1.000 Flüchtlinge marschierten über österreichische Grenze

Der Flüchtlingsstrom reist weiter durch Österreich.
Der Flüchtlingsstrom reist weiter durch Österreich. - © APA/Georg Hochmuth
In der Nacht auf Sonntag kamen weitere 1.000 Flüchtlinge nach Österreich. Zwischen 700 und 800 sind Sonntagfrüh weiter nach München gefahren.

Der Flüchtlingsstrom aus Ungarn ging auch in der Nacht von Samstag auf Sonntag weiter: In der Nacht sind bereits tausend Menschen in Nickelsdorf eingetroffen. Sie waren zuvor von den Ungarn mit Zügen nach Hegyeshalom gebracht worden und mussten rund zehn Kilometer lang über die Grenze marschieren. Seit der Nacht auf Samstag sind damit rund 10.000 Flüchtlinge aus Ungarn nach Österreich gekommen.

Die meisten sind bereits nach Deutschland weitergefahren. Tausende übernachten in Österreich auf Bahnhöfen und in Notunterkünften, alleine 1.500 befanden sich nach Schätzungen am Westbahnhof. Viele Menschen haben Hilfsgüter gespendet, viele Freiwillige waren selber auf den Bahnhöfen um Spenden zu verteilen und um zu helfen. Es gebe derzeit genug Sachspenden, hieß es vonseiten der Hilfsorganisationen.

ÖBB-Chef Christian Kern hatte am späten Samstagabend verkündet, dass die Ungarn als “Überraschung” rund 1.500 weitere Flüchtlinge noch in der Nacht Richtung Österreich schicken würden. Deutschland werde in der Nacht keine Züge übernehmen, daher werde nun gemeinsam eine menschenwürdige Unterbringung vorbereitet.

Verbaler Schlagabtausch zwischen Österreich und Ungarn

Rund tausend Menschen trafen um Mitternacht in Nickelsdorf im Burgenland ein. Von dort wurden Hunderte nach einer Erstversorgung mit Autobussen in Unterkünfte nach Wien gebracht. Die Flüchtlinge seien nach dem nächtlichen Fußmarsch in kühlem Wetter erschöpft, schilderte der stellvertretende Landespolizeidirektor des Burgenlands, Christian Stella, Sonntagnacht zur APA. Sie mussten aus den ungarischen Zügen in Hegyeshalom aussteigen und rund zehn Kilometer zu Fuß nach Österreich gehen.

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) forderte einen EU-Gipfel Mitte September statt erst wie geplant im Oktober. Eine gemeinsame europäische Lösung sei “unverzichtbar”. Man könne das Thema nicht “auf die lange Bank schieben”. Die Aufnahme und Weiterreise der Flüchtlinge aus Ungarn sei eine “einmalige Aktion”, damit werde das Flüchtlingsproblem aber nicht gelöst, mahnte Faymann. Österreich habe damit gezeigt, dass wir “guten Willens” sind, aber “eine derartige Handlung ist keine Lösung”.

Auf diplomatischer Ebene ist es rund um die Flüchtlingskrise zwischen Ungarn und Österreich zu einem verbalen Schlagabtausch gekommen. Faymann kritisierte im Interview mit der Zeitung Österreich seinen ungarischen Amtskollegen Viktor Orban: “Jemand, der ernsthaft behauptet, er löst das Flüchtlingsproblem mit Stacheldraht und dann so ein Chaos anrichtet, der hat sich politisch disqualifiziert.” Der Staatssekretär im Budapester Außenministerium, Levente Magyar, kritisierte seinerseits Österreichs Bundeskanzler: Laut Nachrichtenagentur MTI sagte Magyar, Faymann würde neuerdings “jene Wut an Ungarns Regierung und dem Premier auslassen, die durch seine eigene Handlungsunfähigkeit in der Migrationskrise verursacht wurde”.

Weiterfahrt nach München

Am Sonntag in der Früh ist ein weiterer Zug mit Flüchtlingen vom Wiener Westbahnhof mit Ziel München abgefahren. Es seien rund 700 Flüchtlinge an Bord gewesen, sagte Polizeisprecher Patrick Maierhofer der APA. Bei dem Zug handelt es sich um einen regulären Railjet.

Zwischen 700 und 800 Flüchtlinge hatten die Nacht auf dem Westbahnhof verbracht, so dass sich derzeit dort nur wenige Flüchtlinge aufhielten, hieß es weiter. Auf dem Wiener Hauptbahnhof haben laut Maierhofer zwischen 50 und 100 Flüchtlinge die Nacht auf Sonntag verbracht. Dort sei alles ruhig verlaufen, ohne besondere Vorkommnisse.

(APA/Red.)

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