Alternative und Punk regierten am Samstag beim Rock in Vienna

Von Amina Beganovic
Akt.:
Biffy Clyro (l.) rockten die Insel genauso wie Iggy Pop
Biffy Clyro (l.) rockten die Insel genauso wie Iggy Pop - © Vienna.at/Bernhard Jank
Mit deutlich weniger Andrang, aber nicht minder sehenswerten Künstlern wartete der zweite Tag beim Rockreigen auf der Donauinsel auf. Insbesondere die schottische Formation Biffy Clyro und Punk-Ikone Iggy Pop zählten zu den Highlights.

Sowohl in den Nachmittagsstunden als auch gen Abend bot das Rock in Vienna am Samstag hochkarätige Acts. Der Besucheransturm hielt sich nichtsdestotrotz in Grenzen, der Massenandrang vom Vorabend – als “Rammstein-Effekt” bekannt – war abgeklungen und man konnte sich ohne nervenaufreibende Wartezeiten voll und ganz auf die Bands freuen.

Classic Rock und Punksound

In den früheren Nachmittagsstunden regierten auf der Soul- und Mindstage die klassisch-rockigen oder wild-punkigen Töne, auch wenn es bei vielen Acts anfangs leider massiv am Ton auf der Bühne haperte.

Den gelungenen Auftakt machten die US-Punkrocker Anti-Flag. Brachial-mitreißender Sound mit gesellschaftskritischen Texten sowie ein Schlagzeug, das kurzerhand in der Menge zum Spielen aufgebaut wurde – der Auftritt ließ keine Wünsche offen.

Auf der kleinen Jolly Roger-Stage wiederum erntete ein wahrer Geheimtipp lauten Jubel: Die UK-Formation Skinny Lister sorgten mit ihrem Mix aus Punk und Folk für beste Tanzlaune unter den Besuchern – auch post Rock in Vienna eine große Empfehlung zum Reinhören! In eine ähnliche Kerbe schlugen Royal Republic auf der Soulstage: Punk-Attitüde und gestandener Rock mit optischem 50’s-Chic boten eine unterhaltsame und interessante Mischung, von der man gerne noch mehr gehört hätte.

Juliette Lewis ließ die Donauinsel tanzen

Doch dann ging es schon weiter im straffen Rock in Vienna-Zeitplan: Eine gewohnt fabelhafte Performance legte gleich im Anschluss Rockerin und Schauspielerin Juliette Lewis (“Natural born Killers”, “Kap der Angst”, “From Dusk Till Dawn”) mit ihrem Gespann hin. Juliette and the Licks sind nicht umsonst auch in ihrer Heimat USA eine gefeierte Musik-Größe. Zwar konnte man sie erst Ende April in der Wiener Arena bejubeln, aber Wiedersehen macht bekanntlich Freude.

Und dass Juliette Lewis selbst die meiste Freude dabei hatte, konnte man ihr ansehen: In ihrem hautengen Bodysuit, dekoriert mit den amerikanischen Sternen, sah sie nicht nur aus wie die freche kleine Schwester von Captain America, sie ließ mit ihren ausdrucksstarken Tanzbewegungen die Nachmittagshitze noch mehr kochen – Ms. Lewis ist vieles, aber ganz bestimmt nicht schüchtern.

Mit Hits wie “Hot Kiss”, “Sticky Honey” oder “You’re Speaking My Language” ließ sie die Menge tanzen und badete im Applaus, während sie gekonnt mit dem Publikum kokettierte. “Ihr seid alle so wunderschön, hat euch das schon mal wer gesagt?,” so die 43-Jährige, als sie Luftküsschen in die Menge warf, bevor sie die langen Haare beim Headbangen wieder fliegen ließ.

