Bilder “extrem verstörend”: Kinder exerzierten in Wiener Moschee

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Die Moschee in der Dammstraße ist bereits seit 2009 in der Diskussion.
Die Moschee in der Dammstraße ist bereits seit 2009 in der Diskussion. - © APA-FOTO: GEORG HOCHMUTH
Die Stadt Wien prüft Vorgänge in einer Moschee des türkischen Vereins ATIB in der Dammstraße in Wien-Brigittenau. Im Internet traten nämlich Bilder auf, die Kinder beim Exerzieren in Uniformen zeigten. Stadtrat Jürgen Czernohorszky findet die die Bilder “extrem verstörend”.

Im Internet waren Fotos aufgetaucht, die kleine Buben beim Exerzieren in Tarnuniform zeigen. Das Jugendamt sei angewiesen worden, die mutmaßlich “jugendgefährdenden Umtriebe” in der Einrichtung zu untersuchen, bestätigte das Büro von Stadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) einen Bericht des “Falter”.

 

Schlacht von Cannukale nachgestellt

Die Bilder aus der ATIB-Moschee wurden Mitte März auf der Facebook-Seite des Gebetshauses veröffentlicht. Mehrere Buben salutieren darauf vor der türkischen Flagge, auch Mädchen mit Kopftuch sind darauf zu sehen. Dabei soll es sich um eine Nachstellung der Schlacht von Cannukale handeln, welche die Türken im Ersten Weltkrieg gewonnen hatten und nun von Nationalisten glorifiziert wird. “Cannukale Märtyrer respektvoll in Erinnerung”, lautet ein Foto-Kommentar auf Facebook.

Czernhorsk: Bilder seien “extrem verstörend”

Das Amt für Jugend und Familie prüft nun im Auftrag der Stadt Wien eine mögliche Kindeswohlgefährdung. Zudem fordert Czernohorszky das im Bundeskanzleramt angesiedelte Kultusamt dazu auf, der Sache ebenfalls nachzugehen. Die Bilder seien “extrem verstörend”, hieß es gegenüber der APA aus dem Büro des Stadtrats.

Islamische Glaubensgemeinschaft fordert Stellungnahme

Kritik kam auch von der Islamischen Glaubensgemeinschaft, der die ATIB-Moscheen unterstehen. Vizepräsident Esad Memic forderte vom Verein eine “klare Stellungnahme” zu den Vorkommnissen im Gebetshaus. Die Aktion schade dem Ansehen der Muslime in Österreich schwer. “Wir erwarten uns hier nicht nur eine umfassende interne Klärung und Maßnahmen, sondern auch eine Information der Öffentlichkeit”, hieß es in der Stellungnahme.

Kritik auch von FPÖ

“Fassungslos” zeigte sich Wiens FPÖ-Vizebürgermeister Dominik Nepp. Seine Partei warne seit Jahren vor der Einflussnahme des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan über das islamische Vereinswesen in Österreich. Auch für die NEOS sind Kinder in Uniformen “absolut unakzeptabel”, so Wiens Klubobfrau Beate Meinl-Reisinger.

ATIB habe sofort reagiert

Der türkische Moscheeverein ATIB hat am Dienstagnachmittag in einer Stellungnahme betont, man habe nach Bekanntwerden der Vorgänge sofort Konsequenzen gezogen. Die Veranstaltung sei “auf ausdrückliche Anordnung des Dachvereines” abgebrochen worden, hieß es seitens der ATIB Union. “Gleichzeitig wurde nach einer ausführlichen Untersuchung der dafür verantwortliche Obmann des Mitgliedsvereines zum Rücktritt veranlasst.”

Kein Platz für Nationalstolz

“Bedauerlich” seien die Fotos auch, weil es sich grundsätzlich um eine Veranstaltung handeln sollte, die “keineswegs dem türkischen Nationalismus und Militarismus” dienen solle. “Ganz im Gegenteil: Die alljährliche Gedenkfeier zur Ehrung von mehr als 300.000 gefallenen Soldaten im Jahr 1915 wird in vielen Staaten gefeiert und soll ein Mahnmal an die kriegerischen Auseinandersetzungen darstellen und für Frieden zwischen den Nationen stehen.” ATIB verweist darauf, dass auch in Australien und Neuseeland tausende Menschen alljährlich die Landung ihrer Truppen an der Küste von Gallipoli feiern würden. So sei mittlerweile der “Anzac Day” insbesondere in Australien der wichtigste nationale Feiertag geworden.

(APA/red)

 

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