5/8erl in Ehr’n im Interview: “Wir wollen keine flache Popband sein”

Von Amina Beganovic
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Machen Musik, die ins Ohr geht - und auch ein bissl aneckt: 5/8erl in Ehr'n.
Machen Musik, die ins Ohr geht - und auch ein bissl aneckt: 5/8erl in Ehr'n. - © Klaus Pichler
Ende März nahmen sie den diesjährigen Amadeus Austrian Music Award in der Kategorie Jazz/World/Blues entgegen, am Freitag sorgen sie für Tanzlaune beim Festival “Wiener Welle”: Die Rede ist natürlich von 5/8erl in Ehr’n. Kontrabassist Hanibal Scheutz verriet uns im Interview, warum die Band nicht beim Song Contest mitmachen würde, wovor sich Ö3 so fürchtet und was er an Wien besonders liebt.

Gratulation zum diesjährigen Amadeus Award, kam die Auszeichnung überraschend für euch?

Diesmal haben wir uns etwas mehr darum bemüht, weil wir ja letztes Jahr keinen gewonnen haben. Es war schon eine Überraschung für uns, weil auch Leute wie Ernst Molden und Willi Resetarits nominiert waren … Das Gefühl der Bestätigung war dann sehr schön.

Bei eurer Award-Dankesrede fielen die Worte “das Klischee, dass man in Österreich mit Musik nix verdienen kann, find ich total blöd… wir leben recht gut davon… “. War das Ironie oder Kritik gegen bestehenden Pessimismus?

Genau, das hat der Clemens auf der Bühne gesagt (5/8erl in Ehr’n-Bandmitglied Clemens Wenger, Anm.). Das wurde ein bissl falsch verstanden, auf Facebook haben uns einige Leute geschrieben, dass das “arrogant” rübergekommen ist, obwohl das nicht die Intention war. Vielmehr ging es dabei um die “self-fulfilling prophecy”: Solange du eine negative Grundhaltung hast, wird dir auch Schlechtes widerfahren. Musiker sollten sich aus diesem Fahrwasser befreien, sonst ändert sich auch nichts.

Was sagst du zur „Manderl-Weiberl“-Aussage von Andreas Gabalier bei seiner Dankesrede?

Ich glaub, ATV hat eh genau in der Sekunde danach die Kamera auf mich gerichtet – ich war einer von denen, die im Saal ganz laut “Arschloch!” gerufen haben. Ich fand die Aussage von ihm mehr als daneben und auch sehr schade. Aber ich will gar nicht mehr soviel dazu sagen, das liefert ihm nur Werbefläche. Andreas Gabalier ist für mich wie H.C. Strache, er hat scheinbar einen unheimlich großen Komplex.

5/8erl in Ehr’n wird nicht selten nachgesagt, dass ihr mit euren Texten spielerisch, aber auch kritisch den Zeigefinger in Richtung Politik hebt. Etwa mit dem Song “Alaba – ‘How do you do?’ – oder „Akademikerball“. Provoziert ihr gerne?

Das sieht jeder in der Band anders. Ich persönlich steht sehr auf Provokation. Ich komme aus der Hardcore Punk-Szene und habe früher in einigen Punkbands gespielt. Es ist schon okay, wenn man ein bissl aneckt – wobei wir uns selbst nicht herausnehmen. Wir wollen einfach keine flache Popband sein. Uns ist es sogar lieber, wenn uns mal jemand nicht mag, als wenn uns alle mögen.

Seid ihr eine politische Band?

Ja, schon. Das merkt man bereits bei unseren Diskussionen intern. Wobei man natürlich vorsichtig sein muss mit politischen Äußerungen, wenn man in der Lage ist, viele Leute zu erreichen. Aber dass wir als Band eine politische Haltung vertreten, steht außer Frage.

Ihr beschreibt eure Stilrichtung gerne als „Wiener Soul“ – was ist das?

Das wissen wir selber nicht so genau (lacht). Vom Gesang her klingen wir schon sehr soulig, das Songwriting selbst würde ich aber damit nicht eingrenzen. Der Sound von 5/8erl in Ehr’n hat viele Facetten, und er ist ehrlich gemeint. Oft wird uns auch die Etikette des “Wienerlieds” verpasst, was meiner Meinung nach gar nicht stimmt. Als “Wiener Soul” bezeichnen uns die Musikjournalisten gern – aber eben nur uns, was ich ganz nett finde!

Um Popmusik aus Österreich wird derzeit ein regelrechter Hype gefeiert – wie sieht es mit österreichischem Jazz bzw. Soul aus, bekommt der viel Beachtung im Ausland?

Alle Musiker hierzulande profitieren von der Aufmerksamkeit, die Bilderbuch und Wanda derzeit bekommen. Grenzen werden damit aufgerissen, Österreich zeigt, dass unsere junge Popkultur durchaus frech genug ist für ein großes Publikum – und das finde ich sehr schön. Gerade Wanda sind da ein wunderbares Phänomen. Außerdem sind es herzensliebe Jungs! Es ist schön, mit so guten Bands in einem Atemzug genannt zu werden und damit im gesamten deutschsprachigen Musikraum mehr Bekanntheit zu bekommen. Weil es einfach gute Musik ist.

Auf FM4 hört man euch ja oft und gerne – wieso spielt euch Ö3 nicht?

Ach, das ist eine längere Geschichte mit Ö3 … Schon bei unserem 2. Album haben wir mit dem Senderchef darüber debattiert, weil wir ja wissen, wie gut die Musik ankommt – man merkt das einfach bei Konzerten, wenn alle Leute laut mitsingen. Sogar Wanda oder Bilderbuch werden auf Ö3 nur nachts gespielt … Wir nähern uns Formatradio sowieso nicht gerne an, das liegt dem Sound unserer Band nicht. Ehrlich gesagt, ich kann dir auch keine eindeutige Antwort darauf geben. Mir hat der Ö3-Chef damals gesagt, sie sind eben zu feig, uns ins Programm mit reinzunehmen.

Wenn man euch fragen würde: Würden 5/8erl in Ehr’n Österreich beim Song Contest vertreten?

(wie aus der Pistole geschossen) Niemals!

Das kam jetzt aber flott.

(lacht) Wir wurden sogar mal gefragt. Aber für uns persönlich geht das gar nicht, Musik als Wettbewerb zu sehen ist ein absolutes No-Go.

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Foto: Klaus Pichler.

Was gefällt dir an Wien, was würde geändert gehören?

Ich komme ja eigentlich aus Pressbaum, war gefühlt aber immer in Wien. Mir missfällt wenig an der Stadt, ich lebe ja ein bissl unter meiner Künstlerglocke, mit einem wunderbaren Freundeskreis. Ich schätze die Aufbruchsstimmung, die derzeit in der Wiener Musikszene herrscht – es ist schön, dass sich die Leute hier gegenseitig den Erfolg gönnen. Was man ändern sollte? Hm, frag mich nach dem 11. Oktober nochmal (lacht)! Prinzipiell liebe ich den Zusammenhalt unter den Musikern hier – das Wiener Welle Festival wird wie ein Familienfest, ich freue mich wahnsinnig darauf!

5/8erl in Ehr’n, live am Wiener Welle Festival, am 08. Mai 2015. Mehr Infos zu Band gibt es hier.

Red./(ABE)

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