Aus dem Alltag der Wiener Katzenflüsterin Petra Ott: Fenstersturz nach Hetzjagd

In Panik sprang Katze Lily aus einem Fenster
In Panik sprang Katze Lily aus einem Fenster - © pixabay (Sujet)
Katzen-Coach Petra Ott kennt das leidige Thema rund um Katzen und Fenster nur zu gut – was oftmals von Katzenhaltern auf die leichte Schulter genommen wird, kann zum echten Problem werden. Ihr heutiger Fall aus der Katzenpraixis: der dramatische Fenstersturz von Katze Lily durch eine vorangegangene Hetzjagd in der Wohnung.

“Eine ganz liebe Dame hat mich angerufen und schilderte mir ihre Verzweiflung und Sorgen mit ihren Fell-Familienmitgliedern. Sie berichtete mir von ihren sechs Katzen und zwei Hunden. Alle vierbeinigen Mitbewohner sind von ihr gerettet worden, nur jetzt ist etwas vorgefallen und ich möge doch bitte vorbeikommen und helfen.

Drei Katzendamen erhielten Familienzuwachs

Was ist passiert: Lily, Sandy und Lucy waren von Anfang an bei der Dame zuhause. Es gab auch nie Probleme mit den drei Katzen-Mädels. Ein wenig Hierarchie-Gerangel, aber sonst war alles friedlich. Sie wurden alle aus dem Tierheim geholt und lebten einige Jahre gemütlich in einer Drei-Zimmer Wohnung mit katzensicherem Balkon. Die Dame hat noch zwei Töchter, wobei die eine vor ein paar Jahren ausgezogen ist. Diese Tochter war ebenso tierlieb und rettete weitere drei Katzen aus dem Ausland. Und weil sie eine große Wohnung hatte, kamen noch zwei von einer Tötungsstation gerettete Hunde dazu. Dass wäre ja noch nicht das Problem gewesen, aber dann trat wohl das Schlimmste ein, was einem Tierliebhaber passieren kann: eine Allergie!

Welch schreckliches Wort! Die liebe Frau Mama brachte es aber nicht übers Herz, die Vierbeiner ihrer nunmehr allergischen Tochter ins Tierheim zu geben, und so geschah es, dass in die friedliche Dreier-Katzen-WG plötzlich noch drei Artgenossen dazu kamen und dazu noch die beiden Hunde. Katzenlieb waren diese zwar, doch nachdem die Hundesprache und die Katzensprache sich so stark unterscheiden, ergab sich eine angespannte Situation für alle Beteiligten.

Hetzjagd mit fremdem Hund endet mit Sturz aus Fenster

Uns dann geschah das Unglück. Eines Tages kam auch noch eine Freundin mit ihrem neuen Hund zu Besuch. Als dieser das achtköpfige Rudel sah, machte er erst einmal auf sich aufmerksam – hundetypisch durch ein heftiges Bellen. Mit schwerwiegenden Folgen: Die anwesenden Katzen erschraken so sehr, dass sie alle in eine Richtung davonrannten. Nämlich ins Kinderzimmer, wo ein Fenster gekippt war.

Katze Lily war die Schnellste, im Schock sprang sie auf das gekippte Fenster und rutsche außen auf das Fenstersims. Natürlich rannte auch die Besitzerin zu diesem Zeitpunkt ihren Lieblingen laut schreiend hinterher. Sie öffnete das Fenster, um Lily zu retten – und die Katze stürzte in die Tiefe! Dem Himmel sei Dank, Lily ist bei dem Sturz körperlich nichts Gröberes zugestoßen, sie wurde gleich vom Innenhof abgeholt und zum Tierarzt gebracht. Augenscheinlich ist nichts passiert, aber seelisch sah das anders aus – Lily erlitt ein großes Trauma. Wenngleich die Besitzer das vorerst nicht so ernst genommen haben.

Folgenschweres Trauma von Katze Lily

Lily kam wieder nach Hause ins Rudel und von da an gab es Schwierigkeiten. Lily urinierte sogar in ihr eigenes Bettchen – und nicht nur dorthin. Sie zuckte bei jedem Geräusch zusammen und bewegte sich nur noch einige Zentimeter pro Tag. Die Katzenhalterin war ratlos. Als ich ihr die Situation aus Lilys Sicht erklärt hatte, war jedoch alles klar.

Lily hat den Fenstersturz nicht mit dem fremden Hund in Verbindung gebracht. Für die Katze war das Geschehen eine eindeutige Kampfansage ihrer Artgenossen, ihres Rudels. Denn die letzten Augenblicke in ihrer Erinnerung waren: Lily wird mit Kreischen von den Anderen verfolgt, als sie sich dann auf die Fensterbank retten konnte, hat sie während ihres Abrutschens als Letztes in ihrer Panik noch ihre Besitzerin und Bezugsperson gesehen. Daraus ergab sich in Kombination – dramatisch formuliert – ihre Wahrnehmung: Alle in der Wohnung wollen mich töten!

Katzen-Coach Petra Ott schreitet ein

Mein Job hieß nun: Lily separieren, dem kleinen Körper Ruhe verschaffen und die soziale Bindung zu ihrem Menschen wiederaufbauen. Gesagt, getan: Das Selbstvertrauen von Lily wurde nach wenigen Wochen wieder gestärkt. Wir machen immer noch eher langsame Fortschritte, aber es wird immer besser. Mittlerweile können wir auch ihre beiden Gefährtinnen Sandy und Lucy wieder ab und an zu ihr ins Zimmer lassen und sie begrüßen sich ganz freundlich. Lily benutzt ihre eigene Toilette wieder gerne und die Unsauberkeit ist nicht mehr vorhanden. Meine Prognose: Ein paar Wochen noch und dann ist alles wieder gut!

Aber man sieht an diesem Fall: So schnell kann es gehen. Daher mein Appell an alle lieben Katzenbesitzer, die glauben, ihre Katze springt nicht aus dem Fenster: Höchste Vorsicht bei gekippten oder gar offenen Fenstern! Die Katze selbst würde eigentlich auch nicht springen. Aber die Panik macht es!

Alle weiteren Infos zur Arbeit von Katzen-Coach Petra Ott finden Sie hier.

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