Wiener TAG startet mit Sparzwängen in die neue Saison

Das Wiener TAG steht vor der Saison 2017/18.
Das Wiener TAG steht vor der Saison 2017/18. - © TAG/Georg Mayer
Das Wiener Theater an der Gumpendorferstraße (TAG) steht vor dem Beginn der Saison 2017/18. Die neue Saison wird von Sparmaßnahmen geprägt sein.

“Die Frau als Mysterium, als Heilige, als Hexe, als Labyrinth” steht im Mittelpunkt der Saison 2017/18 im Wiener Theater an der Gumpendorferstraße (TAG). Das meinte der künstlerische Leiter Gernot Plass bei der heutigen Spielplanvorstellung, wo allerdings die kaufmännischen Belange stärker im Fokus standen. Die auf 770.000 Euro eingefrorene Subvention der Stadt Wien bedingt Sparmaßnahmen. So gibt es heuer drei statt bisher vier Eigenproduktionen und eine Ensemblestelle weniger. Ihrem Ziel, “künstlerisch anspruchsvolles Theater mit Stadttheater zu verbinden” und auf Ensemble- und Repertoiretheater zu setzen (“Da sind wir vermutlich das einzige Haus in dieser Größe”, so der kaufmännische Leiter Ferdinand Urbach), wollen die beiden Chefs dennoch treu bleiben. Ihre Leitungsverträge wurden zwar um weitere vier Jahre bis Ende der Saison 2020/21 verlängert, die exakte Höhe der künftigen Förderungen sei jedoch weiter unklar, hieß es. Wie andere Kulturinstitutionen ist auch das TAG von einer “kühlen bis kalten Progression” (Plass) betroffen. Die 770.000 von 2014 entsprächen heuer 800.000 Euro – diese hätte man an der Gumpendorfer Straße gerne.

Modernisierte Klassiker im TAG

Programmatisch gibt man sich traditionellerweise modern. Das bewährte Konzept, Klassiker modernisiert und frei interpretiert zu inszenieren, wird auch die kommende Saison bestimmen. Den Auftakt der Spielzeit bildet eine Koproduktion mit “Pistoletta Productions”: “Auf der Suche nach dem sechsten Sinn” ist eine Auseinandersetzung mit dem letzten Werk und der dadaistischen Lyrik des “mysteriösen” Sezessionisten Konrad Bayer, die laut Plass letztlich “in eine Auflösung der Sprache mündet” (Premiere am 16. September, Regie: Elisabeth Gabriel). Auch in “Johanna. Eine Passion” (Premiere: 8. November ) beschäftige man sich mit einem Mysterium. Christian Himmelbauer konfrontiert in einer Textcollage Original-Aussagen Jeanne d’ Arcs mit Spekulationen über ihre Person.

Improvisationstheater weiterhin wichtig im TAG

Mit “Macbeth. Reine Charaktersache” (Premiere: 3. Februar 2018) setzt Gernot Plass seine erfolgreiche Serie an Klassiker-Überschreibungen fort – unter den zahlreichen geplanten Wiederaufnahmen finden sich auch “Faust” und “Käthchen”. Für seine Shakespeare-Interpretation setzt Plass bei den Hexen an: “Es sollte witzig und blutig werden!” Eine Schauspielschulen-Maturaklasse des Jahrgangs 1989 trifft sich in “Unterm Strich – Ein Jahrmarkt der Eitelkeit” von Margit Mezgolich heute wieder. Dabei prallen als Echo des Epochenbruchs einstige Träume auf bittere Realitäten der Gegenwart (Premiere: 21. April 2018). Im TAG weiterhin wichtig bleibt das Improvisationstheater, das man in Wien aus der Schmuddelecke herausgeholt habe.

Netflix & Co als digitale Konkurrenz des Theaters

In der vergangenen Saison schnitt man mit 15.556 Besuchern, einer Auslastung von 73 Prozent und einem Eigendeckungsgrad von 16 Prozent etwas schlechter ab als in der Vorsaison (17.359 Besucher, 80 bzw. 19,3 Prozent). Man befinde sich nach einem Gipfel der Zuschauergunst offenbar nun “auf der Hochebene”, meinte Plass, der die Theater allgemein unter der digitalen Konkurrenz von Netflix & Co leiden sieht, aber zugab: “Zufrieden kann man damit nicht sein.” Dennoch gibt es aus der Finanzabteilung des TAG doch eine gute Nachricht: “Wir sind schuldenfrei”, versicherte Urbach, “und wir bleiben das auch.”

APA/Red.

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