Angeklagte kollabiert: Nächster IS-Prozess in Wien gestartet

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Schwierigkeiten beim Prozessauftakt in Wien.
Schwierigkeiten beim Prozessauftakt in Wien. - © APA (Symbolbild)
In Wien hat ein weiterer Terror-Prozess gegen mutmaßliche IS-Sympathisanten mit Problemen begonnen. Die Angeklagten erklären, nur nach Istanbul gereist zu sein, um einen Heiler aufzusuchen.

Ausführlich wurden die drei Angeklagten, die im Juli 2014 angeblich nach Syrien reisen wollten, um sich dort dem Islamischen Staat (IS) anzuschließen, zu den wider sie erhobenen Vorwürfen befragt. Darauf zu antworten, fiel dem 20-jährigen Burschen offenbar nicht leicht. Grundsätzlich rede er eigentlich nicht mit Frauen, stellte er klar, was Staatsanwältin Stefanie Schön sichtlich nicht goutierte.

Für seine ablehnende Haltung gegenüber ihm nicht näher bekannten Personen weiblichen Geschlechts führte der junge Mann “religiöse Gründe” ins Treffen. Er bestand auch darauf, dass die Verhandlung am Nachmittag unterbrochen werde müsse, weil er – wie jeder gläubige Moslem – fünf Mal am Tag seine Gebete zu verrichten habe. Eines habe zwingend zwischen 13.00 und 15.30 Uhr zu erfolgen. Da die heutige Verhandlung bereits kurz nach 15.00 Uhr zur Anhörung einiger Zeugen auf kommenden Donnerstag vertagt wurde, löste sich dieses Problem von selbst.

Mehrere Jahre Haft drohen

Der 20-Jährige, seine Frau und seine Mutter behaupteten übereinstimmend, sie wären nur deshalb in die Türkei gereist, weil die 39-Jährige in Istanbul einen Heiler gegen ihre Panikattacken besuchen habe wollen. Syrien beziehungsweise der Jihad wären nie Thema gewesen. Jener Mann, der die drei per PKW zunächst nach Bulgarien gebracht hatte, wo sie ein Schlepper übernahm und dann mit einem Minibus illegal weiter über die türkische Grenze schleuste, berichtete dem Gericht allerdings anderes. Ihm wurde demnach von den gebürtigen Tschetschenen ein bulgarischer “Kurort” am Meer als endgültiges Ziel vorgemacht.

Der 39-Jährigen, die sich laut Anklage ebenso wie ihr Sohn und ihre zum damaligen Zeitpunkt hochschwangere Schwiegertochter dem Islamischen Staat (IS) anschließen wollte, sei es während der Fahrt “sehr schlecht” gegangen, gab der Zeuge zu Protokoll. Das bestätigte die 39-Jährige, die auch während der Verhandlung mehrfach hyperventilierte und dann stets von einer anwesenden Ärztin der angrenzenden Justizanstalt versorgt, in ein Nebenzimmer geführt und wieder auf den Damm gebracht wurde. Sie habe “bis zu zehn Anfälle” gehabt, erinnerte sich die Angeklagte. “Bis heute vergeht kein Tag ohne einen Anfall. Ich verbringe 95 Prozent des Tages im Bett”, sagte die 39-Jährige.

Sollte nichts Unvorhergesehenes passieren, kann am kommenden Donnerstag das Verfahren vermutlich in erster Instanz abgeschlossen worden. Den Angeklagten, denen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung angekreidet wird, drohen im Falle von Schuldsprüchen mehrjährige Freiheitsstrafen.

(APA, Red.)

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