Aliyev-Prozess in Wien: Als Zeugen geladene Häftlinge erhalten “Freigang”

Beim Aliyev-Prozess in Wien
Beim Aliyev-Prozess in Wien - © APA
Im Aliyev-Prozess um die Ermordung der kasachischen Banker Zholdas Timraliyev und Aybar Khasenov werden dem Vernehmen nach zwei Männer persönlich im Wiener Landesgericht erscheinen und als Zeugen aussagen, die sich derzeit in Kasachstan in Haft befinden.

Bisher war man davon ausgegangen, dass die beiden nur im Weg einer Videokonferenz befragt werden können.

Männer sollen bei Aliyev-Prozess aussagen

Nun sollen die beiden Männer von den kasachischen Behörden allerdings einen “begleiteten Freigang” eingeräumt bekommen haben. Sie sollen – entsprechend überwacht – Ende Juni zur Verhandlung anreisen und hier ihre Aussagen zur angeblichen Verwicklung der verbliebenen Angeklagten – nach dem Ableben des früheren kasachischen Botschafters in Wien, Rakhat Aliyev, sind das dessen ehemaliger Sicherheitsberater Vadim Koshlyak sowie der ehemalige Geheimdienstchef Alnur Mussayev – tätigen.

Am 22. Verhandlungstag hätte heute, Dienstag, unter anderem ein ehemaliger Chauffeur Aliyevs auftreten sollen. Der Mann, der sich mittlerweile in Russland befinden soll, blieb seiner Ladung allerdings aus bisher unbekannten Gründen fern. Geladen war daneben auch der kasachische Botschafter in Zagreb, Aslan Musil. Dieser hatte am 18. Juni 2014 eine Polizeibehörde in der Steiermark aufgesucht und angegeben, er habe von einem Informanten erfahren, dass Mussayev den Ort kannte, an dem die verschleppten und entführten Banker vergraben wurden.

Banker-Gattin erstattete Anzeige

Die Ehefrau eines Bankers hatte bereits am 31. Jänner 2007 und damit noch am selben Tag Anzeige erstattet, an dem die zwei Bankmanager zunächst im Gebäude der Nurbank festgehalten, laut Anklage von Aliyev zum Verschwinden von Bankvermögen befragt und schließlich in die Residenz Aliyevs verschleppt wurden, wo sie misshandelt und gemäß der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Wien am Ende umgebracht worden sein sollen. Der zuständige Polizist, der die Anzeige der Frau entgegen genommen hatte, schilderte dem Schwurgericht (Vorsitz: Andreas Böhm), plötzlich wären bei ihm Vertreter der Finanzpolizei erschienen und hätten von ihm verlangt, er möge die Anzeige “herausnehmen”.

“Ich habe gesagt, dass die Anzeige bereits registriert wurde und man die nicht so einfach herausnehmen kann”, schilderte der Ex-Polizist, der in Kasachstan mittlerweile im privaten Sicherheitsdienst tätig ist. Daraufhin habe man ihn “unter Druck gesetzt”. Ein höherer Offizier habe “Gewalt anwenden” wollen: “Ich habe das nicht zugelassen”. Nachdem er mit den Vertretern der Finanzpolizei eine Stunde lang über die Anzeige diskutiert hatte, hätte ihm diese eine von einem von der Finanz eingeschalteten Staatsanwalt erlassene Anordnung präsentiert. “Es hat geheißen, dass man die Entnahme der Anzeige durchführen kann. Sie haben daher die Anzeige und zwei Journale mitgenommen”, erinnerte sich der Zeuge. Ihm sei noch eingeschärft worden, dass ihn der Vorfall nicht zu interessieren habe.

Aliyev verwehrte Beamten den Zutritt

Der Ex-Polizist gab auch zu Protokoll, Aliyev habe die von der Frau eines der in Bedrängnis geratenen Bankers alarmierte reguläre Polizei daran gehindert, in die Büroräumlichkeiten der Nurbank zu gelangen: “Weiter als bis zum Eingangsbereich im Foyer sind sie nicht gekommen.” Aliyev habe den Beamten den Zutritt verwehrt. Auf die Frage des Gerichts, womit Aliyev sein Einschreiten begründet habe, erwiderte der Ex-Polizist: “Es gab keine gesetzliche Grundlage. Er hatte einen gewissen Status.”

Die Verhandlung wird am kommenden Montag mit weiteren Zeugenbefragungen fortgesetzt. Erwartet werde mehrere kasachische Beamte, die nach dem Verschwinden der Banker ermittelt hatten. Auch der Leiter der betreffenden Polizeibehörde soll in den Zeugenstand treten.

(apa/red)

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