Alexander Wrabetz zum dritten Mal zum ORF-Generaldirektor gewählt

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ORF-Chef Alexander Wrabetz wurde wiedergewählt.
ORF-Chef Alexander Wrabetz wurde wiedergewählt. - © APA/Georg Hochmuth
Knapp, aber doch: Der amtierende ORF-Chef Alexander Wrabetz wurde am Dienstag vom ORF-Stiftungsrat neuerlich zum ORF-Generaldirektor gewählt – zum dritten Mal in Folge.

Der von der SPÖ unterstützte Wrabetz erreichte im obersten ORF-Aufsichtsgremium 18 von 35 Stimmen und kam auf eine knappe Mehrheit. Damit hat er sich gegen Mitbewerber Richard Grasl, ORF-Finanzdirektor, durchgesetzt.

Grasl hat am Dienstagnachmittag Wrabetz zu dessen Wiederwahl gratuliert. Die “Entscheidung ist gefallen” und das “demokratische Ergebnis” zu respektieren. “Ich hätte mich über einen Erfolg gefreut”, gestand er gegenüber Journalisten ein.

Es sei ein “Fotofinish” gewesen, so der Kandidat im Anschluss an die Wahl, die Entscheidung sei aber für Wrabetz gefallen, und diesem gratuliere er daher “recht herzlich”. Er habe ein Konzept mit “vielen guten Ideen” vorgelegt, insofern hoffe er, dass einige Ideen daraus umgesetzt werden. Grasl kündigte Gespräche dazu mit dem wiederbestellten Generaldirektor an. Bis Jahresende wolle er jedenfalls “bestmöglich” im Unternehmen wirken, so der Finanzchef.

Erster ORF-Chef mit drei Amtszeiten in Folge

Wrabetz ist damit der erste ORF-Chef, der dreimal in Folge zum Generaldirektor bestellt wurde. Zehn Jahre, nachdem Wrabetz Monika Lindner den Chefsessel am Küniglberg abgejagt hatte, wurde Wrabetz als erster ORF-Chef zum dritten Mal in Folge zum Generaldirektor bestellt. Nicht einmal der legendäre Generalintendant Gerd Bacher schaffte dieses Kunststück.

Mit Rückendeckung der SPÖ und taktischem Geschick zimmerte Wrabetz wie vor zehn Jahren eine bunte Koalition aus roten, grünen, pinken und unabhängigen Stiftungsräten. Neben dem Amtsbonus sicherte dem amtierenden ORF-Chef wohl letztlich der Umstand die Wiederwahl, dass Wrabetz seine Macht an der größten Medienorgel des Landes dosiert einsetzte und den Redaktionen jede Menge journalistischen Freiraum in der täglichen Arbeit gewährte – manchmal zu viel, wie Kritiker nicht müde wurden zu betonen.

Pläne für den ORF

Den ORF will Wrabetz in den kommenden Jahren zum Social Media-Haus umbauen. “Der ORF soll das digitale Leitmedium der Zukunft bleiben”, so der neue alte Generaldirektor. Für ORFeins plant er mehr österreichische Inhalte und eine Stärkung der Information, ORF III soll weiter ausgebaut werden. “Stärken weiterentwickeln” laute das Motto für ORF 2 und die ORF-Radios.

Als Amtsinhaber kann Wrabetz auf eine solide Bilanz verweisen. Seit der Finanzkrise 2008 fährt der ORF ein Spar-und Restrukturierungsprogramm, mit dem kräftig Personal eingespart wurde. Millionen-Verluste, die damals eingefahren wurden, könnte Wrabetz im Tandem mit seinem Finanzdirektor und Kontrahenten Richard Grasl schließlich wieder drehen. 2015 schloss man zum sechsten Mal in Folge mit einem positiven Jahresergebnis und deutlich über Plan ab.

Der ORF meisterte unter Wrabetz eine österreichische Song-Contest-Austragung samt Kosten, lancierte ORF III sowie ORF Sport + und baute die TVthek aus. Publikumsrenner wie die Show “Dancing Stars” funktionierten in den vergangenen Jahren weiterhin, mit “Vorstadtweiber”, Skurrilem wie “Braunschlag” oder den “Landkrimis” setzte man österreichische Produktionsakzente. Jüngste Errungenschaft des Wrabetz-ORF war die Frühstücks-Schiene “Guten Morgen Österreich”, die vielen aber zu unterhaltungslastig ist.

