt wurden.

Das Schönste an Bilderbuch ist nicht die Tatsache, dass dank ihnen Pop aus Österreich endlich wieder ernst genommen wird. Auch nicht ihr eindeutiger Wiedererkennungswert. Oder dass Goldschmuck für Männer wieder en vogue geworden ist. Es ist mehr das Wissen, dass eine junge Band sich vor zehn Jahren in OÖ dazu aufmachte, allen Widerständen zum Trotz alles auf die Musikkarriere zu setzen – und nie aufgegeben hat. Klingt abgedroschen, aber wer macht das heutzutage noch? Dass solche Hartnäckigkeit tatsächlich noch zu so einem Pop-Phänomen heranwachsen kann, gehört wohl am meisten gefeiert. Und da versteht es sich von selbst, dass falsche Bescheidenheit bei Bilderbuch keinen Platz hat.

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