Moshpit-Party bei The Subways, Durchhänger bei Mando Diao

Nicht weniger mitreißend zeigte sich das britische Trio von The Subways, das mit vielerlei einstudierten deutschen Sätzen seine Zuneigung zum Publikum kundtat – wobei man Frontmann Billy Lunn eine deutschsprachige Version von “Rock & Roll Queen” besser wieder ausredet. Insbesondere Bassistin Charlotte Cooper gab die energetische Sprungfeder, die mitsamt Bass non-stop über die Bühne wirbelte. Gewirbelt wurde auch unten im Wavebreaker, nämlich der Staub, als sich mehrfach Moshpits bildeten. Festial-Feeling pur, mit viel Dreck in Augen und Nasenlöchern danach, wie es sich gehört.

Etwas gediegener ging es im Anschluss bei der schwedischen Band Mando Diao zu – was hauptsächlich an Mando Diao selbst lag. Frontmann Björn Dixgård wollte es nicht so ganz gelingen, die Menge aus der Reserve zu locken. Da halfen weder Radio-Ohrwürmer wie “Gloria”, bei dem sich das Publikum sehr singfaul zeigte, noch das zu Boden fallende Shirt. Immerhin, bei “Dance With Somebody” wachte die Menge wieder ein wenig auf.

Biffy Clyro als Highlight am Rock in Vienna-Samstag

Von Müdigkeit keine Spur mehr war danach zu sehen, als das schottische Trio Biffy Clyro die Mindstage eroberte. Simon Neil, Ben Johnston und James Johnston haben sich in den vergangenen Jahren eine stetig wachsende Fangemeinde auch hierzulande aufgebaut. Das liegt nicht nur an Neils schön tätowiertem Oberkörper, sondern vor allem an den meldodisch-kernigen Rocksongs der (bereits 1995 gegründeten) Band, die sowohl Ohrwurm- als auch Durchschüttelkraft besitzen.

Erste Euphorie herrschte schon beim Opener “Wolves Of Winter” aus dem neuen Album “Ellipsis”, das am 8. Juli erscheint. Kein Halten mehr gab es bei Songs wie “Biblical”, “Black Chandelier”, “The Captain” oder dem umwerfend schönen “Many Of Horror”. Ein energiegeladene “Stingin Belle” beendete die mitreißende Show der drei Schotten, die sich ebenfalls brav auf Deutsch für das Mitgehen des Publikums bedankten.

Iggy Pop als krönender Abschluss

Einen stimmungsvollen Abschluss des Punkrock-Tages gab es mit dem “Godfather Of Punk” himself: „Lust for Life“ pur versprühte Iggy Pop, während er ununterbrochen (und natürlich mit freiem Oberkörper) von einem Teil der Bühne zum anderen sprang – und ja, der Mann ist bereits 69 Jahre alt. Dass er einer von jenen ist, die in ihrem Leben Musikgeschichte geschrieben haben, merkt man ihm nach wie vor ab der ersten Minute an, denn er lässt es einen auch nicht vergessen. Iggy Pop ist eine Ikone und eine Marke, die auch ohne The Stooges Kult ist und bleibt.

„I Wanna Be Your Dog“, „1969“ und natürlich „The Passenger“: Kaum ein Klassiker wurde von Jim Osterberg alias Iggy Pop ausgelassen. Ebenso knackig die Zugaben, die vor allem Werke aus dem aktuellsten Album des Großmeisters hören ließen: „Post Pop Depression“ nennt sich das Werk, das in einer Kollaboration mit Queens Of The Stone Age-Frontmann Josh Homme entstanden ist. Bleibt zu hoffen, dass es mit dem neuen Material bald ein Wiedersehen in Wien gibt.

Apropos Wiedersehen: Harte Liebesgrüße aus England gibt es beim großen Abschlussheadliner am Sonntag – Iron Maiden geben sich in am Rock in Vienna die Ehre. Angereist sind sie natürlich in ihrer eigenen Boeing 747, “Ed Force One” ist am Samstagnachmittag bereits in Wien-Schwechat gelandet.

Weiters kann man sich am letzten Tag auf Kreator, Nightwish oder In Extremo freuen – hier geht’s zum Time-Table.

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