25. Wien Modern: “Grace Note” feierte Premiere

Es ist ein Schlachtfeld aus Notenständern, Instrumenten und schließlich auch Akteuren, das sich vor den Augen des Betrachters ausbreitet. Doch aus diesem Endzeitbild wird sich innerhalb der nächsten Stunde ein supramediales Musikereignis schälen, das Tanz, Performance und Klang vereint: Am Mittwochabend hat mit “Grace Note” die erste große Uraufführung der heurigen Wien-Modern-Jubiläumsausgabe im Museumsquartier ihre bejubelte Premiere gefeiert.

Der mexikanische Komponist Arturo Fuentes hat gemeinsam mit dem österreichischen Choreografen Chris Haring und dem Künstler Günter Brus als Bühnenbildner ein Werk geschaffen, in dem mal die Bewegung den Takt vorgibt, mal der Takt der Musik die Bewegung. Als thematischer Bogen dienen fünf Essays des italienischen Dichters Italo Calvino über Leichtigkeit, Schnelligkeit, Genauigkeit, Anschaulichkeit und Vielschichtigkeit.Innerhalb dieser fünf Szenen entspinnt sich ein gleichberechtigtes Wechselspiel zwischen den vier Musikern des Ensembles Phace und Harings dreiköpfiger Performancegruppe Liquid Loft. Während die Musiker nebst ihrer angestammten Instrumente Cello, Kontrabass, Perkussion und Saxofon auch Schreibmaschine oder Fahrrad zum Klangkörper umfunktionalisieren, nehmen die Tänzer die ihnen zugespielten Bälle auf.

“Grace Note” feierte Premiere im MQ

Im poetischen Reigen mit Mikrofonen erzeugen die Performer Geräusche, während das Cello als Perkussionsinstrument von den Musikern gleichsam zweckentfremdet eingesetzt wird. Streckenweise imitieren die Instrumente die Stimmen der Tänzer, die wiederum die meist vorantreibenden Klänge ihrer Spielpartner in Körperbewegungen modulieren.

Alles ist Klang, alles Reaktion aufeinander, Interaktion miteinander, während vom Tonband Regen prasselt und Geräuschbilder evoziert werden, die an eine LP denken lassen, bei welcher der Greifarm ans Ende gelangt ist. Durch die Splittung in fünf thematische Blöcke entsteht kein monolithisches Werk, sondern ein stetig im Fluss befindlicher Abend der Gleichzeitigkeit von Verschiedenem – “ein performatives Konzert”, wie es Choreograph Chris Haring nennt.

(APA)

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