Bewegte Amtszeit am Küniglberg

In Wrabetz zweite Amtszeit fiel nach langem Hin und Her auch die Entscheidung, das ORF-Zentrum auf dem Küniglberg in Wien-Hietzing zu renovieren (anstatt neu zu bauen) und (fast) alle Standorte dort zusammenzuziehen. Auch den daraus resultierenden Verkauf des Funkhauses zog Wrabetz durch.

Doch nicht alles kann glattgehen in einem Medienmoloch wie dem ORF. Wie bei jedem ORF-General steht stets eine Frage im Raum: Wie hält es Wrabetz mit der Politik? Dass er SPÖ-nahe ist, hielt zwar schon 2011 auch die ÖVP-nahen Stiftungsräte nicht davon ab, ihn zu wählen. Doch in den vergangenen zehn Jahren passierten auch Schnitzer. Als er den früheren SPÖ-Ministersprecher Niko Pelinka zu seinem Büroleiter machen wollte, gingen die Wogen so hoch, dass er die Notbremse ziehen musste.

Wie überhaupt ORF-Personalia stets von politischem Getöse oder zumindest entsprechenden Mutmaßungen begleitet werden. Mehrmals brachten Wrabetz Beschlüsse über Spitzenpositionen in Fernsehen und Radio Unbill mit der Belegschaft ein und Vorwürfe, er habe ein zu offenes Ohr für Wünsche aus SPÖ und ÖVP.

Umstrittene Entscheidungen

Umstrittene redaktionelle Entscheidungen wie der Solo-Auftritt des Ex-Kanzlers Werner Faymann (SPÖ) bei “Im Zentrum” oder die Nicht-Einladung Richard Lugners zu den TV-Duellen im Präsidentschafts-Wahlkampf taten das Ihrige dazu, dass die ORF-Information unter Wrabetz zuletzt auch kritisch beäugt wurde.

Dass sich der promovierte Jurist, Opernliebhaber und Rapid-Fan aus freiheitlichem Elternhaus über die Jahre der ungebrochenen Unterstützung der SPÖ gewiss sein konnte, traf übrigens nicht immer zu. Es gab eine Zeit, da zeigten Faymann und sein Staatssekretär Josef Ostermayer recht unverhohlen Lust, ihn abzusägen. Wrabetz überlebte schließlich beide – was ihm jedenfalls einen Platz in den inoffiziellen Annalen des ORF sichert. Und mit einer dritten Amtszeit in Folge schreibt sich Wrabetz nun auch in die offiziellen Geschichtsbücher des Küniglbergs.

Ad personam: Alexander Wrabetz

Geboren am 21. März 1960 in Wien, Jusstudium und Promotion. Bundesvorsitzender des Verbands Sozialistischer Studierende (VSStÖ), SPÖ-Mitgliedschaft seit Antritt als Generaldirektor 2009 ruhend gestellt. Karrierestart im Bankenbereich, 1987 bis 1992 Österreichische Industrieholding AG, 1992 Geschäftsführer Intertrading, dann VAMED-Vorstand.

1998 Kaufmännischer Direktor des ORF, 2009 ORF-Generaldirektor. Wrabetz ist geschieden und hat drei Kinder. Sein Bruder Bernd arbeitet als außenpolitischer Berater im Kabinett von Bundeskanzler und SPÖ-Chef Christian Kern.

Wrabetz’ neuerliche fünfjährige Funktionsperiode beginnt mit 1. Jänner 2017 und endet am 31. Dezember 2021.

35 Mitglieder wählen ORF-Generaldirektor

Die 35 Mitglieder des obersten ORF-Gremiums wählten den Generaldirektor, der sein Amt am 1. Jänner 2017 antritt, in nicht geheimer Abstimmung. 18 Stimmen sind für eine Mehrheit notwendig. Jeder Stiftungsrat erhält einen Stimmzettel, der einzeln in einer Wahlzelle ausgefüllt und in eine Wahlurne eingeworfen wird. Danach wird das Ergebnis ausgezählt, protokolliert und das Gremium wird über das Wahlverhalten der einzelnen Stiftungsräte informiert. Diese Form der offenen Auszählung gibt es seit 2001. Schwarz-Blau schaffte damals die geheime Wahl ab.

Die Mitglieder des Stiftungsrats werden von Regierung, Parteien, Bundesländern, ORF-Publikumsrat und Betriebsrat beschickt und sind – abgesehen von wenigen Ausnahmen – in parteipolitischen “Freundeskreisen” organisiert.

(APA)

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