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9. Oktober 2012 15:43; Akt.: 9.10.2012 15:43

Auf den Spuren von “Amélie”: Kunst Haus Wien zeigt “Foto-Automaten-Kunst”

Bei der Foto-Automaten-Kunst-Ausstellung: Thomas Ruff, Porträt (Petra Lappat), 1987 (links), Susan Hiller, Midnight, Euston, 1983 Bei der Foto-Automaten-Kunst-Ausstellung: Thomas Ruff, Porträt (Petra Lappat), 1987 (links), Susan Hiller, Midnight, Euston, 1983 - © Thomas Ruff; Courtesy: Mai 36 Galerie Zürich; VBK, Wien 2012 / Susan Hiller; Arts Council Collection, Southbank Centre, London
Foto-Automaten haben Künstler seit den Anfängen zu kreativer Auseinandersetzung inspiriert. Am Dienstagabend wird im Kunst Haus Wien eine neue Ausstellung eröffnet, bei der sich alles um Fotos aus dem Automaten dreht. 300 vielseitige Exponate erwarten die Besucher.

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Die neue Schau über “Foto-Automaten-Kunst”, die am Dienstag im Kunst Haus Wien eröffnet wird, sei eine “Ausstellung über Leidenschaft”, erklärte Kurator Andreas Hirsch bei der vormittägigen Presseführung. “Ich muss Sie warnen: Foto-Automaten haben Suchtpotenzial!”, so Hirsch.

Es begann mit “Photomatons”

Auf 300 Exponaten von rund 60 Künstlern sind über 6.000 Personen zu sehen. In der Masse der automatisierten Analog-Fotografie lassen sich in der vom Musee de l’Elysee Lausanne zusammengestellten Schau zahlreiche künstlerische Strategien erkennen, die Vorgaben der Maschinen zu unterlaufen, zu verfremden oder kreativ zu verwenden.

Schon als 1928 die ersten “Photomatons” in Paris aufgestellt wurden, experimentierten schon bald die Surrealisten mit den neuen Möglichkeiten. Fotos von Yves Tanguy, Andre Breton, Paul Eluard oder Max Ernst zählen daher zu den wertvollsten der Exponate, die fast alle konservatorisch hochsensible Unikate seien, wie Direktor Franz Patay erklärte.

Kunstvolle Automaten-Fotos im Kunst Haus

Der Gegensatz zwischen dem privaten Raum der mit Vorhang verhängten winzigen Foto-Box und dem öffentlichen Raum der Aufstellungsorte, die Beschränkung auf ein Minimal-Format sowie die Sequenz von vier im Abstand von wenigen Sekunden geschossenen Bildern, die im Übergang zum Film zum Geschichten Erzählen animiere, seien die stärksten Triebfedern für eine künstlerische Beschäftigung mit Foto-Automaten, erläuterte Sam Stourdze, der Direktor des Musee de l’Elysee.

Und so kann man beim Schlendern durch die Ausstellung nicht nur unzählige mehr oder weniger verfremdete Porträtfotos bewundern, die Grimassen Arnulf Rainers bestaunen oder mit chemischen Mitteln behandelte Foto-Streifen, sondern sieht auch, dass hinter zugezogenen Vorhängen nicht nur Gesichter fotografiert bzw. über außerhalb des Bildausschnitt liegende Tätigkeiten der Fotografierten nur spekuliert werden kann.

Fotos von Warhol & Co. in Wien

Andy Warhol stellte in seiner Factory einen Fotoautomaten auf, animierte Besucher und Mitarbeiter zu zahlreiche Bildserien und verwendete sie als Vorlagen für Serigrafien. Mit Cindy Sherman, Roland Topor, Thomas Ruff und anderen finden sich auch etliche andere prominente Künstler in der Ausstellung. Wenige verstanden die Mittel jedoch so virtuos zu nutzen wie der 1972 in Leipzig geborene Jan Wenzel, der raffiniert komponierte Bildstreifen zu großen, neuen Bildtableaus zusammensetzt – Bilder von Räumen und Szenen, die so nie existiert haben.

Mit einer Kino-Ecke, in der prominente Beispiele zur Verwendung von Fotoautomaten im Film gezeigt werden, Beispielen der japanischen “Purikuras”-Automaten, die digitale Fotografie und Fotomontagen zu selbstklebenden Bildern verarbeiten, und einem bis 11. November laufenden Fotowettbewerb, bei dem das Kunst Haus Wien zur kreativ-künstlerischen Nutzung eines aufgestellten Fotoautomaten aufruft, wird die Brücke zur Alltagskultur geschlagen. Detail am Rande: Die analogen Fotoautomaten, die Mitte der 1990er-Jahre meist durch digitale Nachfolger ersetzt wurden, sollen wieder im Kommen sein. Die Ausstellung Foto-Automaten-Kunst “Die Ästhetik hinter dem Vorhang: Von den Surrealisten bis Warhol und Rainer” im Kunst Haus Wien läuft bis bis 13. Jänner 2013.

(apa/red)



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